- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Falschberatung: Sparkasse muss zahlen

Mangelhafte Beratung kann den Berater teuer zu stehen kommen. Das erfährt eine oberpfälzische Sparkasse gerade am eigenen Leib, wie ein aktuelles Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth zeigt.

Laut Landgericht wurde der Kläger nicht ausreichend über Risiken und Nachteile seiner Investition aufgeklärt.

Mit Urteil vom 27.09.2018 (Az. 6 O 8183/17) hat das Landgericht Nürnberg-Fürth die Sparkasse in Neumarkt in der Oberpfalz-Parsberg zu Schadensersatz und Rückabwicklung verurteilt.

Die Beklagte wurde verpflichtet, dem Kläger einen Betrag in Höhe von 19.400 Euro, Zug um Zug gegen Übertragung der Beteiligung an einem Schiffsfonds [1] zu zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

“Das Urteil hat Signalwirkung für andere geschädigte Anleger, zumal die beklagte Sparkasse nach unseren Erkenntnissen in zahlreichen Fällen ihren Kunden geschlossene Beteiligungen zur Zeichnung empfohlen hat”, sagt Rechtsanwalt Christopher Kress, dessen Kanzlei das Urteil erstritten hat.

Details zum Fonds: Nahezu Totalverlust

Im vorliegenden Fall handelte es sich um die Orange Ocean MS “United Tambora” Schiffahrtsgesellschaft mbh & Co. KG, eine Beteiligung an einem geschlossenen Schiffsfonds.

Der Fonds investierte in ein Massengutschiff der Handysize-Klasse. Die Mindestzeichungssumme  lag bei 15.000 Euro. Die Beteiligung entwickelte sich nicht wie prognostiziert – in den vergangenen Jahren gab es lediglich eine einzige Ausschüttung.

Seite zwei: Die Ausgangslage [2]

Ende des Jahres 2008 unterzeichnete der Kläger nach vorangegangener Beratung durch die beklagte Sparkasse die Beitrittserklärung zu der Beteiligung am Orange Ocean MS “United Tambora” in Höhe von 20.000 Euro zuzüglich Agio.

Der Zeichnung des Schiffsfonds [3] ging lediglich ein persönliches Beratungsgespräch voraus, an dessen Ende der Kläger die Beteiligung abschloss. Der Kläger sah sich in der Folge durch den Berater der Sparkasse über bestehende Risiken und Nachteile falsch oder gar nicht aufgeklärt.

Hätte er bei der Zeichnung gewusst, welche Risiken mit der Beteiligung einhergehen würden, hätte er die Beitrittserklärung nicht unterschrieben. Hier seien insbesondere das Totalverlustrisiko, das Haftungsrisiko als Kommanditist und bestehende Interessenkonflikte genannt.

Entscheidung und Begründung des Gerichts

Nach der Beweisaufnahme sah es das Landgericht als erwiesen an, dass die beklagte Sparkasse [4] den Kläger nicht ordnungsgemäß über bestehende Risiken und Nachteile der Beteiligung am Schiffsfonds aufgeklärt hatte.

Das Urteil stützt sich insbesondere auf eine fehlerhafte Aufklärung in Bezug auf das bestehende Haftungsrisiko, respektive das Risiko des Wiederauflebens der Kommandatistenhaftung, sowie die bestehenden personellen Verflechtungen.

Seite drei: Beklagte konnte Gericht nicht überzeugen [5]

Da der Emissionsprospekt [6] nicht rechtzeitig übergeben wurde, konnte dieser nach höchstrichterlicher Rechtsprechung nicht als Aufklärungsmittel dienen. Auch eine vom Kläger unterzeichnete Checkliste zum Fonds konnte das Gericht nicht vom Gegenteil überzeugen.

Berater scheitert vor Gericht

Zum einen wurden in der Checkliste bestehende Verflechtungen und daraus resultierende Interessenkonflikte gar nicht angesprochen, zum anderen waren die Hinweise der Kommandatistenhaftung nicht ausreichend und verwirrend angegeben.

Auch die mündlichen Ausführungen des Beraters zu seiner Aufklärungspraxis konnten das Gericht nicht überzeugen.

Foto: Shutterstock

 

Weitere aktuelle Urteile:

Mietwohnung: Muss ich renovieren oder nicht? [7]

BGH stärkt Rechte von Pensionskassen-Rentnern [8]

Maklers Betreuungspflicht umfasst Hilfestellung im Leistungsfall [9]