19. August 2020, 12:20
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Langzeitstudie: Macht bedingungsloses Grundeinkommen faul?

Eine über drei Jahre Jahre laufende Langzeitstudie untersucht, wie sich ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1.200 Euro pro Monat auswirkt. Jetzt suchen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), der Verein Mein Grundeinkommen, Wissenschaftler des Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und die Universität Köln 120 Freiwillige.

Geld in Langzeitstudie: Macht bedingungsloses Grundeinkommen faul?

Drei Jahre lang jeden Monat 1.200 Euro – was macht ein bedingungsloses Grundeinkommen mit Menschen? Das wollen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), der Verein Mein Grundeinkommen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und der Universität zu Köln in einer Langzeitstudie untersuchen. Das Forschungsprojekt wurde am Dienstag mit der Freischaltung einer Bewerbungsseite im Internet gestartet.

Jetzt bewerben
Wer seinen ersten Wohnsitz in Deutschland hat und mindestens 18 Jahre alt ist, kann sich bewerben. Sobald eine Million Bewerber zusammengekommen sind, startet ein Auswahl- und Auslosungsprozess. 120 Teilnehmer sollen ab Frühjahr 2021 drei Jahre lang monatlich die 1.200 Euro bekommen.

Finanziert wird das Projekt über Spenden. Die Wissenschaftler wollen dann durch regelmäßige Befragungen der Teilnehmer herausfinden, wie sich ihr Alltag durch das Geld verändert. Der Blick richtet sich unter anderem auf das Arbeitsleben, die Finanzen, den Bereich Familie und soziale Kontakte und auch auf mögliche psychische Veränderungen. Zur Analyse des Stresslevels würden auch Haarproben ausgewertet, heißt es.

Wissenschaftliches Neuland
„Wir wollen wissen, was es mit Verhalten und Einstellungen macht und ob das Grundeinkommen helfen kann, mit den gegenwärtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft umzugehen“, sagte Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins Mein Grundeinkommen, am Dienstag in Berlin.

Es gebe zwar bereits weltweit wissenschaftliche Studien zum Thema, aber ihre Erkenntnisse seien begrenzt, sagte Jürgen Schupp, vom DIW Berlin. „Sie sind entweder veraltet, nicht verallgemeinerbar oder untersuchen das Grundeinkommen nur für Erwerbslose. Vor diesem Hintergrund betreten wir in Deutschland mit dieser Studie wirklich wissenschaftliches Neuland“.
Faulheitsthese: Macht geschenktes Geld faul und unglücklich?

Gegner der Idee befürchten, dass eine solche Zahlung die Motivation von Menschen bremse und diese letztlich unglücklicher mache. Zudem werden die Kosten angeführt. Rein rechnerisch würde ein Grundeinkommen von 1.000 Euro für knapp 83 Millionen Bundesbürger fast eine Billion Euro im Jahr kosten. Die gesamten Staatsausgaben liegen bisher laut Statistischem Bundesamt bei knapp 1,5 Billionen Euro im Jahr.

Der Verein Mein Grundeinkommen widerspricht in beiden Punkten: Für die „Faulheitsthese“ gebe es keine Beweise. In weltweit allen Pilotprojekten sei genauso oder sogar noch mehr weitergearbeitet worden. Für die Finanzierung gebe es verschiedene Modelle.

Bedingungsloses Grundeinkommen wird wie eine Steuerreform

„Das Grundeinkommen ist im Wesentlichen eine Steuerreform“, schreibt der Verein auf seiner Internetseite. Menschen mit geringen Einkommen hätten dadurch mehr Geld zur Verfügung, die so genannte Mittelschicht etwa gleich viel und die Reichsten etwas weniger als vorher. „Unterm Strich zahlen diese Menschen dann mehr Steuern, als sie Grundeinkommen erhalten.“

Mit Hartz 4 gebe es zudem auch heute schon eine Art Grundeinkommen – nur sei dieses nicht bedingungslos, sondern sorge für Demotivation, Existenzangst und Misstrauen.

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