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“Anleger sind keine ‚Testpiloten‘”

Investoren haben in der Vergangenheit positive Erfahrungen mit der Assetklasse Flugzeugfonds gemacht. Die Initiatoren kämpfen allerdings bei Großraumflugzeugen mit der Knappheit an den Beschaffungsmärkten, da die Konkurrenz durch andere Finanzierungsformen groß ist.

Die Knappheit an den Beschaffungsmärkten betrifft nicht nur den A380 (Foto), sondern auch andere Großraumflugzeuge wie die Boeing 777-300ER.

Anselm Gehling, CEO der Dortmunder Dr. Peters Group, bestätigt das: “Der Konkurrenzdruck ist tatsächlich hoch und in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Es gibt viele große Leasingfirmen, die seit Jahren erfolgreich am Markt agieren. Zusätzlich sind für die Airlines die alternativen Refinanzierungsmöglichkeiten aufgrund der weltweit niedrigen Kapitalmarktzinsen attraktiver geworden.”

“Bedürfnisse der Fluggesellschaft berücksichtigen”

Für die Initiatoren spricht allerdings, dass die Erfahrung mit komplexen Finanzierungen für einen Zuschlag oftmals wichtiger ist als die reine Unternehmensgröße.

“Wir zählen zwar nicht zu den ganz großen Playern, können uns aber oft gegen die Konkurrenz durchsetzen, indem wir ein Finanzierungskonzept anbieten, das insbesondere die Bedürfnisse der Fluggesellschaft im Detail berücksichtigt”, so Michael Ruhl, Geschäftsführer von Hannover Leasing.

Knappheit auch bei Großraumflugzeugen

Die Knappheit an den Beschaffungsmärkten betrifft nicht nur den A380 [1], sondern auch andere Großraumflugzeuge wie die Boeing 777-300ER. Ein Flieger dieses Typs ist Investitionsobjekt des Publikums-AIF CFB Invest Flugzeug-Investment 1 von Commerz Real.

“Die größte Herausforderung ist die Assetbeschaffung”, bestätigt Heiko Szczodrowski, Geschäftsführer der Commerz Real KVG. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren auch Fonds mit sogenannten “Narrowbodies” [2] aufgelegt, die auf der Kurz- und Mittelstrecke ein gefragter Flugzeugtyp sind.

Seite zwei: Fluggesellschaft trägt Besitz- und Betriebskosten [3]Szczodrowski weist aber auf die speziellen Vorteile von Großraumflugzeugen hin: “Das Leasing von Großraumflugzeugen bietet Anlegern Zugang zu den Top-Airlines, die bereit sind, langfristige Leasingverträge mit hohen Cashflows zu schließen. Diese führen für Anleger zu einer kompletten Entschuldung des Flugzeuges über die Laufzeit des Leasing und zu sehr attraktiven Ausschüttungen.”

Fluggesellschaft trägt Besitz- und Betriebskosten

Das Investitionsobjekt des CFB-Fonds ist zu festen Leasingraten langfristig an Emirates verleast. “Der AIF erhält das Flugzeug nach Ablauf des Leasingvertrags schuldenfrei und im ‚full-life‘-Zustand zurück. Die Kalkulation der Anschlussvermietung basiert aber auf Gutachten für eine ‚half-life‘-Leasingrate für weitere fünf Jahre und entspricht lediglich 65 Prozent der Leasingrate der ersten zehn Jahre”, erklärt Szczodrowski.

Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 184 Millionen US-Dollar, wovon 87 Millionen Dollar auf das Eigenkapital entfallen. Bei einem plangemäßen Verlauf des Investments soll die volle Tilgung des Fremdkapitals bis Vertragsablauf mit Emirates erfolgen. Die geplanten Ausschüttungen liegen bei 6,8 Prozent pro Jahr. Die Gesamtausschüttung nach 15 Jahren Laufzeit soll inklusive Veräußerung bei 196 Prozent liegen, ohne Veräußerung bei 129 Prozent.

Als wesentlichen Vorteil einer Leasingfinanzierung nennt auch Szczodrowski, dass die Fluggesellschaft als Leasingnehmer sämtliche Kosten im Zusammenhang mit Besitz und Betrieb des Flugzeuges einschließlich der Kosten für Wartung, Instandhaltung und Versicherung trägt.

Seite drei: “Anleger sind keine ‚Testpiloten‘” [4]

“Unsere Anleger werden keine ‚Testpiloten‘ für noch unerprobte Flugzeugtypen, die erstmals ausgeliefert werden. Wir haben bewusst eine Boeing 777-300ER gewählt, einen seit vielen Jahren bewährten Flugzeugtyp mit ausgereifter Technik, weil wir bei unseren Entscheidungen immer einkalkulieren, wie sehr sich ein Flugzeugtyp bereits bewährt hat, um eine höhere Planungssicherheit bei Risiken und auch bei den Verwertungschancen zu haben”, sagt er.

Bei diesem Modell sei daher auch nicht mit Kosten aus Lufttüchtigkeitsmaßnahmen aufgrund behördlicher Anweisungen zu rechnen. Ein Teil dieser Kosten sei typischerweise vom Eigentümer zu tragen. “Bei unserem Konzept haben wir diese potenziell anfallenden Kosten vertraglich auf einen kumulierten Höchstbetrag von 400.000 US-Dollar begrenzt”, so Szczodrowski.

55 Prozent Zuwachs bei jährlich beförderten Passagieren

Die Passagierzahlen im Luftverkehr sind in den zurückliegenden Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Nach Schätzungen der internationalen Luftverkehrsvereinigung IATA hat die Zahl der jährlich beförderten Passagiere innerhalb der letzten Dekade um 55 Prozent zugenommen.

2014 haben die Fluggesellschaften weltweit 3,3 Milliarden Passagiere befördert, allein im Nahen Osten lag das Wachstum auf internationalen Verbindungen bei 13 Prozent.

Investitionen in Passagiermaschinen können sich vor diesem Hintergrund durchaus als lukrativ erweisen: “Die Assetklasse Flugzeug war in den vergangenen Jahren bei einem vernünftigen Angebot nachgefragt und sehr erfolgreich. Auch wir haben in den letzten Jahren immer wieder Investments in den Sachwert Flugzeug angeboten, die sich für die Anleger erfolgversprechend entwickeln”, so Szczodrowski. (kb)

Foto: Shutterstock