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Neuausrichtung: Was die Commerzbank mit Comdirect plant

Nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank versucht sich die Commerzbank mit einem tiefgreifenden Umbau gegen die Niedrigzinsen und die harte Konkurrenz zu stemmen. Zugleich stimmt das Geldhaus seine Kunden auf Gebührenerhöhungen ein.

Comdirect ist börsennotiert, gehört aber zu 82 Prozent der Commerzbank.

Die Bank werde “Preisänderungen vornehmen”, sagte Vorstandschef Martin Zielke am Freitag in Frankfurt, versicherte jedoch: “Das ist nicht der Einstieg in den Abschied vom kostenlosen Girokonto.” Für die Kunden der Online-Tochter Comdirect , die bald ganz in der Commerzbank aufgehen soll, werde sich an den Konditionen nichts ändern.

Positive Signal an den Börsen

Die Commerzbank-Aktie, die Anfang der Woche nach der Veröffentlichung der wichtigsten Strategie-Eckpunkte in den Sinkflug gegangen war, legte nach den Details am Freitag wieder etwas zu. Zur Mittagszeit lag sie mit 1,48 Prozent im Plus bei 5,42 Euro und gehörte damit zu den stärkeren Werten im MDax.

Seit ihrem Zwischenhoch von 8,255 Euro, das sie im April während der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank erreicht hatte, ist sie aber weiter weit entfernt.

Der Aufsichtsrat der Commerzbank hatte am Donnerstag der neuen Strategie des Vorstands zugestimmt, mit der die Bank unterm Strich 2300 Stellen streichen und jede fünfte ihrer rund 1000 Filialen schließen will.  

Wo genau die Zweigstellen wegfallen sollen, steht noch nicht fest. Die Gewerkschaft hat bereits Widerstand angekündigt. Mittelfristig rechnet das Geldhaus durch den Umbau mit sinkenden Kosten: 2023 sollen sie um rund 600 Millionen Euro unter denen des laufenden Jahres liegen.

Konsolidierung erwartet

Zudem investiert die Commerzbank 750 Millionen Euro in eine stärkere Digitalisierung ihres Geschäfts, etwa den Ausbau des mobilen Bankings. Mit der Strategie werde die Bank “wetterfest”, so Zielke.

Damit will er das Geldhaus auch für mögliche Zusammenschlüsse mit anderen Banken rüsten. Über kurz oder lang werde es in der Branche in Deutschland und möglicherweise in Europa zur Konsolidierung kommen, sagte er. Die Commerzbank wolle im Fusionspoker “ein aktiver Spieler” sein. Allerdings wollte er nicht sagen, ob das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut dabei als Käuferin anderer Geldhäuser auftreten soll.

 

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Unterdessen verabschiedete sich die Commerzbank-Führung von ihrem Ziel, die bereinigten Erträge 2019 zu steigern. Der scheidende Finanzvorstand Stephan Engels begründete das mit den anhaltend niedrigen Zinsen. Diese dürften sich in den kommenden Jahren kaum ändern.

“Rendite von über fünf Prozent möglich”

Dennoch geht der Vorstand davon aus, dass die Erträge der Bank in den kommenden Jahren wieder steigen. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital dürfte vorerst aber bei 2 bis 4 Prozent liegen und soll erst 2023 mehr als 4 Prozent erreichen. “Im günstigsten Fall wäre eine Rendite von über 5 Prozent möglich”, sagte Finanzchef Engels, der seinen Posten spätestens Ende März 2020 an seine Vorstandskollegin Bettina Orlopp abgibt.

Dabei soll auch das Anwerben weiterer Privatkunden helfen – das ist indes eine Drosselung des bisherigen Wachstumstempos. Seit Bekanntgabe der bisherigen Strategie von Herbst 2016 hat die Commerzbank nach eigenen Angaben netto 1,3 Millionen Neukunden gewonnen, bis Ende 2020 sollten es eigentlich 2 Millionen sein. Nun will Zielke bei rund 1,5 Millionen Ende 2019 einen Strich ziehen und bis 2023 noch einmal eine Million Kunden hinzugewinnen.

“Das kann ich mir nicht vorstellen”

Einer Million inaktiven Kunden hingegen will das Geldhaus kündigen. Die Klienten, die die Commerzbank teilweise 2009 von der Dresdner Bank übernommen hatte, kosteten den Betrieb Geld, sagte Zielke.

Welche Gebühren für die Kunden genau steigen sollten, ließ er offen – etwa, ob künftig ein regelmäßiger Geldeingang oder Zahlungsverkehr Voraussetzung für ein kostenloses Konto sein werden. Die Bank hat schon Gebühren etwa für Papier-Überweisungen eingeführt. Negativzinsen für vermögende Privatkunden erteilte Zielke derweil eine Absage: “Das kann ich mir nicht vorstellen.”

Die Kosten für Stellenabbau und Filialschließungen beziffert die Commerzbank auf 850 Millionen Euro. Um diese zu stemmen, will das Geldhaus seine polnische Tochter mBank verkaufen. Ihre Online-Tochter Comdirect will die Commerzbank dagegen ganz übernehmen und mit dem Mutterkonzern verschmelzen.

Über die Gründe

Für Comdirect-Kunden soll sich vorerst nichts an den Konditionen ändern. Die Marke Comdirect will Zielke künftig aber nur noch als Marke für den Online-Wertpapierhandel einsetzen.

Die Commerzbank ist wie die gesamte Branche unter Druck: Bei Privatkunden sowie bei Mittelstand und Firmenkunden – den beiden Hauptgeschäftsfeldern des Instituts – herrscht harter Preiskampf. Die herbeigesehnte Wende zu höheren Zinsen hat die Europäische Zentralbank (EZB) auf unbestimmte Zeit verschoben, der Strafzins für geparkte Gelder kostet die Branche Milliarden. (dpa/AFX)

Foto: Comdirect