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Über 40 Jahre lange Spannungen zwischen den USA und Iran im Persischen Golf dauern an

Nachdem der Iran in die Ecke getrieben wurde und die Spannungen zwischen dem iranischen Regime und dem Weißen Haus zugenommen haben, wird erneut über eine mögliche Blockade der Straße von Hormus diskutiert. Die Seefahrtsroute, über die der Großteil des Öls aus dem Nahen Osten transportiert werden muss, ist ein kritisches Gebiet. Ein Kommentar von Nitesh Shah, Director, Director Research bei WisdomTree.

Nitesh Shah, Director Research beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree.

Zuallererst müssen wir auf eine gewisse erkenntnismäßige Dissonanz hinweisen, die besteht, wenn wir ein günstiges Umfeld für Öl und Gold ausmachen und gleichzeitig eine konstruktive Haltung zum US-Dollar gegenüber einer anderen wichtigen Währung einnehmen. Rohstoffe entwickeln sich für gewöhnlich gegenläufig zum US-Dollar.

Der Grund für unsere negative Einschätzung zum Euro liegt in der unsicheren Politik des Kontinents bezüglich der Kraftstoffkosten für Verbraucher. Dies geht auf das Risiko durch die „Gelbwesten-Bewegung“ in Frankreich zurück, deren neugewonnene Stärke den Markt überraschte.

Was ist die Ursache für das Säbelgerassel?

Obwohl die USA den Iran mit Sanktionen belegten, wurden vielen ölverbrauchenden Ländern im letzten November Ausnahmen gewährt, sodass sie weiterhin Öl vom iranischen Regime kaufen konnten. Diese Ausnahmeregelungen liefen aber im Mai aus, weshalb das Regime nun Marktanteile für seine 1,3 Mio. Barrel Ölexporte pro Tag verliert.

Jetzt ist der Iran bestrebt, sich aus dem Atomabkommen mit der Europäischen Union (EU) herauszumanövrieren, weil das Land nach dem Rückzug der USA aus dem Abkommen im vergangenen Mai keine Vorteile mehr für sich sieht.

Hormus: Wichtigster Weg für Öl 

Die Straße von Hormus ist die wichtigste Meerenge der Welt. Auf sie entfallen 30 Prozent des globalen Seehandels mit Rohöl und anderen Flüssigkeiten. Über die Route werden zudem die gesamten Flüssigerdgasexporte von Katar transportiert, die etwa 30 Prozent des globalen Handels mit Flüssigerdgas ausmachen .

Das US-amerikanische Amt für Energiestatistik (EIA) geht davon aus, dass sich die Fördermenge des Ölkartells der OPEC 2020 auf 29,8 Mio. Barrel pro Tag belaufen wird. 18 Mio davon werden über die Straße von Hormus transportiert werden. Im Vergleich dazu verblasst die Bedeutung der anderen beiden Meerengen.

Es ist zwar nahe liegend, sich anzusehen, was in der Vergangenheit bei ähnlichen Ereignissen passiert ist, aber solche Vergleiche eignen sich nur bedingt, weil sich Konflikte immer voneinander unterscheiden. Beginnen wir mit Öl.

Öl löst seit Jahrzehnten Spannungen am Golf aus

Während die Golfkriege durchaus als nützliche Anhaltspunkte für Ölschocks durch Konflikte im Nahen Osten dienen, ist die Bilanz bei anderen Ereignissen durchwachsen. Von 1987 bis 1988 waren die Spannungen in der Region zum Beispiel erhöht, aber die Ölpreise stiegen trotzdem nicht.

Pessimisten erkennen wahrscheinlich einige Parallelen mit den 1980er-Jahren: die heutige Nachfrage nach umweltfreundlicheren Autos, die tägliche Ölfördermenge Saudi-Arabiens von fast 10 Mio. Barrel und die ungewöhnliche hohen Mengen an Schieferöl aus den USA. Vieles davon ist jedoch irrelevant, wenn der Transport über die Straße von Hormus nicht mehr gesichert ist.

 

Seite 2: Was Öl und Goldrallye miteinander zu tun haben [1]

Folgende Daten verdeutlichen dies: Venezuelas Fördermenge fiel von 2,4 Mio. Barrel pro Tag im Jahr 2016 auf das heutige Niveau von 800.000 Barrel pro Tag. Dies entspricht einem Rückgang von 1,6 Mio. Barrel pro Tag . Das über die Straße von Hormus transportierte Rohöl und Rohöläquivalente beläuft sich aber ungefähr auf das 11-Fache davon.

Wie die Goldrallye davon abhängt

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Gold verzeichnete in den 1970er-Jahren seine beste Outperformance, aber es ist schwierig, von diesen Ereignissen auf die Zukunft zu schließen. Der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Währungssystems führte in dieser Ära zu einer grundlegenden Änderung des Goldpreises.

Als Präsident Ford 1974 eine Verordnung unterzeichnete, gemäß der US-Bürger Gold besitzen und mit Gold handeln durften, machte er die vier Jahrzehnte lange währende offizielle Politik des Landes rückgängig, die der Goldverbotserlass von Präsident Roosevelt 1933 begründete. Nachdem die größte Volkswirtschaft der Welt wieder in Gold investieren konnte, erfolgte Mitte der 1970er-Jahre ein struktureller Wandel bei der Nachfragedynamik des Edelmetalls.

Da Anleger zum ersten Mal seit vier Jahrzehnten versuchten, Gold zu kaufen, fiel der Preisanstieg deutlich höher aus, als man heute für eine aktuelle Situation annehmen könnte.

Trotzdem dienen der Yom-Kippur-Krieg und der erste Golfkrieg als Beweis dafür, dass sich Goldpreise absetzen können, wenn die Spannungen im Nahen Osten zunehmen. Doch selbst wenn die Gefahr einer Blockade der Straße von Hormus abklingen sollte, könnte das Edelmetall von anderen geopolitischen Spannungen beeinflusst werden. Ganz oben auf der Liste steht dabei ein möglicher kalter Krieg zwischen China und den USA, was man nicht außer Acht lassen sollte.

Short-Position in Euro gegenüber dem US-Dollar

Die populistische Rechte in Europa könnte infolge von Unzufriedenheit wegen der steigenden Kraftstoffpreise stärker werden. Die Bewegung der gilets jaunes in Frankreich zeigt, was passieren könnte, wenn gewöhnliche Menschen, die ohnehin schon frustriert sind, mit steigenden Kraftstoffpreisen konfrontiert werden.

Auch wenn viele glauben, dass die Protestbewegung derzeit weitgehend abflaut, könnten höhere Dieselkosten sie wieder stark aufleben lassen. Die USA sind weniger anfällig für politische Schocks aufgrund hoher Ölpreise, weil sie selbst so viel Öl produzieren.

Dies ist ein deutlicher Unterschied zur Situation der USA in der Vergangenheit. Aus diesem Grund scheint hier eine Gefahr für den Euro zu bestehen und es gilt die seltene Ausnahme von der „Regel“, dass Optimismus in Bezug auf Öl und Gold für gewöhnlich Hand in Hand mit Pessimismus in Bezug auf den US-Dollar geht.

 

Foto: Wisdom Tree