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Zwei Jahre KAGB: Viel Schatten, wenig Licht

Am 22. Juli 2013 trat das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) in Kraft. Teil 1 der Geschichte: Was bisher geschah.

Der Löwer-Kommentar

“Eine echte Kontrollfunktion der Bafin ist nicht ersichtlich – weder hinsichtlich der Prospektinhalte noch in Bezug auf die Konzeption und die Vertragsklauseln.”

Vieles wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Diese Binsenweisheit ist abgedroschen, trifft aber meistens zu – auch wenn es um Veränderungen im Markt der Sachwertanlagen geht.

Was war das damals zum Beispiel für eine Aufregung im Vorfeld der Einschränkung von Steuervorteilen durch den „Fallensteller“ Paragraf 2b Einkommenssteuergesetz im Jahr 1999. Oder vor deren faktisch vollständiger Abschaffung 2005.

Nicht wenige haben seinerzeit – und bei diversen anderen Gelegenheiten – geschlossene Fonds für tot erklärt. Doch es kam immer anders. Der Markt hat sich regelmäßig nur kurz geschüttelt, machte weiter und wuchs sogar.

Die allermeisten sahen die Regulierung positiv

Ganz anders war es 2013 vor der Einführung des KAGB, das geschlossene Fonds auf eine völlig neue gesetzliche Basis stellte. Zwar war auch in diesem Fall die Aufregung im Vorfeld groß. Die allermeisten der Akteure jedoch sahen die Veränderung positiv.

Dass die Regulierung ein tiefer Einschnitt sein würde, war jedem klar. Doch endlich, so die weit überwiegende Auffassung, könne die Branche den Ruch des „grauen Kapitalmarkts“ abstreifen und sehe nach einer Umstellungsphase von ein paar Monaten einer goldenen Zukunft entgegen.

So waren die damaligen Statements der meisten Fondsinitiatoren austauschbar: „Sicherlich werden nicht alle Anbieter überleben, aber wir begrüßen die Regulierung, stellen uns der Herausforderung und sind gut aufgestellt.“

Der Markt war schlagartig tot

Wieder kam es völlig anders. In diesem Fall allerdings war die Kost weitaus heißer als angenommen: Der Markt war schlagartig tot und hat sich bis heute kaum erholt.

Eine wahre Flut von Vorschriften ergoss sich über die Branche, die Abläufe bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) entpuppten sich als unendlich langwierig und heute gibt es kaum einen Anbieter, der nicht über die vielen Vorschriften und die Aufsichtsbehörde flucht.

Seite zwei: Keine 50 neuen Fonds innerhalb von zwei Jahren [1]Zwar gab es eine Reihe von „Übergangsfonds“, die über den Stichtag hinaus platziert werden durften. Doch die ersten geschlossenen alternativen Investmentfonds (AIF) für das Publikum ließen lange auf sich warten: Erst Anfang Februar 2014 kam der Publity Fonds 7 auf den Markt, erst drei Monate später der zweite Publikums-AIF.

Keine 50 neuen Fonds innerhalb von zwei Jahren

Vor der Regulierung wurden jährlich um die 250 ernst zu nehmende Fonds aufgelegt, wobei sich diese Zahl wegen des Wegfalls der Schiffsfonds wohl ohnehin spürbar reduziert hätte. Doch diese Wucht und Dauer des Einbruchs hatte kaum jemand erwartet: Keine 50 Publikums-AIF, die innerhalb der vergangenen zwei Jahre insgesamt das Licht der Welt erblickten.

Das KAGB hat die Branche also zunächst komplett zerlegt und es ist mehr als erstaunlich, dass bislang kein größerer Initiator deshalb die Segel streichen musste (die Skandale und Pleiten der jüngeren Vergangenheit hatten andere Gründe).

Hat das neue Gesetz dann wenigstens dafür gesorgt, dass die Fonds besser geworden sind? Bislang kaum. Auch diesbezüglich gibt es mehr Schatten als Licht.

Unsägliche “bis zu”-Kostenklauseln

Keine Frage: Die zwingend erforderliche externe Bewertung der Fondsobjektevor dem Ankauf und die Einbindung einer Bafin-überwachten Verwahrstelle sind ein Fortschritt. Und die Begrenzung der Fremdkapitalaufnahme sowie die vorgeschriebene Risikomischung bei Fonds mit weniger als 20.000 Euro Mindestbeteiligung  haben durchaus das Potenzial, die Stabilität der Fonds tatsächlich zu erhöhen, wobei der Beweis dafür noch aussteht.

Der Rest jedoch ist hauptsächlich eine gewaltige Bürokratie, die zuvor einheitlich hohe Qualität der Fondsprospekte ist vorerst Geschichte und wegen der praxisfernen Vorschriften müssen die Anbieter auf unsägliche „bis zu“-Kostenklauseln zurückgreifen, die der Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) nicht selten die vertragliche Möglichkeit offen lassen, den Fonds unter den Augen der Verwahrstelle und der Bafin auszuplündern.

Seite drei: Wirtschaftlicher Kern faktisch unverändert [2]Eine echte Kontrollfunktion der Bafin ist zudem nicht ersichtlich – weder hinsichtlich der Prospektinhalte noch in Bezug auf die Konzeption und die Vertragsklauseln. So gibt es zum Beispiel weiterhin Konzepte mit massiven Interessenkonflikten, verflochtene Treuhänder mit eigenem Stimmrecht oder Gesellschafter-„Versammlungen“ im schriftlichen Verfahren.

Wirtschaftlicher Kern faktisch unverändert

Besser sind die Fonds und die Prospekte also keineswegs geworden. Bei den meisten AIF hat sich gegenüber den unregulierten Vorläuferangeboten lediglich das Drumherum geändert und das Ganze ist in der Regel etwas teurer.

Vom wirtschaftlichen Kern unterscheiden sich die Fondskonzepte hingegen erstaunlich wenig von der Vor-KAGB-Zeit. Genauer gesagt: In fast allen Fällen ist die grundlegende Konzeption gegenüber den Vorläuferfonds faktisch identisch.

Das allerdings muss nicht schlecht sein. Bisher sind – mit eigener oder mit einer Service-KVG – fast ausschließlich Publikums-AIF von Initiatoren auf den Markt gekommen, die auch vor der Regulierung schon gute Fonds aufgelegt haben (und die auch vorher nicht in die Kasse ihrer Fonds gegriffen haben, was die Verwahrstellen letztlich auf einen Image-Effekt reduziert).

Dilettanten und Gauner ferngehalten

Da die Bafin auch die Zuverlässigkeit und fachliche Eignung der Geschäftsleiter und Hintermänner kontrolliert, haben die meisten zweit- oder drittklassigen Anbieter vielleicht gar nicht erst versucht, sich den Anforderungen zu stellen.

Sie sind vom Markt verschwunden oder auf weniger streng oder gar nicht regulierte Marktsegmente ausgewichen. Ob ein Anbieter bei der KVG-Prüfung wirklich endgültig durchgefallen ist, ist nicht bekannt, spielt aber auch keine Rolle.

Denn auch wenn nicht alle Anbieter unumstritten sind und mancher AIF von seinen Wettbewerbern misstrauisch beäugt wird: Offenbar hält die Regulierung Dilettanten und Gauner tatsächlich fern. Das immerhin wäre ein Erfolg.

Nächste Woche Montag in Teil 2: Wie es weitergeht.

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse [3] und beobachtet den Markt der Sachwertanlagen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit mehr als 20 Jahren. G.U.B. Analyse gehört wie Cash. zu der Cash.Medien AG.

Foto: Anna Mutter