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Zweitmarkt: Keine Schnellschüsse

Die Umsätze auf den Zweitmarkt-Handelsplattformen entwickeln sich stabil, die Aussichten für 2015 sind positiv. Doch für neue Zweitmarktfonds sieht das KAGB eine wesentliche Einschränkung vor.

Die Fondsbörse Deutschland und die Deutsche Zweitmarkt AG (DZAG) gehören jetzt zusammen.

Dass die Fondsbörse Deutschland und die Deutsche Zweitmarkt AG [1] (DZAG) jetzt zusammengehören, wurde Mitte November auf einer Fachtagung in Hamburg offensichtlich: Dort standen der DZAG-Vorstand Jan-Peter Schmidt und die Führungscrew der Fondsbörse um Vorstandschef Alex Gadeberg vor Beginn der Veranstaltung einträchtig nebeneinander an einem Bistrotisch und tauschten sich aus.

Funktionierender Zweitmarkt fundamental

Rund vier Wochen zuvor hatten die beiden Handelsplattformen verkündet, dass die Fondsbörse 100 Prozent der Anteile an der DZAG von Salomon Invest und der Atalanta Beteiligungsgesellschaft übernimmt.

Die Zustimmung der Finanzaufsicht BaFin stand zu diesem Zeitpunkt noch aus, sie liegt aber inzwischen vor. Ein funktionierender Zweitmarkt [2] sei Voraussetzung für die Rückgewinnung des Vertrauens in unternehmerische Beteiligungen insgesamt, erklärten Gadeberg und Schmidt unisono.

Deshalb sei die Idee gereift, den fragmentierten Zweitmarkt zu konzentrieren. “Es geht uns darum, den Markt als Ganzes zu stärken, um damit unsere eigene Geschäftsgrundlage langfristig zu sichern”, sagte Schmidt.

Bündelung von Liquidität

Operativ wollen beide Maklerunternehmen weiter unabhängig voneinander agieren. “Eine Integration der DZAG in die Fondsbörse stand zu keiner Zeit zur Diskussion”, erklärte Gadeberg. “Wir wollen einerseits einen gewissen Wettbewerb im Markt erhalten. Andererseits haben die beiden Unternehmen unterschiedliche Schwerpunkte in ihren Zielgruppen, sodass der Erhalt beider Marken zur passgenauen Bedienung unterschiedlicher Kundengruppen sinnvoll ist.”

Seite zwei: Zusätzliches Personal [3]Das Angebot der Fondsbörse richtet sich eher an Banken und Sparkassen, während die DZAG die freien Vermittler im Fokus hat. Beide Unternehmen versprechen sich von der Übernahme neben Kostenvorteilen vor allem eine Bündelung von Liquidität und damit eine erhöhte Abschlusswahrscheinlichkeit für die Marktteilnehmer.

Zusätzliches Personal

Kostenersparnisse sollen unter anderem durch die Zusammenlegung von Abwicklungsprozessen und IT-Strukturen sowie bei der Informationsbeschaffung erzielt werden. Alle Leistungen, die das Thema Fondsbewertung betreffen, hat die Fondsbörse an die Deutsche Fondsresearch (DFR) vergeben.

Für das weitere Wachstum der Unternehmen soll laut Gadeberg zusätzliches Personal aufgebaut werden. Einsparungen bei den Mitarbeitern seien nicht geplant. Nach dem Zusammenschluss beschäftigt die Fondsbörse rund 30 Mitarbeiter, die DZAG zehn.

Stabile Umsätze

Die Umsatzentwicklung auf dem Zweitmarkt verspricht stabile Rahmenbedingungen nach der Übernahme: “Das Umsatzvolumen 2014 wird nicht ganz an das Rekordjahr 2013 mit einem Handelsumsatz von 187 Millionen Euro heranreichen, das aber auch stark von Sondereffekten geprägt war”, erklärt Gadeberg. “In der ersten Jahreshälfte 2013 hatten Zweitmarktfonds [4] für Rekordumsätze gesorgt, da sie noch vor der ab Juli gültigen Regulierung investieren wollten – oder vielmehr mussten.” Dann war erstmal Schluss.

Seite drei: Weiter Talfahrt bei Schiffsfonds [5]

Doch jetzt beginnen die ersten Fonds wieder zu investieren, nachdem sie an die neuen regulatorischen Vorgaben angepasst wurden. Laut Schmidt ist die stabile Umsatzentwicklung 2014 besonders den Immobilienfonds [6] zu verdanken.

Für Schiffsfonds [7] hingegen ging es weiter bergab. “Was sich bereits 2013 andeutete, schlug sich 2014 in Zahlen nieder: Im ersten Quartal überstieg die Anzahl der Handel mit sonstigen Assetklassen erstmals die Zahl der gehandelten Schiffsfonds”, so Schmidt. Grundsätzlich habe sich das gehandelte Nominalkapital ebenso wie der durchschnittlich erzielte Handelskurs erhöht – nur nicht bei den Schiffsfonds.

Preis besonders wichtig

Auch eine Studie der DZAG zeigt, dass derzeit großes Interesse an Zweitmarkt-Investitionen besteht. 311 Privatpersonen bzw. Firmen haben sich an der Umfrage beteiligt, darunter Emissionshäuser, Banken, institutionelle Investoren [8] und Vertriebe.

77,2 Prozent der Befragten sehen demnach im Erwerb von Investmentbeteiligungen über den Zweitmarkt eine interessante Alternative gegenüber dem Erstmarkt, insbesondere vor dem Hintergrund der Regulierung. (kb)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der aktuellen Cash.-Ausgabe 1/2015 [9].

Foto: Shutterstock