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Zweitmarkt: “Freundliche Grüße, Hauke & Jan”

Erneut entrüstet sich die Fondsbörse über zu niedrige Kaufangebote, die direkt gegenüber den Anlegern für ihre Fondsanteile gemacht werden. Nun fordert sie Konsequenzen. Was steckt dahinter? Cash. hat nachgefragt.

Alex Gadeberg, Fondsbörse: “Wir werden mit Aufsichtsbehörden und anderen Institutionen in Kontakt treten.”

Nicht zum ersten Mal beklagt die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG [1] direkte Kaufangebote an Anleger, die deutlich unter dem letzten Preis auf ihrer öffentlichen Handelsplattform liegen. Doch in diesem Fall ist die Diskrepanz besonders groß.

Ihr liege ein Schreiben einer Rechtsanwaltssozietät vor, in dem diese im Namen Dritter den Anlegern des DGA Einkaufs-Center-Fonds ein Kaufangebot zum Preis von 125 Prozent unterbreitet, teilte die Fondsbörse Mitte Juli unter der Überschrift “Anlegerwarnung“ mit. Gehandelt würden diese Anteile aktuell und in den letzten Jahren hingegen zu Kursen um 360 Prozent, also fast dem Dreifachen.

Alex Gadeberg [2], Vorstand der Fondsbörse, wettert: “In den letzten Monaten haben wir wiederholt vor unseriösen Lockangeboten gewarnt, die ein ganzes Marktsegment in einem schlechten Licht dastehen lassen. Das uns nunmehr vorliegende Schreiben bildet den vorläufigen Höhepunkt.”

Schreiben enthält Argumente für Verkauf

In der Tat mutet das eine Seite umfassende Schreiben der Kaufinteressenten, das Cash. vorliegt, ziemlich eigenartig an. Es wurde den Anlegern über die DG Anlage als Treuhänderin des Fonds mit dem Begleitschreiben der Anwaltskanzlei übermittelt.

Es ist in (Computer-)Schreibschrift verfasst und wurde unterzeichnet “mit freundlichen Grüßen Hauke & Jan“. Dabei handelt es sich dem Schreiben zufolge um “zwei Privatpersonen und ebenfalls Treugeber“.

Das Begleitschreiben stammt von der Kanzlei Kucera Rechtsanwälte und Steuerberater aus Darmstadt und enthält Argumente für den Verkauf, wobei die Kanzlei darauf hinweist, dass das Schreiben ausschließlich die wirtschaftlichen Interessen des Erwerbers widerspiegele.

Seite zwei: “Es drohen massive Vermögensnachteile” [3]

Damit sei “kein anwaltlicher Rat oder eine anwaltliche Empfehlung hinsichtlich der Veräußerung Ihrer Anteile verbunden“. Anlegern würden bewusst elementare Informationen wie die aktuellen Handelskurse vorenthalten, kritisiert die Fondsbörse.

“Bei Annahme des Angebotes drohen massive Vermögensnachteile. Wir werden mit den Aufsichtsbehörden und anderen Institutionen in Kontakt treten, um derartige Übervorteilungsversuche in Zukunft zu erschweren oder ganz zu unterbinden“, kündigt Gadeberg an.

Doch was genau wirft die Fondsbörse den Kaufinteressenten vor? Schließlich leben wir in einem freien Land, und jedem Anleger steht es frei, das Angebot [4] abzulehnen. Auf welcher Basis sieht die Fondsbörse eine generelle rechtliche Verpflichtung von Kaufinteressenten, auf eventuell höhere Kurse an der Fondsbörse hinzuweisen?

Informationen werden vorenthalten

“Eine solche rechtliche Verpflichtung könnte sich unseres Erachtens aus dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ergeben“, antwortet Sven Marxsen, Vorstand der Fondsbörse und Jurist.

“Generell sieht das UWG vor, dass unlautere geschäftliche Handlungen unzulässig sind. Unlauter handelt unter anderem derjenige, der dem Verbraucher eine wesentliche Information vorenthält, die dieser benötigt, um eine informierte geschäftliche Entscheidung zu treffen, und deren Vorenthalten geeignet ist, den Verbraucher zu einer geschäftlichen Entscheidung zu veranlassen, die er andernfalls nicht getroffen hätte“, erläutert er.

“Als Vorenthalten gilt auch das Verheimlichen wesentlicher Informationen. Inwieweit gegen diese oder andere Bestimmungen des UWG verstoßen wird, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab“, so der Fondsbörse-Vorstand weiter.

Unredliches Geschäftsgebaren

Doch das ist noch nicht alles. “Sollte sich das Geschäftsgebaren als erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung erweisen, etwa als Anlagevermittlung, stünde unseres Erachtens neben einem Verstoß gegen die Erlaubnispflicht auch ein Verstoß gegen das Gebot der Redlichkeit im Raum“, sagt Marxsen.

Um Anlagevermittlung könnte es sich handeln, wenn nicht der Kaufinteressent, sondern ein von ihm benannter Dritter letztendlich in den Kaufvertrag eintritt. Das sei durchaus eine gängige Konstruktion bei diesen Kaufangeboten.

Zu bedenken sei ferner, dass ein Anspruch auf Herausgabe der Daten der Mitgesellschafter, der in der Vergangenheit vielfach im Klagewege geltend gemacht wurde, nach der Rechtsprechung des BGH [5] zwar generell besteht. “Dieser ist allerdings unter anderem durch das Verbot der unzulässigen Rechtsausübung begrenzt“, betont Marxsen.

