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Private Equity: Immer mehr Geld am Markt

Von Gegnern zu Partnern – selten hat eine Anlageklasse einen so fulminanten Imagewandel erlebt wie Private Equity. Zehn Thesen zu den aktuellen Trends.

Gastbeitrag von Alexander Binz, Circle Eleven

Unternehmen die sich mittels Private Equity finanzieren, entwickeln sich auch in Zeiten von Finanzkrisen besser als andere Firmen.

“Die goldenen Zeiten sind vorbei” – nach Ausbruch der Finanzkrise 2008 waren sich Experten einig: Private Equity (PE) hat die besten Zeiten bereits hinter sich. Wie falsch sie mit dieser Prognose lagen, zeigt ein aktueller Blick auf die Branche.

Keine zehn Jahre nach dem globalen Crash hat sich die Anlageklasse [1] unlängst zum profita- blen Mainstream-Investment gemausert – und das schlechte Image gleich mitabgelegt.

So vielfältig wie die Gründe für diese Entwicklung sind, so komplex ist auch die Investmentform selbst. Sie zählt zu den illiquiden Anlageklassen: PE-Fonds investieren in verschiedene Unternehmen, helfen bei der Umstrukturierung und ziehen ihren Gewinn aus dem Verkauf der Beteiligung nach frühestens fünf bis zehn Jahren.

Dabei gilt es nicht nur, einen langen Atem zu haben. Vor allem eine genaue Analyse der aktuellen Branchenentwicklungen trägt zu einem erfolgreichen Investment bei. Die zehn wichtigsten aktuellen Trends:

1. Die Investitionssummen steigen weltweit an

Während sich 1995 die Assets under Management (AuM) auf rund 200 Milliarden US-Dollar beliefen, haben sie sich inzwischen mehr als verzehnfacht. Laut dem Analysehaus Preqin betrug das Investitionsvolumen im Juni 2017 weltweit 2,83 Billionen US-Dollar.

Was den Markt prägt, sollten umgekehrt auch Anleger beachten: Lieber mehr Kapital in wenige PE-Manager investieren als wenig Geld in große Teams stecken. Das erhöht sowohl die Disziplin bei der Fondsauswahl [2] als auch den Einfluss der Fondsmanager.

Seite zwei: Kapitalbindung ist kein Nachteil [3]

2. Kapitalbindung ist kein Nachteil

Während Anleihen kaum noch Zinsen abwerfen und Aktienkurse stark schwanken, sind die Renditen bei Private Equity [4] deutlich höher – im Schnitt jährlich rund drei bis fünf Prozent.

Dabei spielt der Anlageklasse die oft an ihr kritisierte langfristige Kapitalbindung letztlich in die Karten. Viele Anleger, die ein Aktiendepot besitzen, schneiden aufgrund ihrer vielen Umschichtungen am Ende häufig schlechter ab. Die Versuchung bleibt PE-Investoren verwehrt.

3. Private Equity macht Unternehmen robuster

Der wissenschaftliche Beweis ist erbracht: Unternehmen, die sich mittels Private Equity finanzieren, entwickeln sich auch in Zeiten von Finanzkrisen besser als andere Firmen.

Gestützt wird die These der Forscher der US-amerikanischen Universitäten Stanford, Harvard und der Northwestern University durch eine Vielzahl von Kriterien.

So konnten beispielsweise PE-Investoren während der Finanzkrise ihre Fondsstrukturen und Kapitalpolster nutzen und den Portfoliounternehmen Eigenkapital [5] abseits der Finanzmärkte anbieten – was letztlich zu mehr Wachstum führte. Trotzdem darf dieses Beispiel nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch private Beteiligungen konjunkturabhängig sind.

Wer sich entsprechend absichern will, sollte daher sowohl in Anlagen mit verschiedenen Auflagejahren sowie in unterschiedliche Regionen, Währungen und Branchen investieren. Denn auch für PE-Investments gilt: je diversifizierter das Portfolio, desto niedriger das Risiko.

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4. Die Zahl der Fonds ist so groß wie nie

Mit weltweit 2.296 registrierten Private-Equity-Fonds hat die Branche [7] laut Preqin im Januar 2018 nicht nur den Vorjahreszeitraum deutlich überschritten, sondern einen neuen Höchstwert erreicht.

Scheint der Fundus an Investmentvorschlägen damit schier unbegrenzt, unterscheiden sich die Fonds stark hinsichtlich ihres Risikos und der Renditeerwartung.

Wer ein sowohl gewinnbringendes als auch sicheres Engagement eingehen möchte, sollte auf Interessen-Identität der Fondsmanager mit den Kunden achten. Und nur dort investieren, wo der Anbieter selbst der größte Investor ist.

5. Die Gebühren bleiben wichtig

Auch bei einem Private-Equity-Investment spielen Gebühren eine wichtige Rolle. Dabei gilt die Faustregel: Wer nicht alle Kosten kennt, zahlt immer zu viel. Längst nicht alle Gebühren sind auf der ersten Seite oder in der Übersicht der PE-Anbieter [8] aufgeführt.

