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Teichert: “Deutlich bessere Zukunftsaussichten”

Die Lloyd Fonds AG will mehrere ihrer Schiffsbeteiligungen [1] zu einer größeren Einheit zusammenführen [2]. Mit Vorstandschef Dr. Torsten Teichert sprach Cash.Online über die Pläne des Unternehmens.

Dr. Torsten Teichert, Vorstandsvorsitzender der Lloyd Fonds AG

Cash.Online: Was hat Lloyd Fonds konkret vor?

Teichert: Wir bieten in einem ersten Schritt zunächst elf unserer Schifffahrtsgesellschaften an, ihre Schiffe in die Lloyd Fonds AG zu übertragen und im Gegenzug dafür Aktien [3] unseres Unternehmens, das seit 2005 an der Börse gelistet ist, zu erhalten. Dieses Angebot richtet sich an Schifffahrtsgesellschaften, hinter denen rund 18.000 unserer insgesamt über 53.000 Anleger stehen. Nach Umsetzung der Transaktion sollen die Kommanditisten zu gleichberichtigten Aktionären der Lloyd Fonds AG werden und bilden somit eine Gemeinschaft mit den bisherigen Aktionären. Ziel dieser Transaktion ist es, mit der “neuen” Lloyd Fonds AG ein börsennotiertes deutsches Schifffahrtsunternehmen am Kapitalmarkt zu etablieren, das bisherigen KG-Schiffen [4] bessere Zukunftschancen bietet und sehr bald wieder Dividenden ausschüttet.

Sind die einzelnen Fonds nicht mehr überlebensfähig?

Es ist höchste Zeit, den Anlegern eine zukunftsfähige Perspektive für ihr Investment anzubieten. Die meisten Schiffe leiden unter der mittlerweile sieben Jahre andauernden Schifffahrtskrise [5]. Bei den Banken gibt es wenig Bereitschaft, viele der Schiffe weiter zu begleiten. Schon heute drängen viele Banken massiv auf den Verkauf der Schiffe. Besonders gefährdet sind dabei oft die vermeintlich “besseren” Schifffahrtsgesellschaften, weil dort der Abschreibungsbedarf für die Banken geringer ist. Wir bei Lloyd Fonds sind der festen Überzeugung, dass eine echte Flottenfinanzierung in einem Unternehmen wie der Lloyd Fonds AG deutlich bessere Zukunftsaussichten für Schiffe bietet als die jetzigen Einzelschiffsgesellschaften.

Welche Vorteile hätte die Umsetzung Ihrer Pläne für die Anleger?

Erster Vorteil: Der Flottenverbund, der die Sicherheit für die Schiffe erhöht. Durch die Flottenfinanzierungen können die Schiffe nach dem Solidaritätsprinzip füreinander einstehen – eine Möglichkeit, die bei Einschiffsgesellschaften nicht gegeben ist. Zweiter Vorteil: Die Aktien der Anleger sind an der Börse täglich handelbar. Vor dem Hintergrund, dass es keinen funktionierenden Zweitmarkt für KG-Beteiligungen gibt, ist das ein fundamentaler Vorteil gegenüber geschlossenen Fonds. Und drittens werden sich auch die Kosten reduzieren, da Management- und Treuhandvergütungen sowie ein Teil der Fondsverwaltungskosten nach Umsetzung der Transaktion wegfallen. Last but not least profitieren die jetzigen Kommanditisten und zukünftigen Aktionäre von dem neuen Geschäftsmodell der Lloyd Fonds AG, in dem ich sehr große Zukunftsaussichten sehe.

Die Anleger wären dann direkt an der Lloyd Fonds AG beteiligt. Wie sieht das neue Geschäftsmodell aus?

Die ehemaligen Kommanditisten sind dann, wenn sie die Aktien aus den Schifffahrtsgesellschaften beziehen, als Aktionäre an einem börsennotierten Schifffahrtsunternehmen mit eigenen Schiffen, direktem Kapitalmarktzugang und 20 Jahren Investmenterfahrung beteiligt. Anders als bei der bisherigen KG-Beteiligung sitzen dann alle – also Aktionäre, Mitarbeiter und Vorstand – gemeinsam in einem Boot und haben vollkommen gleiche Interessen. Das war bei dem KG-System der Vergangenheit leider nicht immer der Fall. Neben dem Management von ehemaligen KG-Schiffen wird die “neue” Lloyd Fonds AG mittelfristig wieder internationale Schiffsfinanzierungen für Neubauprojekte anbieten. Hier kommt uns die Börsennotierung zugute, denn als gelistetes Unternehmen kann sich die Lloyd Fonds AG über alle Formen des Kapitalmarktes finanzieren. Wir wollen so eine modere Flotte mit langfristigen Chartern und bonitätsstarken Charterern aufbauen, die einen kontinuierlichen Cash-Flow auf Unternehmensebene erwirtschaftet. Natürlich partizipieren die jetzigen Anleger künftig auch an sämtlichen bestehenden und zukünftigen Einnahmen der Lloyd Fonds AG. Und wir wollen auch unsere Strukturierungskompetenz nutzen und später wieder Beteiligungen anbieten.

