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Wiederwahl Modis: Ehrgeizige Reformpläne in Indien

Indiens Regierungspartei BJP (Bharatiya Janata Party) hat die Parlamentswahl im Mai dieses Jahres gewonnen und erreichte unerwartet eine absolute Mehrheit der Sitze im Unterhaus des Parlaments. Ein guter Zeitpunkt, um auf die bereits umgesetzten wegweisenden Reformen während Modis vorheriger Amtszeit und potenzielle Veränderungen für die nächsten fünf Jahre zu blicken sowie die Gründe für Indiens langfristig starke Wachstumsperspektiven zu erörtern. Ein Kommentar von Avinash Vazirani, Fondsmanager des Jupiter India Select SICAV bei Jupiter Asset Management.

Avinash Vazirani, Fondsmanager des Jupiter India Select SICAV bei Jupiter Asset Management.

Das Ergebnis der indischen Parlamentswahlen 2019 wurde am 23. Mai bekannt gegeben: Narendra Modi sicherte sich eine zweite fünfjährige Amtszeit, was unseres Erachtens ein sehr positiver Ausgang für Indien ist. Nicht nur aufgrund der Kontinuität in der Regierungsführung, sondern auch wegen der richtungsweisenden Reformen, die wir in den nächsten fünf Jahren erwarten können.

Indien profitiert weiterhin von laufenden Reformen

In den letzten fünf Jahren hat die Regierung Modi eine Reihe struktureller Reformen erfolgreich eingeleitet. Einige davon führten kurzfristig zu massiven Disruptionen, wie etwa die Demonetisierung, als 86 Prozent des umlaufenden Bargelds aus dem Verkehr gezogen wurden. Wir glauben jedoch, dass die positive Wirkung dieser Reformen noch nicht voll zum Tragen gekommen ist und Indien noch über Jahre von den Vorteilen profitieren wird.

Unserer Meinung nach hat die Regierung Modi in der vorangegangenen Amtszeit vier wesentliche progressive Reformen eingeführt: die finanzielle Eingliederung, die Waren- und Dienstleistungssteuer (GST), ein nationales Insolvenzrecht (IBC) und ein „Direct-Benefit-Transfer“-Programm (DBT).

Ehrgeiziges Reformprogramm für die Zukunft

Wir gehen davon aus, dass die BJP Partei in den nächsten fünf Jahren weitere und womöglich ambitioniertere Reformen einführen wird. Ganz oben auf der Reformliste steht das neue nationale Gesundheitsprogramm, bekannt als „Modicare“. Es wird zwar voraussichtlich einige Jahre dauern, bis die Regierung Modicare vollständig implementiert haben wird, und die geschätzten Kosten sind mit rund 1,7 Mrd. USD pro Jahr immens. Man erhofft sich jedoch eine erhebliche Verbesserung des Einkommensniveaus und der Lebensqualität von Familien mit geringem Einkommen. Aus Anlegersicht sollte zudem ein günstiges Investitionsklima entstehen.

Weitere mögliche Reformen beinhalten die Beschleunigung des Gesetzgebungsprozesses und die Gewährleistung eines einheitlichen Rechtsstandards sowie wichtige Agrar- und Arbeitsmarktreformen, die insbesondere für das Wirtschaftswachstum von großer Bedeutung sind. Wir glauben, Fortschritte in diesen Bereichen könnten Indien zu einem globalen Produktionszentrum machen und so große Wachstumschancen eröffnen. Während indische Arbeitskräfte gut ausgebildet und zu einem attraktiven Preis verfügbar sind, stehen viele Unternehmen derzeit vor einigen regulatorischen Herausforderungen.

Attraktive Anlagemöglichkeiten im öffentlichen Bankensektor

Ein ambitioniertes Reformprogramm erfordert neben anhaltenden Infrastrukturausgaben eine beträchtliche Menge Geld. Angesichts der Tatsache, dass die Regierung Modi bisher finanziell umsichtig war und ihre Absicht bekundet hat, dies auch weiterhin zu bleiben, könnten einige dieser Reformen, unserer Meinung nach, durch den Verkauf staatseigener Vermögenswerte finanziert werden. Öffentliche Unternehmen könnten daher aus der Wiederwahl Modis Nutzen ziehen, insbesondere öffentlich-rechtliche Kreditinstitute, da in ihrem Sektor derzeit von Konsolidierung und Ausverkäufen gesprochen wird.

Wir halten derzeit mehrere öffentliche Banken in unserem Portfolio, darunter die State Bank of India, die Canara Bank und die Oriental Bank of Commerce. Diese Banken haben von den Bemühungen der Regierung um finanzielle Eingliederung profitiert und auch beträchtliche Fortschritte bei dem Abbau fauler Kredite erzielt. Während der öffentliche Bankensektor insgesamt Marktanteile verloren hat, werden unseres Erachtens ausgewählte öffentliche Banken mit erfolgreichen und erfahrenen Managementteams in der Lage sein, sich gegen die Privatbanken zu behaupten.

Wir erwarten darüber hinaus auch, dass das aktuelle und zukünftige Reformprogramm zu einer wachsenden Mittelschicht führen wird, was wiederum konsumnahen Unternehmen zugutekommen sollte. Ein Beispiel für einen potenziellen Nutznießer aus unserem Portfolio ist Indiens größte Fluggesellschaft (nach beförderten Passagieren) InterGlobe Aviation, die kürzlich einen Marktanteil von fast 50 Prozent im Inlandsmarkt meldete. In diesem Jahr hatte das Unternehmen kurzfristig Rückenwind, weil ein Konkurrent zum Marktaustritt gezwungen wurde. Langfristig wird es unserer Meinung nach davon profitieren, dass der Teil der Bevölkerung, der sich Flugreisen leisten kann, weiter wächst.

Unser Ausblick für Indien

Unserer Einschätzung nach wird sich die Regierung Modi weiterhin um eine gute Regierungsführung bemühen und somit Reformprozesse gezielt steuern und dauerhaft verankern. Es liegt klar auf der Hand, dass es auf Bundes- bzw. Zentralstaatsebene wenig Widerstand gegen die BJP gibt. Wir glauben, dass dies ein Zeichen dafür ist, dass Modi viele der unerfüllten Erwartungen aus seiner vorherigen Amtszeit erfüllen wird.

Kurzfristig könnte es zu Disruptionen kommen: Das BIP-Wachstum ging im letzten Quartal auf 5,8 Prozent zurück, und in mehreren Branchen, darunter auch die Automobilbranche, hat sich das Wachstum von einem hohen Niveau aus verlangsamt. Das Einkommen im ländlichen Raum stagniert seit mehreren Jahren infolge unterdurchschnittlicher Monsunregen und niedrigerer Rohstoffpreise.

Wir erwarten jedoch weiterhin langfristig gute Wachstumsaussichten in Indien. Das Land verzeichnete für das zum 31. März 2019 abgeschlossene Haushaltsjahr ein BIP-Wachstum in Höhe von 6,8 Prozent; aus unserer Sicht wird es sich auf dem Niveau von 7 Prozent halten. Eine erhebliche Verbesserung erreichte Indien auch im „Ease of Doing Business“ Ranking der Weltbank. Dort rückte Indien vom Ranglistenplatz 130 im Jahr 2017 auf aktuell Rang 77. Dies dürfte weiterhin ausländische Investoren anlocken. In den letzten Jahren hat die Wirtschaft einen beträchtlichen Strukturwandel durchlaufen, und wir sind davon überzeugt, dass die Vorteile dieser strukturellen Änderungen noch nicht vollständig ausgeschöpft wurden.

 

Foto: Jupiter Asset Management