- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Private Equity bringt Banken zurück auf Schiffsmarkt – UniCredit

Der Vorstoß von Private Equity auf den deutschen Schiffsmarkt trägt dazu bei, dass sich auch die Banken wieder der krisengeschüttelten Branche zuwenden. Die neuen Finanzsponsoren sorgen dafür, dass die familiengeführten Schifffahrtsunternehmen transparenter würden, meint Holger Janssen, Leiter Global Shipping bei UniCredit SpA.

Die Erholung der Charterraten für Schiffe werde 2015 und darüber hinaus langsam verlaufen.

“Private Equity agiert als sehr rationaler, professioneller Investor”, sagte Janssen in einem Interview mit Bloomberg News in Hamburg. “Das ist gut für die Disziplin der Branche.”

Containerschifffahrt kämpft mit Überkapazitäten

Die Containerschifffahrt kämpft schon das siebte Jahr mit Überkapazitäten, nachdem ein Boom bei den Auslieferungen neuer Schiffe mit der Finanzkrise zusammengefallen war, was die schlimmste Krise seit der Globalisierung des Containerverkehrs in den 70er Jahren verursacht hatte. Zu den Private-Equity- Firmen, die im deutschen Schiffsmarkt aktiv sind, zählen AMA Capital Partners, Blackstone Group LP, von JPMorgan gemanagte Fonds sowie Delos Shipping und Tennenbaum Capital Partners LLC.

Belastet durch notleidende Kredite im Milliarden-Euro-Bereich hatten Schiffsfinanzierer wie UniCredit, Commerzbank AG und NordLB die Kreditvergabe an die Branche gedrosselt oder ganz eingestellt. Die Unternehmen mussten sich daher nach anderen Finanzierungsquellen umschauen.

Schiffskreditbuch fast halbiert

UniCredit hat ihr Schiffskreditbuch seit 2011 fast halbiert, auf unter 5 Mrd. Euro. Die italienische Bank habe zwar noch einige Restrukturierungen von Schiffskrediten vor sich, werde dieses Jahr aber wieder aktiver werden, so Janssen.

“Es ist kein aggressives Portfoliowachstum, sondern ein Reinvestieren des durch Tilgung freigesetzten Kapitals von voraussichtlich 1 Mrd. Euro”, sagte er. Die einzelnen Kreditvolumina lägen typischerweise zwischen 20 Mio. Euro und 100 Mio. Euro.

Seite zwei: “Nachhaltige Geschäftsmodelle finanzieren” [1]Private-Equity-Firmen, die sich normalerweise für drei bis fünf Jahre engagieren, hätten ihre Lektion gelernt, nachdem die anhaltende Flaute in der Branche die Erwartungen schneller Gewinne durch eine zyklische Erholung enttäuscht hätten, so Janssen.

“Nachhaltige Geschäftsmodelle finanzieren”

Die Private-Equity-Investments in den Schiffsmarkt, darunter in Tanker und Schüttgutfrachter, aber auch in notleidende Kredite, verringerten sich im vergangenen Jahr um die Hälfte, schrieb das Fachmagazin Marine Money. Im Jahr 2013 hatten sie mit rund 7,2 Mrd. Dollar noch ein Hoch erreicht.

“Private Equity fokussiert sich mittlerweile darauf, in Partnerschaften mit etablierten Reedereien zu treten, um nachhaltige Geschäftsmodelle zu finanzieren – und das ist auch der Weg, der erfolgsversprechend ist”, sagte Janssen. “Wenn sich Eigenkapital einerseits und Industrie andererseits findet, dann wird man das gewöhnlich auch mit Leverage versehen, also Fremdkapital von Banken.”

Langsame Erholung der Charterraten für Schiffe

Die Erholung der Charterraten für Schiffe werde 2015 und darüber hinaus langsam verlaufen, da die weltweite Flottenkapazität schneller wachsen dürfte als die Nachfrage nach Containerschiffen, erklärte der Branchenprimus HSH Nordbank AG in einer Studie vom 18. Februar.

Andrew Hampson von Tufton Oceanic Ltd. sagte im Januar, dass der Schiffsmarkt sehr attraktive Renditen für Private-Equity-Firmen biete, die langfristig investieren wollten. Seiner Aussage nach trugen Private-Equity-Firmen Anfang des Jahres 180 Mrd. Dollar zum Kapital für die weltweite Flotte und das Orderbuch bei – 15 Prozent der Gesamtsumme. Die Bankkredite beliefen sich auf 513 Mrd. Dollar, 44 Prozent der Gesamtsumme.

Das Portfolio des Branchenführers HSH Nordbank sei etwa vier Mal so groß wie das von UniCredit, erklärte Janssen und fügte hinzu, die italienische Bank wolle ein Nischenspieler bleiben.

Quelle: Bloomberg

Foto: Shutterstock