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Fintechs in Deutschland: Große Investitionen, kleiner Marktanteil

Seit 2012 haben die Investitionen in Fintechs in Deutschland deutlich zugenommen. Die prognostizierten Marktanteile, die die Unternehmen in den nächsten Jahren erobern werden, fallen indes vergleichsweise gering aus.

Die Investitionen in Fintechs haben in Deutschland seit 2012 deutlich zugenommen.

Im deutschen Markt sind laut dem Online-Portal für Statistik Statista aktuell 263 Fintechs aktiv. Der größte Teil der Unternehmen (118) hat sich auf den Bereich Finanzierung (unter anderem Crowdfunding, Factoring und Kreditvergabe) spezialisiert.

Digitale Lösungen für Geldanlage und Versicherung

Die zweitgrößte Gruppe (34 Fintechs) bieten digitale Lösungen zur Geldanlage (zum Beispiel Vaamo [1], Easyfolio und Quirion) an. Änhlich viele Fintechs (24) sind demnach im Bereich Zahlungssysteme aktiv.

Quelle: Statista

An vierter Stelle steht die Gruppe der sogenannten Insurtechs [2], die digitale Services im Bereich der Versicherungen anbieten (zum Beispiel Knip [3], GetSafe und Asuro [4]). Laut der Statistik sind in Deutschland 17 dieser Unternehmen am Markt.

Genauso viele Fintechs [5] bieten demnach Lösungen an, die Verbrauchern ermöglichen digital und privat Geld zu versenden.

Seite zwei: Investitionen in Fintechs steigen [6]

Kapitalgeber in Deutschland sehen in den heimischen Fintechs [7] immer attraktivere Investitionsziele. Das lassen zumindest die seit 2012 rasant gestiegenen Investitionen vermuten. Laut einer Analyse der Düsseldorfer Unternehmensberatung Barkow Consulting haben sich diese von 36 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 276 Millionen Euro in 2015 (Stand Mitte Dezember) erhöht.

Das Interesse der Investoren an den jungen Unternehmen ist weiterhin groß. Im vergangenen November hat einer der größten deutschen Venture Capital Gesellschaften Deutschlands, die Kölner Dieter von Holtzbrinck Ventures GmbH, gemeinsam mit der NORD/LB Norddeutsche Landesbank ein Unternehmen zum Aufbau von Fintechs [8] gegründet.

Wie erfolgreich die jungen Unternehmen tatsächlich im Markt sein werden, muss sich indes noch zeigen. So räumte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen zwar unlängst ein, dass die Fintechs eine Bereicherung seien, da sie die Banken dazu brächte, sich mehr um Innovationen zu kümmern.

Quelle: Barkow Consulting

Eine ernstzunehmende Konkurrenz sind sie seiner Ansicht nach aber nicht. “Die Fintechs geben Anstöße zu Veränderungen, aber sie werden die Banken nicht ersetzen”, so Fitschen.

Seite drei: Großer Einfluss trotz geringer Marktanteile [9]

Auch die IM-Fintech-Studie 2016, die von der auf den Finanzmarkt spezialisierten Managementberatung Investors Marketing (IM) erstellt wurde, prognostiziert eher kleine Marktanteile für deutsche Fintechs in den kommenden Jahren.

Demnach werden Fintechs [10] im Jahr 2020 im Bereich Konsumentenkredite etwa 5,5 Prozent des jährlichen Neugeschäftes für sich beanspruchen können, bei der Geldanlage soll sich ihr Anteil der Studie zufolge auf rund 2,5 Prozent erhöhen.

Großer Einfluss trotz geringer Marktanteile

Die IM-Fintech-Studie geht davon aus, dass deutsche Fintechs [11] 2020 etwa 500.000 Girokonten verwalten werden. Trotz der überschaubaren Marktanteile, sei ihr Einfluss auf das Privatkundengeschäft in den kommenden Jahren jedoch nicht zu unterschätzen, mahnen die Experten.

Quelle: Investors Marketing

“Ihre einfachen und pfiffigen Angebote ändern die Kundenerwartungen und bereiten auf diese Weise branchenfremden Unternehmen wie Amazon oder Google [12] den Markteintritt”, meint Dr. Oliver Mihm, CEO von Investors Marketing. Daher sollten sich die etablierten Finanzdienstleister mit den Angeboten der Fintechs auseinandersetzen. (jb)

Foto: Shutterstock