Seite zwei: Erweiterung des Portfolios geplant [6]

Zunächst ist die Übernahme eines Portfolios von elf Schiffen geplant. Nach welchen Kriterien wurden die Schiffe ausgewählt?

Wir wollten eine gute und wirtschaftlich ausgewogene Flotte zusammenstellen. Das ist uns mit diesem Anfangsportfolio aus fünf Tankern mit einer Tragfähigkeit von 37.000 – 72.400 tdw und sechs Containerschiffen mit einer Stellplatzkapazität von 1.100 – 8.500 TEU gelungen. Zudem haben im Vorfeld der Transaktion die wesentlichen Partner – Banken, Reeder, Charterer – ihre Zustimmung für diese elf Schiffe gegeben. Dabei soll es aber nicht bleiben. Nach Umsetzung der Transaktion wollen wir weiteren Schifffahrtsgesellschaften das Angebot zur Einbringung der Schiffe in die Lloyd Fonds AG unterbreiten. Auch solchen, die nicht von Lloyd Fonds initiiert wurden.

Sollte das Portfolio ursprünglich nicht größer sein?

Wir hätten gerne auch schon im ersten Schritt noch mehr Schiffen ein vergleichbares Angebot gemacht. Aber in den anderen Fällen haben wir die notwendigen Verständigungen mit den unterschiedlichen Partnern noch nicht erreichen können. Ich sage bewusst: noch nicht. Denn ich glaube, dass eine Erweiterung des Portfolios nach einem Erfolg der ersten Transaktion wesentlich einfacher umzusetzen sein wird.

Wie wurde die Bewertung der einzelnen Schifffahrtsgesellschaften und der Lloyd Fonds AG vorgenommen?

Eine objektive und nachvollziehbare Bewertung der elf Schifffahrtsgesellschaften und der Lloyd Fonds AG ist das A und O bei dieser Transaktion. Deshalb war es uns von Anfang an besonders wichtig, dass der Gutachter vollkommen neutral ist. Um stringente Bewertungsmethoden sicherzustellen, wurden deshalb sowohl die Bewertungen der einzelnen Schifffahrtsgesellschaften als auch der Lloyd Fonds AG von der unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Roever Broenner Susat (RBS) durchgeführt.

Seite drei: Mehrheit von 75 Prozent erforderlich [7]

Wie werden die Mehrheitsverhältnisse an der Lloyd Fonds AG aussehen, wenn die Anleger Ihr Angebot annehmen?

Nach der Transaktion werden die bisherigen Anleger der elf Schifffahrtsgesellschaften die deutliche Mehrheit an der Lloyd Fonds AG halten. Sie halten dann rund 45 Millionen Aktien, die bisherigen Aktionäre von Lloyd Fonds nur knapp zehn Millionen.

Machen das Ihre jetzigen Aktionäre mit?

Die Hauptgesellschafter sind wie ich der Überzeugung, dass die Transaktion das Beste für unser Unternehmen und auch für die Schifffahrtsgesellschaften ist, für die wir ja eine besondere Verantwortung tragen. Deshalb akzeptieren sie diese deutliche Verwässerung. Ich bin übrigens selbst nach wie vor Aktionär und bin ein vehementer Verfechter dieses Modells, das wir ja entwickelt haben.

Wie hoch muss die Zustimmung in den einzelnen Fonds ausfallen?

Die Anleger müssen unserem Angebot in der Regel mit einer Mehrheit von 75 Prozent der abgegebenen Stimmen zustimmen. Wenn die Anleger eines Fonds nicht zustimmen, bleibt für diese Schifffahrtsgesellschaft alles beim Alten. Das berührt dann die anderen Gesellschaften aber nicht.

Gibt es ähnliche Pläne auch für die Immobilienfonds von Lloyd Fonds?

Natürlich ist das Konzept grundsätzlich auch auf Immobilienfonds [8] übertragbar. Denn die wichtigsten Vorteile unseres Angebotes – Risikodiversifikation, Fungibilität und Kosteneinsparungen – greifen unisono auch bei diesen Fonds. Daher ist dies durchaus ein denkbarer Weg. Allerdings gibt es bei Immobilien ganz andere rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen, die bedacht sein müssen. Eine solche Immobilien AG wäre aber auf jeden Fall von der neuen Lloyd Fonds AG, die ja ein Schifffahrtsunternehmen wird, deutlich getrennt.

Interview: Kim Brodtmann

Foto: Anna Mutter