- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Schiffsfonds: Ende der Flaute in Sicht?

Nachdem in den vergangenen Jahren viele Projekte gescheitert sind, haben Investoren Schiffsfonds als Beteiligungsmöglichkeit aus dem Blick verloren. Einige Initiatoren versuchen mit neuen Beteiligungsangeboten zu überzeugen, andere wagen den Gang an die Börse.

Dr. Torsten Teichert, Vorstandsvorsitzender der Lloyd Fonds AG, hatte Anfang des Jahres geplant, das Emissionshaus in ein börsengelistetes Schifffahrtsunternehmen umzuwandeln.

Darüber wie erfolgreich Schifffahrtsunternehmen an der Börse sein können, sind Experten jedoch geteilter Ansicht. “Börsengänge von Schifffahrtsunternehmen [1] waren auch schon in vergangenen Boomzeiten in der Regel nicht von langfristigem Erfolg gekrönt. Die volatilen Schifffahrtsmärkte stehen in Widerspruch zur stetigen Renditeerzielung, wie sie von börsennotierten Aktiengesellschaften gefordert sind”, erläutert Lars Heymann [2], Partner bei der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft PKF Fasselt Schlage, die für Reedereien und maritime Unternehmen tätig ist.

Dr. Torsten Teichert [3], Vorstandschef der Lloyd Fonds AG, widerspricht dieser These allerdings ausdrücklich und verweist auf die über 100 börsengelisteten Schifffahrtsunternehmen weltweit, die sich über einen längeren Zeitraum erfolgreich am Markt etabliert hätten. Zuletzt ist die Lloyd Fonds AG [4] zumindest vorerst mit dem Plan gescheitert, das Emissionshaus in ein börsengelistetes Schifffahrtsunternehmen umzuwandeln.

Vertrauen der Kapitalmärkte gewinnen

In einem ersten Schritt war elf von Lloyd Fonds initiierten Schifffahrtsgesellschaften das Angebot gemacht worden, ihre Schiffsbetriebe einschließlich der Schiffe im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung in die Lloyd Fonds AG einzubringen. Im Gegenzug sollten die KG-Gesellschafter Aktien der Lloyd Fonds AG erhalten. Doch nur eine von elf KGs stimmte dem Angebot mit der erforderlichen Mehrheit von 75 Prozent zu.

Teichert erklärte daraufhin, dennoch an dem Konzept der Schifffahrts AG festhalten [5] zu wollen: “Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass sich das Modell auch in Deutschland durchsetzen wird. Die positive Reaktion des Kapitalmarktes auf unser Konzept und die Tatsache, dass immerhin über 50 Prozent der Anleger, denen wir das Konzept vorgestellt haben, dafür gestimmt haben, hat sehr deutlich gezeigt, welches Potenzial in einem gelisteten Schifffahrtsunternehmen gesehen wird. Unsere Aufgabe ist es jetzt, das Geschäftsmodell noch klarer zu erläutern und vor allem die Chancen, die darin liegen, herauszuarbeiten.”

Ein neues Angebot in vergleichbarer Struktur will Lloyd Fonds [6] den Gesellschaftern aber nicht machen. Vielmehr werde jetzt nach einem anderen Weg gesucht, die AG mittelfristig so umzubauen, dass sie das Vertrauen der Kapitalmärkte erhalte, so Teichert.

Seite zwei: Signale, die Hoffnung machen [7]

Nach Ansicht von André Tonn, geschäftsführender Gesellschafter des Initiators Oltmann [8], wird es bei der Finanzierung in Zukunft mehrere Wege für Reedereien geben. “Große Reedereien werden sich sicherlich verstärkt durch internationale Kapitalgeber beziehungsweise Börsengänge finanzieren. Für die mittelständischen deutschen Reeder werden auch die klassischen Finanzierungen wie Publikums-AIFs in der Zukunft eine große Rolle spielen.”

Allerdings müssen künftige AIFs [9] nach Einschätzung von Heymann so konstruiert werden, dass das Risiko eines Totalverlustes minimiert wird. “Das geht hauptsächlich durch eine Erhöhung der Eigenkapitalquote. Und ganz sicher müssen Nachschusspflichten und Rückzahlungsrisiken ausgeschlossen werden”, sagt er.

Besonders wichtig sei Transparenz gegenüber den Anlegern: “Schifffahrt ist seit jeher extrem zyklisch und risikoanfällig. Wer Schiffsbeteiligungen wie Sparbücher bewirbt, darf sich nicht wundern, wenn Anleger verärgert sind, die ihre Anlage verlieren. Und der Anleger, der dieses Risiko bewusst eingeht, wird vermutlich eine Rendite erwarten, die noch deutlich über der Rendite einer Aktienanlage liegt.”

Deutsche Reeder erwarten leichte Entspannung

Ein verbessertes Marktumfeld würde den Erfolg der neuen Publikumsfonds [10] ebenfalls erheblich befördern. Und es gibt durchaus Signale, die Hoffnung machen: Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers (PWC), für die 98 Unternehmen befragt wurden, erwarten die deutschen Reeder nach sieben Jahren Schifffahrtskrise eine leichte Entspannung. Demnach steuern sie im laufenden Geschäftsjahr wieder auf einem “vorsichtigen Wachstumskurs”.

