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Blind-Pool-Assetklassen: Den Anlegern die Augen öffnen

Der Einsatz verschiedener Assetklassen ist geeignet, Risiken zu reduzieren. Allerdings sind Multi-Asset-Fonds in der Regel als Blind Pools konzipiert. Durch konkrete Investitionskriterien kann das Vertrauen der Anleger gewonnen werden.

Robert List: “Portfoliofonds bieten Vorteile bei der Höhe des nötigen Kapitaleinsatzes.”

“Lex Markowitz”: So kann man mit guten Gründen den Paragrafen 262 des Kapitalanlagegesetzbuchs [1] (KAGB) bezeichnen.

Er sieht vor, dass Fonds für Kleinanleger künftig in mindestens drei Sachwerte investieren müssen, es sei denn, dass bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise durch die Nutzungsstruktur des Sachwertes oder der Sachwerte eine Streuung des Ausfallrisikos gewährleistet ist.

“Nicht alle Eier in einen Korb”

Die Norm entspricht damit dem Geist der Portfoliotheorie des US-Ökonomen und späteren Nobelpreisträgers Harry M. Markowitz, in der er im Jahr 1952 erstmals die positive Auswirkung von Diversifikation auf Risiko und Rendite eines Gesamtportfolios nachgewiesen hat.

“Ein gutes Portfolio ist mehr als eine lange Liste von Wertpapieren. Es ist eine ausbalancierte Einheit, die dem Investor gleichermaßen Chance und Absicherung unter einer Vielzahl von möglichen zukünftigen Entwicklungen bietet. Der Anleger sollte daher auf ein integriertes Portfolio hinarbeiten, das seinen individuellen Erfordernissen Rechnung trägt”, hatte Markowitz seine Theorie begründet, die häufig auf den Grundsatz “Nicht alle Eier in einen Korb” reduziert wird.

Diesen Grundsatz hatten möglicherweise auch die Wirtschafts- und Finanzpolitiker der damaligen Regierungskoalition aus Union und FDP im Hinterkopf, als sie vor drei Jahren den Paragrafen 262 mit der Überschrift “Risikomischung” formulierten.

Portfoliofonds versus Single-Asset-Produkte

Ziel der Regelung: ein deutlich verbesserter Schutz der Kleinanleger [2] durch die gesetzliche Pflicht zur breiten Streuung über mehrere Investitionsobjekte. Bei Fonds, die in lediglich ein Asset investieren, beträgt die Mindestbeteiligungssumme seitdem 20.000 Euro.

Seite zwei: “Unterschiedliche Zielgruppen” [3]Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass viele Branchenexperten bei Inkrafttreten des KAGB im Sommer 2013 die Erwartung äußerten, dass im Publikums-Segment künftig vor allem Portfoliofonds aufgelegt werden, während Single-Asset-Produkte weitgehend einem gehobenen Segment vorbehalten sein werden.

Sie sollten recht behalten: Bis auf wenige Ausnahmen, zum Beispiel im Flugzeugsegment [4], sind überwiegend Publikums-AIFs an den Markt gekommen, die in mindestens drei Sachwerte investieren.

“Unterschiedliche Zielgruppen”

Die Mehrzahl davon investiert in Objekte einer Assetklasse, bevorzugt Immobilien, doch auch neue Multi-Asset-Fonds [5] sind bereits aufgelegt worden, die Zielfonds aus verschiedenen Assetklassen unter einem Dach vereinen. Dies ermöglicht eine breite Streuung mit unterschiedlichen Investitionsstrategien und -zeitpunkten.

“Beide Konzepte haben ihre Berechtigung, wenden sich jedoch zum Teil an unterschiedliche Zielgruppen”, sagt Robert List, Geschäftsführer des Fondsanbieters BVT. “Für Anleger, die in eine einzelne Assetklasse investieren wollen und dabei eine gewisse Streuung anstreben, sind entsprechende Dachfonds eine Alternative. Anleger, die darüber hinaus auch eine breitere Diversifikation auf verschiedene Assetklassen bevorzugen, sind bei Multi-Asset-Fonds gut aufgehoben.”

Spezielle Risiken der Multi-Asset-Angebote

Der Einsatz verschiedener Assetklassen ist zwar durchaus geeignet, Risiken zu streuen. Allerdings lauern bei Multi-Asset-Angeboten auch spezielle Risiken: So handelt es sich in der Regel um Blind Pools, Anleger wissen also bei der Zeichnung noch nicht, in welche Assets konkret investiert wird.

Außerdem besteht grundsätzlich die Gefahr, dass Initiatoren ihre schwer platzierbaren “Ladenhüter” in Portfoliofonds “entsorgen” wollen. In den Investitionsrichtlinien sollte deshalb möglichst genau festgelegt werden, welche Gewichtung nach Assetklassen, Anbietern und Fonds geplant ist. Ein Gebot, das die Initiatoren bei der Konzeption ihrer Fonds berücksichtigt haben. (kb)

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der aktuellen Cash.-Ausgabe 07/2015 [6].

Foto: Gerhard Blank