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P&R: Welche Rolle spielte Hanjin?

Der Containeranbieter Solvium Capital vermutet auch die Pleite der Reederei Hanjin im Jahr 2016 als einen der Gründe für die Insolvenz von drei Gesellschaften des Konkurrenten P&R. Dieser jedoch bestreitet einen „signifikanten Zusammenhang“.

Der Containermarkt ist seit 2017 wieder im Aufschwung.

In einem Schreiben an ihre Vertriebspartner informierten Solvium-Geschäftsführer Marc Schumann und Holding-Vorstand Olaf Will Ende März – wie berichtet [1]– über die aktuell stabile Situation im globalen Container-Vermietgeschäft.

Darüber hinaus befassten sie sich in dem Schreiben mit den möglichen Gründen für die Insolvenzanträge von drei Gesellschaften des Konkurrenten P&R [2] Mitte März. Hierzu hat Cash.Online zunächst P&R um eine Stellungnahme gebeten, die nun vorliegt.

In dem Solvium-Schreiben heißt es: „Die Gründe für die derzeitigen Probleme bei der P&R-Gruppe sind sicherlich vielschichtig und von außen, auch mit sehr guten Marktkenntnissen, nicht vollständig zu erkennen.”

Niedrige Marktraten von 2012 bis 2015

Zunächst verweist Solvium auf die laut „Drewry Maritime Research“ besonders niedrigen Mietraten im Verhältnis zu den Containerpreisen bei den Top-Reedereien in den wohl stärksten P&R-Platzierungsjahren von 2012 bis 2015. Daneben gehen Will und Schumann auch auf die Folgen der Pleite der koreanischen Reederei Hanjin [3] ein, die 2016 die Schifffahrt und damit auch die Containervermietung weltweit erschüttert hatte.

Mittlerweile seien fast alle Container aus der Hanjin-Insolvenz wieder im Besitz der Container-Vermietgesellschaften. „Die Kehrseite der Medaille: Die Eigentümer der Container mussten finanzielle Einbußen akzeptieren“, heißt es in dem Solvium-Schreiben. Dies habe nicht nur den Verlust der Mieteinnahmen betroffen, hinzu seien Lager- und Reparaturkosten gekommen, die an Depots und Terminals zu zahlen waren, um die Container freizukaufen.

„Uns ist bekannt, dass die Container-Vermietgesellschaften, an denen P&R beteiligt ist beziehungsweise über die Containerfinanzierungen vorgenommen wurden, im großen Ausmaß an Hanjin vermietete Container und Spezialcontainer verwaltet haben. Daher war P&R von der Hanjin-Insolvenz wesentlich weitreichender betroffen als die Solvium-Gruppe“, so das Schreiben von Solvium, das nach eigenen Angaben lediglich zwei Container seiner gesamte Flotte an Hanjin vermietet hatte.

Seite 2: Stellungnahme von P&R [4]

Auf Nachfrage teilte ein P&R-Sprecher zunächst mit: „Ich würde hier keinen – jedenfalls keinen mir bekannten – Zusammenhang herstellen, der auch in der Größenordnung möglicher an Hanjin vermieteter Container die aktuelle Situation erklären würde.“ Er werde der Sache aber noch einmal nachgehen. Einige Tage später erklärt er: „Ich konnte bei mir vorliegenden Informationen keinen signifikanten Zusammenhang herstellen.“

P&R hat demnach wahrscheinlich – wie von Solvium vermutet – durchaus unter Hanjin gelitten, Ausschlag gebend war dies für die Insolvenzen aber wohl nicht. Wahrscheinlicher ist, dass die Geschäftsführung schlicht zu spät „den Stecker gezogen“ hat.

Um den Nimbus der seit über 40 Jahren einwandfreien Abwicklung der Verträge nicht zu zerstören, hat sie wohl zu lange daran festgehalten, auch ohne vertragliche Verpflichtung die avisierten hohen Rückkaufpreise zu zahlen, obwohl sie am Markt nicht zu erzielen waren.

Langjährige Zuverlässigkeit

Schließlich war die langjährige Zuverlässigkeit eines der wichtigsten Verkaufsargumente von P&R. Am Ende haben die freiwilligen Zahlungen jedoch womöglich dazu geführt, dass auch die vertraglich fixierten Verpflichtungen nicht mehr erfüllt werden konnten. Darauf jedenfalls ließ die erste Stellungnahme der P&R-Geschäftsführung [5] nach den Insolvenzanträgen schließen.

„Die aktuellen Schwierigkeiten der von einer Zahlungsunfähigkeit betroffenen Container-Investmentgesellschaften beruhen im Wesentlichen darauf, dass Rückkäufe in einem erheblichen Umfang gegenüber den Anlegern in Aussicht gestellt wurden, die derzeit nicht zu den bei Vertragsabschluss in Aussicht gestellten Rückkaufswerten durchgeführt werden können”, hieß es darin. Zudem könnten die fälligen Mietzahlungen, also harte vertragliche Verpflichtungen, nicht erbracht werden.

Stille Reserven aufgebraucht

Als die aktuell laufenden Verträge abgeschlossen wurden, habe auf dem Weltmarkt eine große Nachfrage nach Containern geherrscht, die nur zu marktüblichen hohen Preisen befriedigt werden konnte. Seit 2011 seien die Containerpreise rückläufig bis zum Tiefstand 2016. Hinzu kämen nachteilige Wechselkursentwicklungen. Seit 2017 sei eine Trendwende sichtbar und die Containerpreise würden anziehen.

“Trotz der sich verschlechternden Wirtschaftslage hatten die P&R Gesellschaften den Anlegern in den letzten Jahren weiterhin die bei Vertragsschluss prognostizierten hohen Rückkaufspreise bezahlt. Dabei wurden die vorhandenen stillen Reserven aufgebraucht”, hieß es in der Mitteilung nach den Insolvenzanträgen weiter. (sl)

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