Stattdessen ist es ratsam, alle relevanten Kostenpositionen bei den Fondsanbietern zu erfragen. Zudem sollten etwa 90 Prozent der Gebühren erfolgsabhängig anfallen.

Denn: Nur wenn der Initiator am Erfolg des gemeinsamen Investments interessiert ist und nicht an einer frühen und erfolgsunabhängigen Gewinnmaximierung, sind Unternehmensbeteiligungen als fester Bestandteil eines Portfolios zu empfehlen.

Seite vier: Von “Heuschrecken” zu Partnern [9]

6. PE-Investoren: Von “Heuschrecken” zu Partnern

Seit der Finanzkrise hat sich die öffentliche Meinung über die Anlageklasse gewandelt. Waren PE-Investoren lange Zeit als “Heuschrecken” verrufen, die Unternehmen ausschlachten, sind sie heute angesehene Partner. Das Image mussten sie sich jedoch erst hart erarbeiten.

Mehr und mehr PE-Manager [10] haben mithilfe ihrer Expertise und Erfahrung viele Unternehmen aus der Schieflage geholt; und damit bewiesen, dass sie in erster Linie am langfristigen Erfolg der Firmen interessiert sind. Nur so lässt sich ein Unternehmen am Ende der Laufzeit dann auch gewinnbringend verkaufen.

7. Das Interesse privater Investoren wächst

Einhergehend mit der positiven Meinung nimmt nicht nur die Zahl der interessierten Unternehmen stetig zu. Vielmehr beginnt sich auch die Investorenschaft zu verändern. Viele PE-Gesellschaften ermöglichen inzwischen den Zugang zur Anlageklasse bereits ab einer deutlich niedrigeren Mindestinvestitionssumme.

So sind zwar noch immer vor allem die institutionellen Investoren an den hohen PE-Anlagesummen beteiligt. Gleichzeitig nutzen aber auch die privaten Anleger die gesenkten Einstiegshürden und entdecken die Investmentform zunehmend für sich.

8. Die Marktkonzentration nimmt zu

Werben immer weniger PE-Fonds immer mehr Geld ein, verdichtet sich der Markt der Buy-out-Investitionen; quasi eine doppelte Konzentration. 2014 lag der Anteil der 20 größten PE-Fonds laut Mackewicz und Partner noch bei etwa einem Drittel des globalen Kapitalvolumens.

Zwei Jahre darauf betrug die Quote bereits 37 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich auch beim Vergleich der Statistiken des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) feststellen.

Hierbei investieren Anleger [11] bereits seit einigen Jahren mehr Geld in Buy-outs als in Venture Capital. Gleichzeitig wird jedoch nur ein Bruchteil der Unternehmen mittels dieses Übernahmemodells finanziert.

Dass es sich bei der Entwicklung um keine ausschließlich regionale handelt, zeigt der Blick auf die Preqin-Analyse. Demnach nimmt die Zahl der Venture-Capital-Deals weltweit seit einigen Jahren ab, während die Buy-out-Investitionen immer mehr Geld einwerben.

Seite fünf: Der Auswahlprozess wird komplexer [12]

9. Der Auswahlprozess wird komplexer

Einhergehend mit dem Konzentrationsprozess wird die Auswahl eines geeigneten PE-Investors komplizierter. Denn: Steigt das Interesse der Anleger an den Unternehmen, können diese umgekehrt härter mit den Partnern ins Gericht gehen.

Dabei steht neben der Branchenexpertise vor allem das Know-how der Beteiligungsunternehmen im Fokus. Um sich entsprechend zu wappnen, will die Branche künftig mehr in ihre Leistungsfähigkeit investieren.

Dies geht aus dem “Finance Midmarket Private Equity-Monitor 01/2018” hervor. Demnach rechnen über drei Fünftel der befragten Investment-Manager in den kommenden Jahren mit einer Aufstockung des Personals.

Grundsätzlich sollten Anleger dabei eines stets beachten: Je mehr Erfahrung ein Fondsmanager hat, desto größer sind die Chancen auf ein gewinnbringendes – und sichereres – Investment.

10. Private Equity dominiert Alternative Investments

Neben Hedgefonds, Private Debts und Rohstoffen [13] zählt Private Equity zu den Alternativen Investments. Preqin geht davon aus, dass die Anlageklasse diesen Markt in den kommenden Jahren dominieren wird.

Demnach ist zwar bei allen Alternativen Investments mit einer höheren Zahl der AuM zu rechnen; bei Private Equity fällt das zu erwartende Volumen jedoch am höchsten aus.

Während die prognostizierte Investitionssumme bei Private Debts 2023 bei 1,4 Billionen US-Dollar liegt, wird Private Equity bis dahin rund 4,9 Billionen US-Dollar einwerben.

Autor Alexander Binz ist Gründungspartner der Private-Equity-Boutique Circle Eleven, München.

Foto: Shutterstock

 

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