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Container-Direktinvestments: Rückenwind durch Regulierung und Marktwachstum

Wer in maritime Sachwerte investieren möchte, dem bleiben insbesondere Container. Nicht nur die Marktprognosen sind vielversprechend – auch die neuen rechtlichen Vorgaben könnten Privatanleger stimulieren, sich künftig noch stärker in diesem Segment zu engagieren.

Der weltweite Containerumschlag entwickelt sich positiv.

Bis auf einen Publikums-AIF von Buss Capital [1] sind Investitionen in die stählernen Transportboxen derzeit nur über Direktinvestments [2] möglich. Die Anleger erwerben dabei einzelne Container, beteiligen sich aber nicht an einer Gesellschaft.

Pflicht zum Verkaufsprospekt

Bisher mussten die Anbieter von Direktinvestments keinen Verkaufsprospekt veröffentlichen, da die Prospektpflicht [3] nach dem Vermögensanlagengesetz (VermAnlG) diese Anlageform nicht umfasste.

Doch damit ist es bald vorbei: Im Juli 2015 wurde der Anwendungsbereich des VermAnlG durch das Kleinanlegerschutzgesetz [4] auch auf Container-Direktinvestments erweitert, wobei diese zunächst nur erfasst werden sollten, wenn sie eine feste Rückkaufverpflichtung vorsehen.

Versehen des Gesetzgebers

Offenbar ein Versehen des Gesetzgebers, denn schon im Oktober enthielt der Entwurf für das Finanzmarktnovellierungsgesetz eine Korrektur. Jetzt soll die Prospektpflicht doch für alle Container- (und weitere) Direktinvestments gelten und bereits am Tag nach der Verkündung des Gesetzes in Kraft treten, also voraussichtlich noch im ersten Halbjahr 2016.

Auch der Vertrieb der Direktinvestments gestaltet sich damit komplizierter als vor der Regulierung: Freie Vermittler, die in diesem Bereich besonders stark vertreten sind, benötigen eine Gewerbeerlaubnis als Finanzanlagenvermittler gemäß Paragraf 34f Absatz 1 Satz 1 Nr. 3 Gewerbeordnung (GewO).

Bislang verfügen zwar vergleichsweise wenig freie Vermittler über diese Gestattung. Dennoch befürchten die Produktgeber nicht den Verlust dieses Vertriebskanals.

Seite zwei: Solvium als erster Anbieter [5]

“Unsere Vertriebe erfüllen in der Regel die neuen Anforderungen”, erklärt Dr. Dirk Baldeweg, Geschäftsführer von Buss Capital. Ansonsten könnten diese “mit überschaubarem Aufwand” erfüllt werden.

Als erster Anbieter hat Solvium Capital [6] zu Jahresbeginn ein Direktinvestment nach VermAnlG gestartet: Container Select Plus hat ein Mindestvolumen von 10,5 Millionen Euro.

Die Vermögensanlage in 40-Fuß-High-Cube-Standardcontainer sieht eine Mietlaufzeit von vier Jahren und sechs Monaten und Auszahlungen von bis zu 4,7 Prozent jährlich vor.

Am Ende der Mietlaufzeit sollen die Container zu einem Festpreis von Solvium zurückgekauft werden. Der Kaufpreis je Container beträgt nach Angaben des Unternehmens 3.485 Euro zuzüglich zwei Prozent Agio.

Investitionen in Container lohnenswert

“Wir haben uns sofort nach der Änderung des Vermögensanlagengesetzes mit den Neuerungen beschäftigt und begonnen, den Prospekt für das neue Angebot zu schreiben. Jetzt freuen wir uns, dass die BaFin ihn in vergleichsweise kurzer Zeit gestattet hat”, erklärte Geschäftsführer André Wreth beim Vertriebsstart.

Dass sich Investitionen in Container weiterhin lohnen, zeigt ein Blick auf die globalen Märkte: “Die Containerisierung hat rund 60 Jahre gebraucht, jetzt ist sie nahezu abgeschlossen. Den praktischen Transportboxen haben wir es zu verdanken, dass sich Beförderungszeiten und -kosten auf ein Minimum reduziert haben. Durch ihre genormten Maße und die  darauf abgestimmten Verkehrsträger ist weltweit ein unkomplizierter intermodaler Transport über Schiff, Schiene und Straße möglich”, betont Baldeweg.

Wichtigster Indikator für die Nachfrage ist der weltweite Containerumschlag, und der entwickelt sich positiv: Für 2015 rechnet Marktanalyst Drewry Maritime Research mit einem Flottenwachstum von 5,3 Prozent, bis 2020 erwartet das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) ein durchschnittliches Wachstum von sechs Prozent pro Jahr.

Die Prognosen sind also vielversprechend. Und die neuen rechtlichen Vorgaben könnten die derzeit eher sicherheitsorientierten Privatanleger durchaus stimulieren, künftig noch stärker in Container zu investieren. (kb)

Foto: Shutterstock