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Solarkraft: Wie Eigenheimbesitzer und Gewerbetreibende profitieren

In Solarprojekte zu investieren, bringt oftmals eine bessere Rendite als Festgeld und ist mit Aktienpaketen durchaus vergleichbar. Insgesamt locken Gewinne im höheren einstelligen bis unteren zweistelligen Bereich. Gastbeitrag von Björn Lamprecht, Goldbeck Solar

Björn Lamprecht: “Wichtig ist, Größe, Standort und Ausrichtung eines Sonnenkraftwerks professionell anzupassen. Denn nur, wenn alle Faktoren passen, sind zweistellige Renditen realistisch.”

Vermittler, die Anteile an Solarprojekten [1] in Deutschland oder Europa anbieten, helfen in der Regel bei der Finanzierung gleich mit. Hier können Anleger entweder persönlich finanzieren oder eine reine Projektfinanzierung abwickeln. Sinn machen solche Anlagen nicht nur für Weltverbesserer und Autarkie-Fans. Obwohl dies neben dem Cashflow zusätzliche Argumente sind, in grüne Projekte oder die Anlage auf dem eigenen Dach zu investieren.

Kraftwerk richtig aufsetzen

Wer sein Kraftwerk richtig aufsetzt und eigenen Solarstrom verbraucht, spart hohe Stromkosten. Denn der günstig erzeugte grüne Strom ersetzt die volatilen Preise der Versorger. Und ist die Anlage nach durchschnittlich sieben Jahren abbezahlt, kostet die Energie vom Dach gar nichts mehr.

Hohe Eigenverbrauchsquoten sind inzwischen Standard. Das heisst, dass Besitzer einer Photovoltaik-Anlage [2] mehr als 90 Prozent ihres Sonnenstroms auch wirklich verbrauchen können. Das klappt vor allem dann gut, wenn die Ertragskurve und die Verbrauchskurve möglichst deckungsgleich verlaufen. Ein Beispiel: Ein Industriebetrieb führt energieintensive Maschinen-Leistungstests durch. Prozessbedingt finden diese vor allem um die Mittagszeit statt. Das wäre ein perfekter Fall, weil gerade gegen zwölf Uhr die Sonneneinstrahlung gut ist. Ein professioneller Errichter kann auf die Ertragskurve mit seinem Team aus Planungsingenieuren Einfluss nehmen. Je nach Neigung und Ausrichtung der Dachanlage.

Strom selbst verbrauchen

Je höher die Menge an Kilowattstunden, die selbst genutzt wird, desto höher die Rendite. Faustregel: Selbst erzeugt kostet die Energie etwa sechs Cent pro Kilowattstunde, wer ihn aber kauft, bezahlt bis zu 26 Cent. Den Überschuss, also was am Vormittag anfällt, wenn beim Privatmensch keiner zu Hause ist, oder bei Firmen am Wochenende, geht gegen eine geringe Vergütung ins öffentliche Netz. Hier bekommt man zehn Cent rückvergütet. Modelle, bei denen 100 Prozent des Ertrags eingespeist wird, lohnen sich in Deutschland nicht mehr.

Seite zwei: Lasten verschieben [3]

Wichtig ist, Größe, Standort und Ausrichtung eines Sonnenkraftwerks professionell anzupassen. Denn nur, wenn alle Faktoren passen, sind zweistellige Renditen realistisch. Unbedingt Prüfen: Ist das Dach geeignet und groß genug? Reicht die Statik, um zusätzlicher Belastung durch Wind und Schnee standzuhalten?

Privathaushalte sollten mindestens 35 Quadratmeter Dachfläche mitbringen nach einer Seite, nicht Richtung Norden. Außerdem dürfen Bäume, Nachbarhäuser oder der eigene Kamin keinen großen Schatten auf die Dachfläche werfen. Um 4000 Kilowattstunden im Jahr (ungefähr das, was eine Familie benötigt) mit einer Solaranlage [4] zu erzeugen, sollte diese fünf Kilowatt-Peak erzeugen. Das entspricht einer Modulfläche von 35 bis 50 Quadratmetern. Auch kleinere Anlagen sind möglich und sinnvoll.

Lasten verschieben

Experten können PV-Anlagen heute so auslegen, dass Gewerbetreibende 80 Prozent des erzeugten Stroms selbst verbrauchen und dadurch autarker werden. In energieintensiven Branchen sind es schnell 100 Prozent. Das klappt bei Privathaushalten zwar meistens nicht. Aber auch hier können die Besitzer mit cleverem Lastenverschieben mehr eigenen Strom nutzen. Im Kommen sind Stromspeicher. Die Geräte werden von Woche zu Woche günstiger und leistungsfähiger. Ein solcher elektrochemischer Speicher hebt überschüssige Energie für den Abend oder bewölkte Tage auf. Dann kann der Autarkiegrad auch bei Familien auf bis zu 70 Prozent steigen.

Mit einer sinnvoll ausgelegten Anlage, hohem Eigenverbrauch und cleverem Verschieben der Lasten sind für Firmen mindestens sechs Prozent Gesamtkapitalrendite zu erwarten. Hierfür reicht es bei Dächern manchmal schon Teilflächen mit Solar-Panels zu bepflastern. Am günstigsten ist natürlich der Strom, der gar nicht erst verbraucht wird. Wer mit modernen Maschinen, LED-Beleuchtung oder Energiemanagementsystemen intelligent den Verbrauch senkt, spart weiter.

Björn Lamprecht ist Geschäftsführer (COO) der Goldbeck Solar GmbH, einem Unternehmen der Goldbeck-Gruppe.

Foto: Goldbeck Solar