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AIF-Vertrieb: Da ist noch Luft nach oben

Die jüngste Umfrage des Sachwerteverbands BSI belegt allenfalls verhaltenen Optimismus in der Branche der alternativen Investmentfonds (AIF). Doch es geht auch anders. Der Löwer-Kommentar

„Die Vertriebsflaute ist keineswegs ein branchenweites Phänomen. Einzelne Häuser sind durchaus sehr erfolgreich.“

„Anbieter von Sachwertfonds starten mit positivem Ausblick in 2017“: So überschrieb der BSI in der vergangenen Woche seine Pressemitteilung über die Ergebnisse einer Umfrage [1]unter den am Markt tätigen Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) zu den Erwartungen und Aussichten für das Jahr 2017.

Über 60 Prozent der Anbieter schätzen das Marktpotenzial geschlossener Publikums-AIF demnach als gut bis sehr gut ein, so der BSI. Das klingt positiv, bedeutet allerdings auch: Bis zu 40 Prozent tun das nicht – ein ziemlich hoher Anteil. Echter Optimismus für das eigene Produkt jedenfalls sieht anders aus.

Gleiches gilt für die Zahl der geplanten neuen Fonds: Insgesamt sind 31 neue Publikums-AIF mit einem Investitionsvolumen von 1,4 Milliarden Euro geplant, so das Ergebnis der Umfrage. Im Vorjahr lag die Zahl der Neuprodukte laut BSI bei 24. Dass Cash. in 2016 inklusive eines zurückgezogenen Fonds (Deutsche Bank) drei neue Publikums-AIF mehr [2]gezählt hat, spielt dabei keine große Rolle.

Weniger neue Fonds als 2015

Vielmehr belegt die Zahl der geplanten Emissionen trotz der Steigerung: Wenn die Umfrage wirklich den wesentlichen Teil der KVG-Planungen abdeckt, wird die Branche auch 2017 nicht wesentlich vorankommen.

Selbst wenn alle Planungen realisiert werden, was erfahrungsgemäß nicht der Fall sein wird, läge die Zahl der Neuemissionen 2017 damit noch unter dem Jahr 2015, in dem Cash. insgesamt 33 neue Publikums-AIF registriert hatte. Außerdem: Sowohl 2015 als auch – erst recht – 2016 wurden allgemein als äußerst enttäuschend für die Branche angesehen.

Nun ist es sicherlich die Aufgabe eines Verbands, seine Branche in ein möglichst gutes Licht zu rücken und positiv darzustellen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ergebnisse der Umfrage allenfalls verhaltenen Optimismus belegen. Woran liegt das?

Seite 2: Es geht auch anders [3]

Neben bekannten Themen wie hohen Assetpreisen, Altlasten und generellen Imageproblemen im Vertrieb  scheint ein weiterer Punkt eine Rolle zu spielen: Manche KVG redet sich den Pessimismus selbst ein. Dieser Eindruck jedenfalls drängt sich nicht selten im direkten Gespräch mit KVG-Vertretern auf, die sich über die schwierige Situation im AIF-Vertrieb beklagen.

Dass offenbar über ein Drittel der KVGen kein gutes oder sehr gutes Marktpotenzial für die eigene Produktgattung sehen, spricht ebenfalls für noch weit verbreiteten Pessimismus. Da ist noch deutlich Luft nach oben. Schließlich geht es auch anders.

Das belegen die Platzierungszahlen im Privatkundengeschäft einzelner Häuser, die bislang per Pressmitteilung in der Cash.-Redaktion für 2016 eingetroffen sind. WealthCap: 150 Millionen Euro, Project Investment: 88 Millionen Euro, Deutsche Finance: 55 Millionen Euro. Habona brachte es mit etwa 50 Millionen Euro gar auf das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte, BVT auf knapp 20 Millionen Euro. Das sind alles andere als deprimierende Zahlen für Publikums-AIF.

Angst vor Platzierungsflop

Zwar vermelden üblicherweise nur jene Unternehmen ihre Ergebnisse per Pressemitteilung, die Erfolge vorzuweisen haben; sie sind sicher nicht repräsentativ. Aber sie belegen: Die Vertriebsflaute ist keineswegs ein branchenweites Phänomen. Einzelne Häuser sind durchaus sehr erfolgreich.

Hinzu kommt: Mit Ausnahme etwa der drei A380-Flugzeugfonds, die sehr lange am Markt waren (mittlerweile aber alle erfolgreich geschlossen wurden), ist die Platzierungsgeschwindigkeit der meisten Publikums-AIF durchaus ordentlich oder sogar sehr gut. Für ein echtes Erstarken des Marktes gibt es lediglich viel zu wenige Fonds.

Die Angst vor einem Platzierungsflop, die offenbar nicht wenige KVG-Manager weiterhin umtreibt und manche Neuemission verhindert, ist insofern nicht unbedingt angebracht. Im Gegenteil: Etwas mehr Selbstvertrauen und Optimismus könnte durchaus zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden. Denn nur eine spürbar steigende Anzahl neuer Fonds wird den Markt insgesamt wieder entscheidend nach vorne bringen können – und damit vielleicht auch die letzten KVGen aus ihrer Depression rütteln.