Dr. Lück (Blackrock): Die Welt als Spielball

Viele Volkswirtschaften sind abhängig von der Entwicklung der USA und Chinas. Das Handelsabkommen zwischen den USA und China sollte die Weltwirtschaft ankurbeln. Doch nun benötigt die Übereinkunft Korrekturen. Was dies für die Anleger bedeutet, ordnet Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock, in seinem Gastbeitrag ein.

Martin Lück analysiert das Geschehen an den wichtigsten Kapitalmärkten.

Durchaus möglich, dass sich die chinesische Seite bezüglich des Handelsdeals mit den USA zu sicher gefühlt hatte. Denkbar auch, dass die jüngsten Erfolge beim Prestigeprojekt ‚Belt and Road‘, etwa Unterstützung durch Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, zum Eindruck beigetragen hatten, der Westen würde selbst die dicksten Kröten schlucken, um mit China im Geschäft zu bleiben.

Zu hohe Erwartungen bei Trump?

Das mag auch alles rational sein, nur hat man es eben auf amerikanischer Seite nicht mit einem rational tickenden Gegenüber zu tun. Inzwischen sickert durch, dass Donald Trumps Tweet vom letzten Wochenende, der den Chinesen den Versuch von ‚Nachverhandlungen‘ unterstellt, nicht völlig ohne Substanz ist.

In der Erwartung des quasi sicher geglaubten Abkommens scheint die Delegation um Liu He tatsächlich einige Änderungswünsche vorgelegt zu haben. Für den US-Präsidenten, der im Nachgang zur Veröffentlichung des Mueller-Berichts angeschlagen ist und bereits im Hinblick auf den Wahlkampf 2020 bereits die Schlagzahl hochfährt, war dies eine Steilvorlage.

Die Weltwirtschaft wieder anschieben

Der Welthandel hatte bereits aufgrund der nachlassenden Dynamik in China und des drohenden Handelskrieges im Jahr 2018 spürbar an Fahrt verloren, mit entsprechenden Bremsspuren in den exportorientierten Volkswirtschaften sowohl der Industrie- als auch Schwellenländer. Mit dem sich abzeichnenden Handelsabkommen zwischen den USA und China, so die Hoffnung, würde nun einerseits das chinesische Wachstum selbst unterstützt und damit die Weltwirtschaft insgesamt erheblich angeschoben werden.

Seite 2: Wie Anleger agieren sollten

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