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Was bringt 2019 den Sachwertanlagen?

Die generellen politischen und wirtschaftlichen Aussichten für 2019 sind nicht eben rosig. Gerade deshalb könnten Anbieter und Vertriebe von Sachwertanlagen profitieren. Der Löwer-Kommentar

“Schon 2018 hat sich das Geschäft mit Publikums-AIFs etwas belebt.”

Besonders positiv hat das neue Jahr nicht begonnen: Anhaltender Shutdown in den USA, Apple-Absturz, miese Wirtschaftsdaten aus China, Fortsetzung der Proteste in Frankreich, Zwangsverwaltung einer Bank in Italien durch die EZB. Generelle Konjunktursorgen.

In Deutschland verkündet der Bundesfinanzminister das Ende der “fetten Jahre”. Datenklau bei Politikern und Prominenten. Offenbar rassistisch motivierte Mord-Anschläge per PKW auf Ausländer in Bottrop und Essen, die durch eine Empörungswelle wegen einiger Schläger-Flüchtlinge in Amberg schnell aus den Schlagzeilen verdrängt werden.

Letzteres belegt auch die weiterhin aufgeheizte Stimmung im Land. Welche (Propaganda-)Mechanismen dahinter stecken, dass der Vorfall in Amberg, der sich bereits am 29. Dezember zugetragen hatte, erst Tage später nach den weitaus schwerwiegenderen Taten in NRW hochgekocht ist und diese dann überlagerte, wäre sicherlich eine vertiefte Untersuchung wert, gehört aber nicht hierher.

Vorgeschmack auf 2019

Das alles gibt jedenfalls einen Vorgeschmack darauf, was uns 2019 erwarten könnte. Ein geschwächter US-Präsident, der womöglich seine außenpolitischen Kapriolen noch verstärkt, um von den innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken. Sorgen vor Instabilität einzelner EU-Staaten. In der Folge internationale Turbulenzen, wackelige Finanzmärkte, nervöse Akteure.

In Europa zudem weiterhin hysterische politische Auseinandersetzungen im Vorfeld der Europawahl im Mai, in Deutschland zusätzlich vor den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen im Herbst. Inklusive Stillstand der politischen Sacharbeit, Propaganda, Fake News und einer weiteren Polarisierung der Gesellschaft.

Dazu der Brexit im März. Sollten die Briten nicht doch noch zur Vernunft kommen, sondern einen ungeordneten EU-Austritt dem (Übergangs-) Vertrag tatsächlich vorziehen, droht ein ziemliches Chaos. Auch wenn manche Szenarien sicherlich übertrieben sind, wird davon auch Kontinental-Europa nicht unberührt bleiben.

Seite 2: Was bedeutet das für Sachwertanlagen? [1]

So richtig toll sind die generellen Aussichten für 2019 also nicht, doch was bedeutet das alles für Sachwertanlagen, um die es hier ja in erster Linie geht?

Sicher erscheint: Die Zinsen bleiben zunächst niedrig. Eine baldige Erhöhung wird umso unwahrscheinlicher, je stärker die Wirtschaft humpelt. Damit bleiben mangels Alternativen auch die Preise für Sachwerte hoch. Je nach dem Ausmaß der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten wird die Nachfrage nach Sachwerten sogar noch steigen.

Schon 2018 hat sich das Geschäft mit den alternativen Investmentfonds (AIFs) etwas belebt. Insgesamt 31 neue Publikums-AIFs zählte die Redaktion im abgelaufenen Jahr in der (nicht immer ganz vollständigen) BaFin-Datenbank, in Pressemitteilungen und durch direkte Informationen seitens der Anbieter.

15 Prozent mehr Publikums-AIFs

Das ist zwar noch immer weitaus weniger als in früheren Jahren, entspricht aber immerhin einem Zuwachs von vier Fonds oder 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch vor dem Hintergrund des holprigen Starts [2]der EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II im Bankenvertrieb ab Januar 2018 ist diese Entwicklung durchaus erfreulich.

Die Anzahl der Emissionen nach dem Vermögensanlagengesetz ist 2018 gegenüber dem Vorjahr hingegen um fast 15 Prozent zurückgegangen: Von 69 auf 59 neue Prospekte im Bundesanzeiger.

Wesentlicher Grund hierfür dürften die Turbulenzen und die Verunsicherung rund um die P&R-Pleit [3]e im Frühjahr 2018 sein. Im zweiten Halbjahr legte die Zahl der Emissionen jedoch zu, vor allem die zunächst schwächelnden Bürgerwindpark-Emissionen haben noch kräftig aufgeholt. Und es bleibt dabei: Es gibt nach wie vor fast doppelt so viele Vermögensanlagen-Emissionen wie Publikums-AIFs.

Seite 3: Verhalten positive Entwicklung [4]

Cash. hat für das nächste Heft (Ausgabe 2/2019) bei Anbietern von Vermögensanlagen erste Platzierungszahlen und Einschätzungen zum Geschäftsverlauf 2018 sowie zu den Aussichten eingeholt. Sie lassen auch in diesem Segment auf eine insgesamt verhalten positive Entwicklung schließen (auch wenn bei der noch anstehenden kompletten Markterhebung allein durch den Ausfall von P&R ein Großteil des Platzierungsvolumens fehlen wird).

Doch es gibt auch Bremsklötze. Zum einen lässt Unsicherheit nicht wenige Anleger vor langfristigen Anlageentscheidungen zurückschrecken. Zum anderen wird die Objektbeschaffung für die Fondsmanager wegen der anhaltend hohen Assetpreise schwierig bleiben.

Umsetzung der MiFID II im freien Vertrieb 

Zudem steht die Umsetzung der MiFID II auch im freien Vertrieb an, also für Finanzdienstleister mit Erlaubnis nach Paragraf 34f Gewerbeordnung. Sie erfolgt hauptsächlich durch eine Neufassung der Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV), für die das Wirtschaftsministerium im November endlich einen Entwurf veröffentlicht [5] hat.

Wie die Endfassung aussehen wird und wann sie in Kraft tritt, ist noch offen. Sicher ist jedoch, dass die neue FinVermV umfassende Neuregelungen enthalten wird und wohl zunächst für einigen Sand im Vertrieb über freie Finanzdienstleister sorgen wird.

Wieviel Sand es sein wird, hängt vor allem davon ab, inwieweit noch Änderungen bezüglich der Aufzeichnungspflicht von Telefonaten mit Kunden (“Taping” [6]), den Vorschriften zum Zielmarkt [7] und einer Übergangsfrist, die bisher nicht vorgesehen ist, vorgenommen werden.

Doch trotz der Bremsklötze sind die Aussichten für Sachwertanlagen 2019 aus einem einfachen Grund insgesamt positiv: Den Anlegern bleibt schlicht kaum eine andere Wahl. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein frohes und erfolgreiches neues Jahr!

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und betreut das Cash.-Ressort Sachwertanlagen. Er beobachtet den Markt der Sachwert-Emissionen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit mehr als 25 Jahren. G.U.B. Analyse gehört wie Cash. zu der Cash.Medien AG.

Foto: Florian Sonntag