Candriam misst Nachhaltigkeit von 128 Ländern

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Der Asset Manager Candriam hat sein Sovereign-Sustainability-Modell aktualisiert, das die Nachhaltigkeit von 128 Ländern erfasst und beurteilt. Wo Deutschland in diesem Jahr landet

Neu ist in diesem Jahr, dass der Assetmanager sein Scoring-Modell stärker danach gewichtet hat, wie Länder ihr Naturkapital verwalten. Die ersten fünf Plätze belegen demgemäß die Schweiz sowie die nordischen Länder Schweden, Dänemark und Finnland, gefolgt von Österreich. Deutschland erreicht mit dem zehnten Platz erneut eine Top-Ten-Platzierung. Länder wie China (Platz 59), die Türkei (87) und Russland (93) weisen abermals erhebliche Defizite auf und entsprechen daher nicht den Nachhaltigkeitskriterien von Candriam. Allerdings: Auch die Niederlande, Australien oder Norwegen werden für die Verwaltung ihres Naturkapitals abgestraft.

Vincent Hamelink, Chief Investment Officer bei Candriam: „Unser aktualisiertes Sovereign-Sustainability-Modell zeigt, dass die Zerstörung unseres natürlichen Umfelds langfristige wirtschaftliche und soziale Folgen nach sich zieht. Die Anleger müssen diese Faktoren in ihre Analysen integrieren, um die langfristige Wertschöpfung zu maximieren.“

Naturkapital als Grundpfeiler

Im Vergleich zu den Ausgaben von 2009 und 2017 kommt es in der neuesten Sovereign-Sustainability-Analyse zu einer bedeutenden Änderung, die verdeutlicht, wie sehr sich der Schwerpunkt der Länderanalyse von der wirtschaftlichen auf die nachhaltige Entwicklung verlagern muss. Die ESG-Analysten haben deshalb ein Modell entworfen, das sich stärker darauf konzentriert, wie Länder mit ihrem Naturkapital umgehen und wie die Wechselwirkung zwischen Naturkapital und den drei anderen Kapitalformen Humankapital, soziales Kapital sowie Wirtschaftskapital aussieht.

Der Großteil der Umweltauswirkungen im kommenden Jahrzehnt ist eine direkte Folge der früheren und aktuellen Wirtschaftsaktivitäten. Dazu kommt, dass Naturkapital nicht durch andere Kapitalformen ersetzt werden kann. Daher hängt die soziale und wirtschaftliche Entwicklung eines Landes zum großen Teil davon ab, wie es mit seinem Naturkapital umgeht. So tragen bei einer Entwaldung die veränderte Landnutzung und die Lebensraumzerstörung zur Degradierung des Ökosystems bei. Dies wiederum verschärft den Klimawandel und erhöht die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß von Naturkatastrophen sowie die Übertragung von Krankheiten auf den Menschen.

Vincent Hamelink, Chief Investment Officer bei Candriam, sagt:„Unser aktualisiertes Sovereign-Sustainability-Modell zeigt, dass die Zerstörung unseres natürlichen Umfelds langfristige wirtschaftliche und soziale Folgen nach sich zieht. Die Anleger müssen diese Faktoren in ihre Analysen integrieren, um die langfristige Wertschöpfung zu maximieren.“

Verschlechterung der Nachhaltigkeitskennzahlen

Das Sovereign-Sustainability-Modell von Candriam zeigt, dass sich die Nachhaltigkeitskennzahlen von Industrie- und Schwellenländern im analysierten Zwölfmonatszeitraum verschlechtert haben. Die Änderung der Methodik im Jahr 2020 hatte jedoch keine Auswirkungen auf den Spitzenreiter der Gesamtliste, die Schweiz. Das Land erzielte bei allen vier Kapitalsäulen und insbesondere beim Naturkapital sehr hohe Werte. Gleich hinter der Schweiz landete Schweden auf dem zweiten Platz, gefolgt von Dänemark und Finnland. 

Unter den Industrieländern wirkten sich die Änderungen an der Methodik am stärksten auf Australien (28) aus. Das Land litt unter seiner schwachen Bewertung für Naturkapital, die auf seine hohe CO2-Bilanz zurückzuführen ist. Australien weist bei den Treibhausgasemissionen und dem Verbrauch von natürlichen Ressourcen einen der schlechtesten Trends weltweit auf, da es weit mehr als ähnliche Länder auf Bergbau- und Kohlenwasserstoffexporte angewiesen ist.

Auch Norwegen (15) und die Niederlande (12) fielen nach der neuen Methode zurück. Beide rutschten in der Gesamtliste um acht Plätze nach unten. Norwegen wurde insbesondere durch seine Öl- und Gasexporte belastet. Die Niederlande litten unter ihrem noch immer hohen Anteil an fossilen Brennstoffen bei der Stromerzeugung im Vergleich zu ähnlichen Ländern sowie unter der Bedrohung durch den Klimawandel und den Anstieg des Meeresspiegels. Ökologisch ineffiziente Länder werden, wenn sie weiterhin große Mengen an Naturressourcen erschöpfen, letztendlich negative Auswirkungen auf alle vier Kapitalarten (Humankapital, soziales Kapital, Wirtschaftskapital und Naturkapital) verzeichnen – mit verheerenden sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen.

Kroum Sourov, Sovereign Sustainability Analyst bei Candriam, ergänzt: „Es ist zwar sehr erfreulich, dass die Bedeutung des Klimawandels und des Umweltschutzes von den Aufsichtsbehörden zunehmend erkannt wird. Doch wir glauben, dass die Industrie vorangehen sollte, wenn es darum geht, die veränderte Art und Weise, wie wir über Produktion, Konsum und Kapitalanlage nachdenken, praktisch umzusetzen. Nachhaltigkeitsprobleme können nicht mehr übertüncht werden. Die Risse sind einfach zu groß geworden.“

Zur Methodik

Der Ansatz von Candriam geht davon aus, dass Naturkapital endlich ist. Um dieser Begrenztheit Rechnung zu tragen, vergibt der Assetmanager im aktuellen Modell einen Wert für das Naturkapital und wendet diesen als Multiplikator auf die anderen drei Kapitalsäulen an. Die Ergebnisse des Modells berücksichtigen auch die Fortschritte bei der Erfüllung der 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung. Das neue Modell integriert über 400 einzelne Faktoren und stützt sich auf Daten aus privaten, öffentlichen und NGO-Quellen (Non-governmental organization). Die Analysten haben so die Bedeutung jedes Faktors für jedes Land im Laufe der letzten zehn Jahre bewertet.

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