Seite drei: Fondsbörse will BaFin einschalten [6]

“Sofern eine Nutzung der Daten zur Versendung unlauterer Kaufangebote erfolgt, könnte dies eine solche Begrenzung des Herausgabeanspruchs begründen. Dies mag bei künftigen Auskunftsklagen möglicherweise den Fondsgesellschaften als zusätzliches Argument dienen, um etwaige Klagen abzuwehren“, sagt er.

Bei den Behörden, die die Fondsbörse [7] einschalten will, handelt es sich laut Marxsen um die Finanzaufsicht BaFin sowie die Börsenaufsichtsbehörde in Hamburg. Und was will sie dort erreichen?

“Beide Behörden werden sich ein Bild machen. Aus unserer Sicht wäre es wünschenswert, dass Wege gefunden werden, die den Verbraucherschutz weiter stärken“, so die etwas vage Zielsetzung.

Kanzlei unternimmt “nichts weiter”

Cash. hat auch die Kanzlei Kucera um eine Stellungnahme gebeten. “Die Kritik der Fondsbörse ist uns bekannt“, antwortet Rolf G. Krauß, Rechtsanwalt und Steuerberater in der Kanzlei.

“Da wir laufende Mandatsbeziehungen grundsätzlich nicht gegenüber Dritten kommentieren, haben wir beschlossen, hier nichts weiter zu unternehmen“, so Krauß weiter.

Nach Rücksprache mit dem Mandanten könne er allerdings Folgendes mitteilen: “Die Ansprache von Anlegern durch unseren Mandanten erfolgt ausschließlich über den Treuhänder der jeweiligen Fonds [8]. Der Treuhänder fügt dem Angebot in Absprache mit unserem Mandanten ein Schreiben bei.“

Seite vier: War die “Anlegerwarnung” unlauter? [9]

Dieses enthalte neben verschiedenen anderen Hinweisen auch einen Hinweis auf den letzten Kurs der Fondsbörse. Das trifft zu. Wenn die Anleger tatsächlich nur auf diese Weise angesprochen werden, relativiert dies die Kritik der Fondsbörse erheblich, auch wenn die Kursinformation nicht von dem Kaufinteressenten selbst stammt.

Auch stellt sich damit die Frage, ob die Pressemitteilung der Fondsbörse [10] wiederum alle relevanten Informationen enthielt und ob auch ihre “Anlegerwarnung“ vielleicht nicht ganz lauter war, sondern nur der PR für ihre Handelsplattform dienen sollte.

Was Gadeberg und Marxsen vermutlich besonders wurmt: Der Einkaufs-Center-Fonds ist nicht das einzige Angebot der DG Anlage, das “Hauke & Jan“ an der Fondsbörse vorbei ins Visier genommen haben.

Weitere Angebote von “Hauke & Jan”

Laut ihrem Anschreiben haben sie im vergangenen Jahr ein Angebot zur Übernahme von Anteilen des DG Fonds 15 gemacht und waren “überwältigt von der hohen Nachfrage“. Cash. liegt zudem ein weiteres Angebot der beiden vor.

Es betrifft den DG Fonds Nr. 18 “Essen Gildehof- Center“, wurde den Anlegern ebenfalls mit Anschreiben der Kanzlei Kucera sowie der DG Anlage übermittelt und bietet den Kauf für 100 Prozent des Nominalwertes an.

In diesem Fall erfolgt in dem Kucera-Schreiben durchaus ein Hinweis auf den letzten Zweitmarktkurs [11]: 90 Prozent. Nicht erwähnt jedoch wird, dass die Immobilie des Fonds zwischenzeitlich verkauft wurde. Die daraus resultierende Schlussausschüttung: voraussichtlich 151 Prozent.

Seite fünf: Wie verfahren andere Aufkäufer? [12]

Diese Information fehlt auch in dem Brief von “Hauke & Jan“. Sie ist jedoch wiederum in dem Anschreiben der DG Anlage enthalten, die zudem die Anleger schon zuvor darüber informiert hatte.

Unabhängig davon, wie diese Vorgänge rechtlich zu bewerten sind, stellt sich die Frage, wie andere Aufkäufer verfahren. Die HTB [13] aus Bremen zum Beispiel spricht die Anleger ebenfalls meistens direkt an. Sieht sie dabei eine Verpflichtung, über etwaig höhere Preise an der Fondsbörse zu informieren?

“Wir sehen keine Verpflichtung, weil wir faire und realistische Angebote machen, die von externen und internen Bewertern bestätigt wurden. Ob der Kunde diese annimmt, entscheidet er selbst. In Zeiten des Internets war es nie zuvor einfacher, sich ein Bild von seiner Beteiligung zu machen“, antwortet Marco Ambrosius, HTB-Geschäftsführer.

Schlechtes Licht auf der Branche

“Hinzu kommt: Die Börse bringt Angebot und Nachfrage zusammen, aber oftmals nur zu limitierten Umsätzen. Das unterscheidet uns als professionellen Aufkäufer“, so Ambrosius weiter.

“Darüber hinaus räumen wir den Kunden auch ein Widerrufsrecht ein. Also genug Zeit, sich zu informieren“, sagt er. Die Aufsicht sieht er nicht in der Pflicht.

Ob BaFin [14] und Börsenaufsicht das auch so sehen, werden wir vielleicht erfahren, wenn sie sich nach dem Anstoß der Fondsbörse eine Meinung gebildet haben.

So oder so ist Gadeberg jedenfalls in einem Punkt zuzustimmen: Die Sache wirft insgesamt kein besonders gutes Licht auf die Branche, allerdings womöglich auch nicht auf die Fondsbörse.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Cash.-Ausgabe 9/2018. [15]

Autor: Stefan Löwer, Cash.

Fotos: Fondsbörse, Shutterstock

 

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