22. Januar 2018, 09:17
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Eine kleine Korrektur

Angesichts der enormen Summen, die in Investmentfonds investiert sind, können trotz der kleinen Einzelbeträge theoretisch erkleckliche Einnahmen für den Fiskus zusammenkommen. In der Praxis hingegen werden die Fondsmanager ihre Ausschüttungspolitik wohl so ausrichten, dass die Vorabpauschale vermieden wird.

Zusammen mit der Teil-Freistellung der Erträge auf Fondsebene schneidet sich der Fiskus womöglich sogar ins eigene Fleisch und bekommt insgesamt weniger Steuern als ohne die komplizierten Vorschriften, zumal die Vorabpauschale später einem Veräußerungsgewinn gegengerechnet wird. Auch insofern ist nur schwer verständlich, welchen Sinn die Verkomplizierung haben soll.

Für den HTB-Fonds jedenfalls ist in erster Linie die 60-Prozent-Freistellung auf Fondsebene ein Vorteil. Die Vorabpauschale hingegen wird wohl keine Rolle spielen: Bei Immobilienfonds sind wegen der Abschreibungen auf die Gebäude die liquiden Überschüsse schon bei leidlich planmäßigem Verlauf meistens höher als die bilanziellen Gewinne.

Kniff der HTB-Konzeptionäre

Der Fonds wird also kaum in die Verlegenheit kommen, trotz eines entsprechenden Wertzuwachses nicht über genügend Liquidität für eine Dividende in Höhe des “Basisertrags” zu verfügen.

Die HTB-Konzeptionäre hatten eher ein anderes Problem zu lösen: Anders als eine KG darf eine AG grundsätzlich nur bilanzielle Gewinne ausschütten, nicht aber darüber hinausgehende Liquiditätsüberschüsse zulasten des Grundkapitals. Um trotzdem auch höhere Überschüsse auszahlen zu können, greift HTB auf einen Kniff zurück: Nur ein Euro des Preises von 1.000 Euro pro Aktie der HTB AG ist Grundkapital. 999 Euro fließen in die Kapitalrücklage, aus der gegebenenfalls auch Auszahlungen über die bilanziellen Gewinne hinaus vorgenommen werden können.

Im Zweifel kann der Fonds also selbst ohne Überschüsse Auszahlungen aus der Kapitalrücklage vornehmen, um bei entsprechenden Wertzuwächsen die Steuer auf die „Vorabpauschale“ zu vermeiden. Sie wird also aller Voraussicht nach bei dem Fonds nicht zum Tragen kommen. Trotzdem musste HTB einen entsprechenden Risikohinweis in den Prospekt aufnehmen – und der Löwer-Kommentar der vergangenen Woche entsprechend korrigiert werden.

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und betreut das Cash.-Ressort Sachwertanlagen. Er beobachtet den Markt der Sachwert-Emissionen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit mehr als 25 Jahren. G.U.B. Analyse gehört wie Cash. zu der Cash.Medien AG.

Foto: Florian Sonntag

 

 

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