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“Seehofer sitzt 2022 im Dunkeln”

In Bayern soll der Abstand eines Windrads zum nächsten Wohnhaus künftig das Zehnfache der Bauhöhe betragen müssen. Über die 10-H-Regelung (das “H” steht für Höhe) sprach Cash. mit Ottmar Heinen, Vertriebsdirektor bei Lacuna.

Seehofer [1]

Ottmar Heinen: “Seehofer gefährdet den Industriestandort Bayern.”

Cash.: Die bayerische 10-H-Regelung ist von vielen Unternehmen massiv kritisiert worden, auch von Lacuna. Was sind Ihre Befürchtungen?

Heinen: Um es auf eine kurze Formel zu bringen: 10-H + keine Atomkraft + keine Stromtrassen + unsichere externe Versorgung = Seehofer sitzt 2022 im Dunklen.

Aber im Ernst: Erste Erkenntnisse aus der gerade genannten Gleichung führen innerhalb der CSU zu einer leichten Öffnung des starren Standpunktes. Laut der Regierung Seehofer kann man von der 10-H-Regelung abweichen, wenn sich alle Beteiligten einig sind.

Das ist insofern nicht unrealistisch, da die Stimmung in den windhöffigen Regionen in der dort bestimmenden Kommunalpolitik deutlich besser ist. Falls Seehofer sich jedoch bockig gibt, wird ihm mittelfristig die Industrie hierfür die Rechnung präsentieren und die notwendige Energiesicherheit einfordern beziehungsweise mit Verlagerung drohen.

Seehofer gefährdet somit den Industriestandort Bayern – und als geborener Populist wird er daher auch den vierten Schwenk schaffen, sonst sieht es für die bayerische Bevölkerung und die Windindustrie [2] düster aus.

Ihre neuesten Windprojekte befinden sich in der bayerischen Region Hof. Werden Sie vor dem Hintergrund der 10-H-Regelung künftig andere regionale Schwerpunkte setzen?

Wir werden die noch vorhandenen und genehmigten Projekte in Bayern umsetzen, schauen uns aber bereits intensiv Standorte in Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz an. Mögliche Auslandsaktivitäten wird es nur in solchen Ländern geben, die einen rechtlichen Rahmen bieten, der nicht von großen Unsicherheiten geprägt ist. Somit kommen derzeit nur Österreich oder die nördlichen Anrainerstaaten für uns in Frage.

Seite zwei: “Keine Probleme im Vertrieb durch Prokon-Insolvenz” [3]Ihre Beteiligungsangebote sind als Vermögensanlagen nach VermAnlG konzipiert. Gibt es Vorbehalte seitens des Vertriebs oder der Anleger, weil dieses Gesetz weniger strenge Voraussetzungen enthält als das KAGB [4]?

Nein. Lacuna geht offensiv mit diesem Thema um und zeichnet sich durch eine hohe Transparenz aus. Dadurch werden alle Stellschrauben unserer – im Rahmen der rechtlichen und wirtschaftlich sinnvollen Möglichkeiten gegebenen – kalkulativen Ansätze für den Kunden transparent dargestellt. Weder seitens der Vertriebspartner noch seitens der Anleger gab beziehungsweise gibt es hieraus eine Problemstellung.

Hat sich die Prokon-Insolvenz negativ auf die Nachfrage nach Ihren Windfonds ausgewirkt?

Aufgrund unserer offensiven Aufklärung über die Unterschiede zwischen Prokon [5] und dem wirtschaftlich transparenten System unserer Fondskonstruktionen, die auf Mitbestimmung durch Miteigentum ausgelegt sind, gab es keine Probleme im Vertrieb.

Der gerade in nur knapp fünf Monaten platzierte Windpark Zedwitz ist ein Beleg hierfür, dass eine gute Fondskonstruktion in Verbindung mit einem hochqualifizierten Vertrieb geeignete Kunden für diese Beteiligungsform finden kann.

Interview: Kim Brodtmann

Foto: Fotostudio Daniel