Wölbern-Prozess: Staatsanwalt unter Beschuss

Am elften Verhandlungstag des Prozesses gegen Prof. Dr. Heinrich Maria S., den ehemaligen Inhaber und Chef des Emissionshauses Wölbern Invest, hat die Verteidigung den Staatsanwalt ungewöhnlich scharf kritisiert.

Der Prozess gegen S. findet vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Hamburg statt.

Hintergrund: Staatsanwalt Heyner Heyen hatte am letzten Verhandlungstag vor der Sommerpause im Juli beantragt, zusätzliche Beweismittel in die Prozessakten aufzunehmen, darunter E-Mails und Kontoauszüge.

Laut Heyen hatte S. auch seinen Anwälten nur unvollständige Papiere zur Verfügung gestellt, die das Hin- und Herschieben von Geldern zwischen den Fondskonten und der niederländischen Tochtergesellschaft Wölbern Invest B.V. nicht umfassend abbildeten.

Anwalt spricht von Schmähantrag

Wolf Römmig, Verteidiger von S., warf dem nicht anwesenden Heyen vor, es handele sich um einen reinen „Schmähantrag“. Der Staatsanwalt versuche in „niederträchtiger Art und Weise“, das Vertrauensverhältnis zwischen dem Angeklagten und seinen Verteidigern zu beschädigen. Der Antrag sei ein „Rohrkrepierer“.

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Als Zeuge geladen war Patrick H., früherer Leiter Akquisition bei Wölbern Invest. Er machte jedoch von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch, da die Staatsanwaltschaft auch gegen ihn ermittelt.

S. wird gewerbsmäßige Untreue in 360 Fällen vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft Hamburg soll er 137 Millionen Euro aus Immobilienfonds unrechtmäßig abgezweigt haben. In Höhe von 37 Millionen Euro soll er sich persönlich bereichert haben. Der frühere Wölbern-Chef war im September vergangenen Jahres verhaftet worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. (kb)

Foto: Shutterstock

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