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Das war das Jahr 2016 für Sachwerte

Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende entgegen. Die Sachwertbranche ist wenig vorangekommen, offenbarte aber auch überraschende Trends. Ein Rückblick. Der Löwer-Kommentar

„Die Vorteile der Regulierung und die Einsicht, dass die heutigen KVGen nicht für die Pleiten und Skandale früherer Fonds anderer Anbieter verantwortlich zu machen sind, haben sich auch 2016 nicht wirklich durchgesetzt.“

Q1: Solvium Capital bringt das erste Container-Direktinvestment mit einem Prospekt nach dem Vermögensanlagengesetz. Die HCI Capital AG schluckt das ehemalige Emissionshaus König & Cie und wenig später auch die Traditionsreederei Ernst Russ, deren Namen sie annimmt. Reconcept verkauft die hauseigene Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) an Xolaris und Xpecto.

Q2: Der Bundestag verabschiedet das erste Finanzmarkt-Novellierungsgesetz. Der Container-Anbieter Magellan Maritime Services stellt Insolvenzantrag. Die Bundesregierung beschließt die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Q3: Die US-Vermögensanlage TSO-DNL Active Property wird mit einem gewaltigen Eigenkapital von 203 Millionen US-Dollar geschlossen. Das EU-Parlament schmettert die Verordnung der EU-Kommission zu Basis-Informationsblättern für „verpackte“ Anlage- und Versicherungsprodukte (PRIIPs) mit breiter Mehrheit ab. Das traditionsreiche Hamburger Emissionshaus Hansa Treuhand kündigt an, das Emissionsgeschäft aufzugeben.

Noch immer Schifffahrtskrise

Q4: Das Finanzministerium veröffentlicht den Entwurf für das Zweite Finanzmarkt-Novellierungsgesetz unter anderem zur Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II. Die Oetker-Gruppe verkauft die Reederei Hamburg Süd an den dänischen Branchenprimus Møller-Maersk. Das erste Urteil im S&K-Prozess lautet auf fünf Jahre und drei Monate.

Das waren die wichtigsten Nachrichten der Sachwertbranche 2016 im Schnell-Durchlauf. Viel Positives war nicht dazwischen. Es ist noch einiges mehr passiert, doch wirklich vorangekommen ist der Markt im zu Ende gehenden Jahr nicht, jedenfalls nicht die alternativen Investmentfonds (AIF). Eher das Gegenteil.

So hat sich die Schifffahrtskrise, die schon seit 2008 schwer auf der Branche lastet, im Laufe des Jahres nochmals verschärf. Auch wenn schon seit geraumer Zeit ohnehin praktisch keine neuen Schiffsfonds mehr aufgelegt werden: Die Vertriebe müssen sich noch immer auf breiter Front gegenüber ihren Kunden für die Verluste der Altfonds rechtfertigen, können ihnen kaum mit neuen Produkten kommen und nicht wenige schlagen sich weiterhin mit Anlegeranwälten herum.

Seite 2: Erfolgsmeldungen Mangelware [1]

Ein Großteil der Vertriebe lastet das Debakel nicht – wie es korrekt wäre – der globalen Dauerkrise in der internationalen Handelsschifffahrt an, sondern dem Vehikel „geschlossener Fonds“. Sie übertragen ihre Enttäuschung auch auf Fonds anderer Branchen und sogar auf die schon seit 2013 voll regulierten AIF. Die Vorteile der Regulierung und die Einsicht, dass die heutigen KVGen nicht für die Pleiten und Skandale früherer Fonds anderer Anbieter verantwortlich zu machen sind, haben sich auch im ablaufenden Jahr nicht wirklich durchgesetzt.

So waren auch 2016 Erfolgsmeldungen aus dem Vertrieb von Publikums-AIF Mangelware. Wie sich das Platzierungsvolumen insgesamt entwickelt hat, wird erst die Recherche zu der Markterhebung für das Anfang März erscheinende Cash.-Special „Rendite+: Sachwertanlagen“ zeigen. Bereits jetzt hingegen scheint sicher: Von der Anzahl der neuen Publikums-AIF wird 2016 sogar hinter dem Vorjahr zurückbleiben.

Nur insgesamt 25 neue Publikums-AIF zählte G.U.B. Analyse von Januar bis 15. Dezember. Nicht auszuschließen ist, dass auf den letzten Metern noch haufenweise neue Fonds auf den Markt kommen oder wir diverse Emissionen übersehen haben, die in aller Stille gestartet wurden (wie unlängst etwa der PI Pro Investor Immobilienfonds 3 von PI Fondsmanagement). Andernfalls jedoch wird noch nicht einmal die (ebenfalls mickrige) Vorjahreszahl von 33 Publikums-AIF erreicht werden – die Zahl der Emissionen nach dem Vermögensanlagengesetz (VermAnlG) erst recht nicht.