Dies lässt sich insbesondere an der Strategie der Unternehmen ablesen. Die Flotte der befragten Reeder [11] ist in diesem Jahr zu 91 Prozent ausgelastet (2014: 66 Prozent), dies ist der beste Auslastungsgrad seit 2009. Auch wollen deutlich we-niger Reeder ihre Schiffe verschrotten: ein Zehntel statt zuvor ein Fünftel. Der Kauf von Schiffen steht bei rund drei Vierteln wieder auf der Agenda (2014: 64 Prozent). Insgesamt investieren wollen zwei Drittel der Befragten, im Vorjahr hatte nicht einmal die Hälfte dies geplant.

Seite drei: Keine neuen Überkapazitäten erwartet [12]

Sorgen, dass bereits wieder neue Überkapazitäten aufgebaut werden könnten, machen sich die Initiatoren trotz dieser Zahlen nicht. “Die Welt-Handelsflotte [13] muss stets erneuert werden. Durchschnittlich bedeutet dies, dass die Orderbücher mit rund vier Prozent p.a. der laufenden Flotte gefüllt sein müssen. Hinzu kommen technologische Entwicklungen sowie internationale Bestimmungen, die zusätzlich eine Erneuerung der Tonnage verursachen”, erklärt Oliver Newark, Unternehmenssprecher der Conti-Gruppe.

Außerdem führe das Mengenwachstum zu wachsender Nachfrage nach Schiffsraum. “Bauaktivitäten [14], die über den Flottenerhalt plus Nachfragewachstum hinausgehen, führen natürlich zunächst zu Überkapazitäten. Mittelfristig wird sich der Markt jedoch wieder selbst regulieren”, erwartet er. Laut Tonn sind manche Marktsegmente mehr gefährdet, andere deutlich weniger. Wenn es durch Überbauung zu einer neuen Krise kommen sollte, werde dies aber nicht an neuen Bestellungen der deutschen Reeder liegen.

Charterraten aktuell leicht gestiegen

“Wir sehen in letzter Zeit viele Neubaubestellungen von griechischen, aber auch chinesischen Reedereien. Im gewissen Umfang wird es für deutsche Reeder sogar notwendig sein, im Rahmen der Flottenmodernisierung neue Schiffe zu bestellen”, sagt auch er. Bei den Erlösen allerdings hakt es laut PWC-Studie nach wie vor: Mit einem Umsatzplus rechnen 2015 nur genau so viele Reeder wie im Vorjahr (55 Prozent). Bei den Frachtraten erwartet nur noch ein Drittel der Befragten einen Anstieg, in den Vorjahren waren es nahezu die Hälfte oder sogar mehr.

Dagegen seien die Charterraten aktuell leicht gestiegen. Während Conti [15] und Oltmann bereits konkrete Pläne haben, was einen neuen Publikumsfonds betrifft, kann man sich bei Nordcapital [16] zumindest vorstellen, ebenfalls einen neuen Schiffsfonds nach KAGB anzubieten. “Der Markt befindet sich im siebten Jahr der Krise und die Unternehmensgruppe nutzt jetzt die sehr guten Investitionsmöglichkeiten. Die historisch niedrigen Kaufpreise ermöglichen einen laufenden Return selbst bei dem aktuellen Ratenniveau”, erklärt CEO Florian Maack.

Ende dieser Krise  könnte bevorstehen

Nordcapital hatte im Herbst 2012 angekündigt, zunächst keine neuen Publikumsfonds mehr zu platzieren. Das Unternehmen begründete den Schritt damals mit dem “massiven Einbruch” des Marktes für geschlossene Fonds und der “großen Unklarheit” über die AIFM-Richtlinie [17]. Bei künftigen Fondskonzepten seien erfahrene Partner, ein attraktives und nachvollziehbares Verhältnis zwischen Chancen und Risiken sowie faire Vergütungsstrukturen wichtig, kombiniert mit einer gleichgerichteten Interessenlage zwischen Initiator und Anleger, so Maack heute.

Eine Tochtergesellschaft von Nordcapital verfügt seit September vergangenen Jahres über eine Registrierung als Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG). Gut möglich also, dass schon bald ein dritter Anbieter einen neuen Schiffsfonds angekündigt. Doch welche Chancen haben die Neuemissionen [18] tatsächlich? “Warten wir es ab”, sagt Heymann. “Die gesamte Branche wird die Emission dieses AIFs beäugen und auf einen Erfolg hoffen. Es wäre ein Signal, dass das Ende dieser Krise bevorstehen könnte, die die Reeder an so vielen Stellen gleichzeitig getroffen hat. Nachahmer mit weiteren Schiffsprojekten werden dann schnell folgen, denn Schiffe finden sich zurzeit genug, die zum Verkauf stehen.” (kb)

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der aktuellen Cash.-Ausgabe 10/2015 [19].

Foto: Shutterstock