20. Juli 2020, 10:00
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Wie man den Verlust von 1,9 Milliarden Euro verhindert

Systembrüche in komplexen Prozesslandschaften sind aus verschiedensten Gründen problematisch. Sie führen zu intransparenten und teilweise inkonsistenten Prozessabläufen, einer beeinträchtigten Prozesseffizienz und hohen Prozesskosten. Und sie bieten darüber hinaus natürlich auch die Möglichkeit, Aktivitäten zu verschleiern. Ein Kommentar von Dr. Gero Decker, CEO von Signavio

Dr -Gero-Decker in Wie man den Verlust von 1,9 Milliarden Euro verhindert

Gero Decker ist CEO von Signavio

“Immer mehr Unternehmen, gerade im Finanzdienstleistungsbereich, setzen daher auf die Methode des Process Mining, um Betriebsabläufe besser zu verstehen und systematisch zu optimieren. Process Mining liefert detaillierte Informationen über die Funktionsweise komplexer Prozesse und die Interaktion von Prozessen. Mithilfe von Process Mining können Unternehmen Prozessdaten aus verschiedenen Systemen analysieren und die Datenspuren ihrer Prozesse über Systemgrenzen hinweg verfolgen.

Auf dieser Informationsbasis ist es möglich, Prozesse zu optimieren oder zu standardisieren. Primäre Ziele sind dabei die Reduzierung von Kosten durch Effizienzverbesserungen und die Minimierung von Innovationsrisiken.

So hilft Process Mining, bessere, transparentere und vor allem datengestützte Entscheidungen zu treffen. Damit schützt die Methode auch bei zwingend erforderlichen Veränderungen oder bei der Umsetzung von Innovationen vor negativen Auswirkungen.

Und darüber hinaus verbessert Process Mining auch die Compliance. Wenn in Unternehmen Prozesslandschaften eine extrem hohe Komplexität aufweisen, ist die Einstufung von Risiken und die Ermittlung von Compliance-Verletzungen prinzipiell keine einfache Aufgabe. Genau an diesem Punkt unterstützen Process-Mining-Lösungen.

Process Mining bietet etwa Finanzdienstleistern einen nahtlosen Überblick über alle internen Prozesse und externen Transaktionen. Außerdem unterstützt Process Mining die exakte Verfolgung von Prozessabläufen.

Bei Compliance-Verletzungen können automatisch entsprechende Meldungen generiert werden. Auf diese Weise können Bankinstitute sicherstellen, dass sie in Einklang mit regulativen Vorgaben handeln. Zudem kann bei verdächtigen Transaktionen eine schnellere Information der Aufsichtsbehörden erfolgen.

Auf jeden Fall gilt: Ist eine Process-Mining-Lösung im Einsatz, bleiben unbeabsichtigte oder auch beabsichtigte Compliance-Verstöße seltener unentdeckt. Damit ist es letztlich auch wesentlich unwahrscheinlicher, dass sich 1,9 Milliarden Euro einfach so in Luft auflösen können.

Und die weitere Entwicklung im Prozessmanagement ist vorgezeichnet: Sie geht in Richtung durchgängige Prozessautomatisierung mit einer Reduzierung manueller Tätigkeiten und damit auch einer Vermeidung von menschlichem Fehlverhalten – unwissentlich oder wissentlich.

Auch Themen wie Finanzbuchhaltung oder Bilanzerstellung werden hier keine Ausnahmen bilden. Nicht umsonst hat auch das World Economic Forum Finanzanalysten, Accountants und Auditoren als Berufsgruppen eingestuft, deren Aufgaben mehr und mehr durch Automatisierung erledigt werden.

Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind von dieser Entwicklung ebenfalls betroffen. Letztendlich kann Technologie einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass Aufgaben nicht nur schneller abgearbeitet werden, sondern vor allem auch dass Compliance-Verstöße vermieden werden.”

(Der Autor ist CEO des Business-Transformation-Spezialisten Signavio mit Hauptsitz in Berlin)

Foto: Signavio

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