60:25 für die Vermögensanlagen

Mehrfach haben wir im Laufe des Jahres darüber berichtet, dass die Aktivität in diesem semi-regulierten und eigentlich mit dem KAGB ab 2013 für tot erachteten Segment noch immer weitaus höher ist als bei den Publikums-AIF. Auf 60 neue Vermögensanlagenprospekte summiert sich die Zählung mittlerweile (bis Mitte Dezember).

Doch nicht nur die Anzahl der Emissionen ist hier höher, auch die Kreativität der Akteure – in positiver wie negativer Richtung. Ein Highlight war ohne Frage die Emission einer nachrangigen Schuldverschreibung des Zweitmarktspezialisten Asuco im Oktober. Sie belegt, welche überraschenden konzeptionellen Möglichkeiten das VermAnlG weiterhin bietet.

Die Schwäche der Publikums-AIF resultiert auch aus einem weiteren Trend, der in Hinblick auf die ursprünglichen Erwartungen an die Regulierung durchaus überraschend ist und sich 2016 verstärkt hat: Die Banken haben sich nicht nur aus dem Vertrieb, sondern reihenweise auch aus dem Kreis der Anbieter verabschiedet. Sie kaprizieren sich verstärkt nur auf institutionelle Kunden.

Seite 3: Exodus der Banken auch als Anbieter [2]

So wurden die ehemaligen Bankentöchter KGAL und LHI schon 2014 und 2015 an private Investoren bzw. das Management verkauft. Im September 2016 wurde dann bekannt, dass auch die Hessische Landesbank und die dortigen Sparkassen einen Käufer für ihre Fonds-Tochter Hannover Leasing suchen.

Zudem hat die Deutsche Bank im Mai ihren ersten und bislang einzigen geschlossenen Publikums-AIF in der Rechtsform einer Investment AG wieder vom Markt genommen und seitdem nichts mehr von sich hören lassen (in Punkto AIF, ansonsten natürlich schon). Auch die Commerzbank-Tochter Commerz Real kündigte kürzlich an, bis auf weiteres keine Publikums-AIF mehr aufzulegen. Aus dem Lager der Banken, auf das die Regulierung ursprünglich in erster Linie zugeschnitten schien, bleiben somit derzeit nur WealthCap, Real I.S. und Hannover Leasing.

Und auch diese drei sind mit Fragezeichen versehen: Bei WealthCap bleibt abzuwarten, wie sich die Turbulenzen der italienischen Mutterbank UniCredit auswirken, über die Zukunft von Hannover Leasing wird der neue Eigentümer entscheiden und Real I.S. doktert noch immer an ihrem bislang einzigen Publikums-AIF, dem schon im Herbst 2014 gestarteten Real I.S. Grundvermögen, herum, von dem kaum etwas zu hören ist. Stattdessen verschickt das Unternehmen pausenlos Pressemitteilungen über Transaktionen seiner Spezial-AIF und verkündete erst vergangene Woche, ein 500-Millionen-Euro-Individualmandat eines deutschen Versicherungskonzerns erhalten zu haben.

Erfolgsmeldungen von inhabergeführten Häusern

So stammten 2016 mit Ausnahme des erfolgreichen Markteinstiegs der Patrizia Grundvermögen mit vier neuen Fonds fast alle Erfolgsmeldungen zu Publikums-AIF aus dem Lager der privaten, überwiegend inhabergeführten Häuser. „Comeback des Mittelstands“ lautet deshalb die Überschrift des Schwerpunkt-Artikels im aktuellen Cash.-Heft (Ausgabe 1/2017), das letzte Woche erschienen ist.

Vielfach sind die privaten Unternehmer offenbar weitaus agiler als die Banken-Dickschiffe, die zusätzlich in einem Regulierungs-Gestrüpp festhängen, das weit über das KAGB hinausgeht und die außerdem in ihrem angestammten Geschäft unter Null- und Negativzinsen ächzen.

Insgesamt war 2016 also ein verlorenes Jahr für die AIF-Branche. Doch manche Meldung der vergangenen Wochen gerade aus dem Lager der inhabergeführten Unternehmen macht durchaus auch Mut für das kommende Jahr. Wie es 2017 voraussichtlich weitergeht, das lesen Sie in dem nächsten Löwer-Kommentar, der am 2. Januar erscheint.

Bis dahin wünsche ich allen Lesern geruhsame Feiertage, ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und betreut das Cash.-Ressort Sachwertanlagen. Er beobachtet den Markt der Sachwert-Emissionen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit 25 Jahren. G.U.B. Analyse gehört wie Cash. zu der Cash.Medien AG.

Foto: Florian Sonntag