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Beipackzettel: Kein Durchblick wegen mangelndem Standard

Die bisherigen Anforderungen an Produktinformationsblätter lassen Versicherern zu viel Spielraum. Die Beipackzettel sind uneinheitlich und Kostenvergleiche oftmals unmöglich, so das Fazit einer Studie des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA).

Das Berliner ITA hat die Produktinformationsblätter der 50 größten Lebensversicherer in Deutschland analysiert und festgestellt, dass kaum eines dem anderen gleicht. Die Konsequenz: Verbraucher sind nicht in der Lage, die tatsächlichen Kosten der Verträge zu vergleichen.

Das Problem der Beipackzettel: Das vom Gesetzgeber entworfene Dokument muss zwar inhaltlich richtig, übersichtlich und verständlich sein. Was dem ITA zufolge allerdings fehlt, sind Einheitlichkeit und Standardisierung.

Das Institut präsentiert in seiner Studie einen Vorschlag für die mögliche Ausgestaltung des Produktinformationsblatts – in tabellarischer sowie in ausformulierter Form. Dabei sei es wichtig, in mehrfacher Hinsicht über die gesetzlichen Vorgaben hinauszugehen, so das ITA.

Zunächst sollten sämtliche Kostenarten erfasst werden, insbesondere die ganz wesentlichen Kapitalanlagekosten. Entscheidend sei, dass die Kosten von allen Versicherungsgesellschaften gleich ausgewiesen werden. Dabei richte sich die Darstellungsart, ob als absolute Zahl oder als Prozentwert, und der Bezugszeitraum, monatlich oder einmalig, nach der jeweiligen Kostenart. So müsse die Angabe der Abschluss- und laufenden Kosten zum Beispiel stets als eindeutiger Eurobetrag erfolgen, fordert das ITA.

Seite 2: Mit Tricksereien an die Spitze der Tarifvergleiche [1]

Zudem solle das Produktinformationsblatt zusätzlich zu den vollständigen Kostenangaben eine Gesamtkostenkennzahl – vergleichbar dem Effektzins bei Verbraucherkrediten – und eine Effektivrendite ausweisen, die den übergreifenden Renditevergleich verschiedener Produkte unter Berücksichtigung sämtlicher Kosten erlauben.

„Neben der Vorgabe eines Kosteninformationsblatts sollten keine weiteren Darstellungen nicht garantierter Leistungen zugelassen werden. Insbesondere unternehmensindividuelle Modelle führen bis heute zu erheblichen Fehlanreizen, weil die illustrierten Ablaufleistungen nicht sämtliche Kosten berücksichtigen”, argumentiert Mark Ortmann, Geschäftsführer des ITA.

Es würden sogar gezielt hohe Kapitalanlagegebühren erhoben, die dem Kunden nur deshalb teilweise zurückerstattet werden, damit die im Angebot dargestellte Ablaufleistung hoch erscheine, so Ortmanns Kritik weiter.

“Auf diese Weise gelangen Produkte auf die vorderen Plätze in Vergleichsprogrammen. Allerdings kann man davon ausgehen, dass die erwarteten Ablaufwerte in Wirklichkeit wohl nie erreicht werden, weil die hohen und nicht in der illustrierten Ablaufleistung berücksichtigten Gebühren die Erwartungen wie Seifenblasen platzen lassen werden”, schimpft der ITA-Geschäftsführer. (hb)

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