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Schifffahrtskrise: Eine ganz bittere Pille

Die Insolvenz des Reeders und einstigen Vorzeige-Initiators Hermann Ebel ist nicht nur für die Branche der Schiffsbeteiligungen ein weiterer Tiefschlag. Der Löwer-Kommentar

“Die Insolvenz belegt, wie sehr dramatische und andauernde Marktveränderungen an die Substanz auch der renommiertesten Anbieter gehen können.“

Ursprünglich sollte dieser Kommentar von dem positiven Impuls handeln, der von der neuen Möglichkeit der Online-Zeichnung bei Efonds [1] und Patrizia Grundinves [2]t für die Branche der Sachwertanlagen ausgeht. Von modernen Websites und von dem Optimismus, den Alexander Betz und Andreas Heibrock, also die Chefs der beiden Unternehmen, damit nicht nur verbreiten, sondern auch leben.

Doch es kam anders. Eine Hiobsbotschaft überschattete den Start der neuen Online-Ära: Ende letzter Woche wurde bekannt, dass Hermann Ebel, unter anderem Gründer und Chef des Hamburger Emissionshauses Hansa Treuhand, am 17. Januar als eingetragener Kaufmann (e.K.) beim Amtsgericht Bremen ein persönliches Plan-Insolvenzverfahren in die Wege geleitet [3]hat.

Persönliche Bürgschaften

Grund für den Schritt sind neben der andauernden Schifffahrtskrise nach Medienberichten Verbindlichkeiten gegenüber asiatischen Werften, für die Ebel persönliche Bürgschaften übernommen hatte, die ihn nun überforderten.

Ausgerechnet Ebel: Über Jahrzehnte galt er mit seiner 1983 gegründeten Hansa Treuhand als Vorzeige-Initiator, war erfolgreich wie kaum ein anderer. Die Leistungsbilanzen seiner Schiffsfonds wiesen stets überdurchschnittliche Ergebnisse aus – bis weit über den Beginn der Schifffahrtskrise im Jahr 2008 hinaus. Daneben betrieb er unter anderem eine eigene Flotte, eine Reederei, einen Kreuzfahrtbereich.

Ebel selbst: Stets korrekt und verlässlich – der personifizierte hanseatische Kaufmann. Weit über Schifffahrtskreise hinaus hoch angesehen in der Hansestadt, auch wegen seines gesellschaftlichen und kulturellen Engagements unter anderem als Mäzen sowie Vorstand der Stiftung Hamburgische Staatsoper und Mitglied des Rats der Hochschule für Musik und Theater.

Seite 2: Folgen für die Fonds [4]

Und nun das. In erster Linie wird die persönliche Insolvenz natürlich für Ebel und seine Familie ein gewaltiger Schlag sein. Doch auch für die Branche der Sachwertbeteiligungen ist sie eine ganz bittere Pille – weit über Schiffsbeteiligungen hinaus.

Schließlich belegt sie, wie sehr dramatische und andauernde Marktveränderungen an die Substanz auch der renommiertesten Anbieter gehen können. Und welche enormen persönlichen Risiken die Unternehmer in dieser Branche auf sich nehmen.

Die unmittelbaren Folgen für die Hansa-Treuhand-Fonds werden sich wohl in Grenzen halten. Zum einen ist laut einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ das operative Geschäft von Ebels Unternehmen nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters nicht betroffen und läuft vorerst stabil weiter.

Zum anderen hatte Hansa Treuhand schon im September angekündigt, das Emissionsgeschäft einzustellen [5]und zumindest ein Großteil der verbliebenen Schiffsfonds ist verschiedenen Berichten zufolge mittlerweile ohnehin insolvent. Die vier Flugzeug- und zwei Private-Equity-Fonds laufen als eigenständige Gesellschaften vermutlich weiter wie bisher.

Neue Nahrung für Endzeitstimmung

Die psychologischen Folgen hingegen sind nicht zu unterschätzen. Schließlich ist Endzeitstimmung in der Sachwertbranche noch immer weit verbreitet. Sie wird durch die Ebel-Insolvenz neue Nahrung erhalten und manchen in die Depression zurückstoßen. Es bleibt zu hoffen, dass die Online-Initiative von Efonds und Patrizia trotzdem einen positiven Impuls für die Branche setzt.

Noch ein persönliches Wort zu Herrmann Ebel: Ich kenne ihn seit vielen Jahren als kompetenten und besonnenen Gesprächspartner, der über den Tellerrand hinaussieht, auch kritische Fragen stets sachlich beantwortet und selbst in schwierigen Situationen auch das Positive betont und Lösungsansätze aufzeigt. Ebel und seiner Familie ist sehr zu wünschen, dass er auch in dieser schwierigen Lage seinen Optimismus nicht verliert.

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und betreut das Cash.-Ressort Sachwertanlagen. Er beobachtet den Markt der Sachwert-Emissionen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit 25 Jahren. G.U.B. Analyse gehört wie Cash. zu der Cash.Medien AG.

Foto: Florian Sonntag