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Kommt endlich (etwas) Leben in den AIF-Vertrieb?

Letzte Woche haben zwei AIF die Vollplatzierung gemeldet. Nun müssen wiederum die KVGen Gas geben.

Der Löwer-Kommentar

“Die Neuemissionen sind seit einem Zwischenhoch im Juni wieder fast vollständig zum Erliegen gekommen..”

Am vergangenen Montag verkündete Hannover Leasing die Ausplatzierung von 28,2 Millionen Euro Eigenkapital für „Die Direktion Münster“ nach vier Monaten. Zwei Tage später meldete das Hamburger Emissionshaus HEH, die 16,2 Millionen Euro für den Flugzeugfonds “HEH Helsinki [1]” innerhalb von zwölf Wochen vollständig eingesammelt zu haben.

Normalerweise wäre die Vollplatzierung von zwei alternativen Investmentfonds (AIF) [2] keine besonders große Meldung, zumal die Volumina nicht wirklich groß und die Platzierungszeiträume nicht wirklich kurz waren.

Aber die Zeiten sind eben noch lange nicht wieder normal. Schließlich ist ansonsten mit wenigen Ausnahmen noch immer zu hören, dass die AIF-Anteile wie Blei im Regal liegen.

Vollplatzierungen lassen aufhorchen

Da lassen die beiden Ausplatzierungen durchaus aufhorchen, auch weil kürzlich schon HTB die vollständige Einwerbung von über 30 Millionen Euro für die „Alte Spinnerei“ [3] in Bayreuth und WealthCap für die ersten acht Monate 2015 ein beachtliches Platzierungsvolumen von 85 Millionen Euro mit Publikums-AIF vermeldet hatten.

Zugegeben: Das sind im Vergleich mit früheren Jahren allenfalls zaghafte Lebenszeichen. Aber sie könnten darauf hindeuten, dass endlich zumindest ein wenig Leben in den Vertrieb zurückkehrt.

Vielleicht hat nun der eine oder andere Finanzdienstleister doch bemerkt, dass er ohne die voll regulierten Sachwertanlagen seine Kunden nicht vollständig beraten kann – und dass ihm durchaus auch Geschäft entgeht.

 

Seite zwei: Wieder kaum Neuemissionen [4]

Nun wäre es sicherlich verfrüht, aus den Platzierungsmeldungen [5] wirklich einen Trend abzulesen. Sollte sich der Vertrieb jedoch tatsächlich beleben, müssten die Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) schleunigst nachziehen.

Denn die Neuemissionen sind seit einem Zwischenhoch im Juni wieder fast vollständig zum Erliegen gekommen. Seit Anfang Juli sind gerade einmal drei neue AIF auf den Markt gekommen und einige Fonds, die schon seit Monaten angekündigt sind, lassen weiterhin auf sich warten.

Angebot könnte weiter ausdünnen

Sollten noch weitere Fonds kurzfristig geschlossen werden, könnte das ohnehin spärliche Angebot weiter ausdünnen, vor allem an Nicht-Blind-Pools.

So sind zum Beispiel auf den Websites der Vertriebe fondsvermittlung24 und fondsdiscount.de aktuell lediglich insgesamt zehn verschiedene AIF mit vollständig feststehenden Objekten aufgeführt (Stand 11. September 2015). Sieben davon sind nur für qualifizierte Kapitalanleger ab 20.000 Euro zugänglich.

Für kleinere Beteiligungssummen tendiert das Angebot an klassischen Objekt-AIF demnach schon jetzt gegen Null. Es wäre schon mehr als ärgerlich, wenn der Vertrieb [6] endlich Mut fasst und dann kein adäquates Angebot vorfindet. Also, liebe Initiatoren: Gas geben, bitte.

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und beobachtet den Markt der Sachwertanlagen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit mehr als 20 Jahren.

Foto: Anna Mutter