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Schiffsfonds: Renaissance einer Assetklasse oder Luftschloss?

Die Schifffahrtsmärkte sind durch eine tiefe Krise gegangen, doch wenn die Anbieter von Schiffsbeteiligungen aus vergangenen Fehlern lernen, gibt es keinen Grund, warum Schiffsinvestitionen in Form von Publikums-AIF nicht erfolgreich platziert werden können.

Gastbeitrag von Lars Heymann, PKF Fasselt Schlage

Schiffsfonds [1]

“Wer Investitionen in Schiffe wie Sparbücher vertreibt, muss sich nicht über den Unmut seiner Anleger wundern.”

Zwei Pressemeldungen sind dem Betrachter des Schiffsfinanzierungsmarktes [2] in den letzten Wochen ins Auge gefallen: Ein großes Emissionshaus aus Süddeutschland kündigt für das dritte Quartal einen Publikums-AIF an, der in Schiffe investieren soll. Details sind noch nicht bekannt, geplant scheint die Investition in einen Post-Panamax Bulker zu sein.

Mehrere Sanierungsrunden absolviert

Dagegen ist andernorts zu lesen, dass von den einstmals 2.800 Fondsschiffen noch 1.600 in Fahrt seien. Ein Rückgang von über 40 Prozent. Ob in dieser Zählung Schiffe insolventer Fondsgesellschaften enthalten sind, ist nicht überliefert.

Nach den Beobachtungen des Verfassers dürfte zwischenzeitlich ein Drittel der in 2009 operierenden Fondsschiffe Insolvenz beantragt haben – bei einigen Emissionshäusern auch deutlich mehr. Auch bei den noch operierenden Schiffen sind vielfach mehrere Sanierungsrunden absolviert; die Aussichten der Anleger auf eine insgesamt erfolgreiche Investition sind auf Hoffnungswerte in die Zukunft verschoben.

Wünsche der Treuhänder bzw. Insolvenzverwalter nach Rückzahlung erhaltener Auszahlungen verringern die Freude an der Investition zusätzlich. Nicht gerade die Basis für eine neue Success-Story.

Zyklisches Geschäft der Seeschifffahrt

Andererseits: Krisen hat es in dem zyklischen Geschäft der Seeschifffahrt [3] schon immer gegeben, und auf jede Krise folgt ein Aufschwung. Nur wer nicht an eine Zukunft der globalen arbeitsteiligen Wirtschaft glaubt, kann den heutigen Zustand als “new normal” bezeichnen.

Die weitere Globalisierung der Weltwirtschaft wird realistischerweise auf Sicht nicht ohne Schifffahrt auskommen. Wenn aber der nächste Aufschwung der Schifffahrt irgendwann kommt, dann wird sich auch wieder die Frage stellen, wie Kleinanleger an diesem Aufschwung beteiligt werden können. Neben klassischen Aktien und der Ausgabe von Unternehmensanleihen kommen dann auch Publikums-AIF [4] wieder in den Fokus.

Seite zwei: Publikums-AIF wieder im Fokus [5]

Dies aus zwei Gründen: Börsengänge von Schifffahrtsunternehmen (nicht von Linienreedereien) waren auch schon in vergangenen Boomzeiten in der Regel nicht von langfristigem Erfolg gekrönt. Vielerorts bestehen Zweifel, ob ein Schifffahrtsunternehmen die Voraussetzungen für einen Initial Public Offering (IPO) mitbringen kann.

Die volatilen Schifffahrtsmärkte stehen in Widerspruch zur stetigen Renditeerzielung, wie sie von börsennotierten Aktiengesellschaften gefordert sind.

Unternehmensanleihen hingegen sind typisches Fremdkapital, aufgrund der üblicherweise festen Verzinsung bieten sie keine Beteiligung an den wirklichen Chancen, die eine Investition in ein Schiff langfristig bietet.

Außerdem stellen Unternehmensanleihen in den meisten Fällen kein Vehikel dar, um Kleinanleger [6] in die Finanzierung einzubeziehen. Sie werden regelmäßig hauptsächlich von Banken und institutionellen Investoren erworben.

Knackpunkt Auswahl der Schiffe

Wenn die Publikums-AIF aber die Nachfolge des klassischen KG-Modells antreten sollen, ist zu fragen, welche Lehren aus den Fehlern gezogen werden, die letztendlich zum Scheitern des KG-Modells geführt haben. Nur so können zukünftig erfolgreich Publikumsgesellschaften platziert werden.

Ein erster Ansatzpunkt wird in der Auswahl der Schiffe zu suchen sein. Diese muss sich konsequent an den quantitativen und qualitativen Bedürfnissen der Reedereien [7] und damit denen der Liniendienste orientieren. Nur so kann ein stabiler Cash Flow gewährleistet werden, der die Investition in Schiffe für Privatanleger interessant macht.

Seite drei: Risiken konzeptionell begrenzen [8]Die Anlagekonzepte müssen deswegen schon aufgrund der laufenden Chartereinnahmen eine angemessene Verzinsung des Anlegerkapitals ermöglichen. Konzepte, die nur spekulativ auf Veräußerungsgewinne am Ende der Fondslaufzeit setzen, werden diesen Anforderungen nicht gerecht.

Risiken konzeptionell sicher begrenzen

Ferner müssen die Risiken der Anleger zukünftig konzeptionell sicher begrenzt werden; gleichzeitig müssen die nicht begrenzbaren Risiken einer unternehmerischen Beteiligung offen an die Anleger kommuniziert werden.

Das heißt konkret: Das eingesetzte Kapital steht im Risiko, bei Schiffsinvestitionen auch im Risiko eines Totalverlustes. Risiken, die zu einer Rückgewährpflicht erhaltener Auszahlungen führen, müssen demgegenüber ausgeschlossen werden, wenn der Publikums-AIF von den Anlegern akzeptiert werden soll. Wer Investitionen in Schiffe wie Sparbücher [9] vertreibt, muss sich nicht über den Unmut seiner Anleger wundern.

Wenn diese Bedingungen erfüllt werden, gibt es keinen Grund, warum Schiffsinvestitionen in Form von Publikums-AIF nicht erfolgreich platziert werden können.

Ende der Krise könnte bevorstehen

Und die für das dritte Quartal angekündigte Neuemission? Warten wir es ab. Die gesamte Branche wird die Emission dieses AIF beäugen und auf einen Erfolg hoffen.

Es wäre ein Signal, das das Ende dieser Krise bevorstehen könnte, die die Reeder an so vielen Stellen gleichzeitig getroffen hat. Nachahmer mit weiteren Schiffsprojekten werden dann schnell folgen, denn Schiffe finden sich zurzeit genug, die zum Verkauf stehen.

Autor Lars Heymann, Rechtsanwalt und Steuerberater, ist Partner bei PKF Fasselt Schlage am Standort Hamburg.

Foto: PKF Fasselt Schlage