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DR/Bâloise/Signal Iduna: Bafin-Entscheidung noch diese Woche?

In der festgefahrenen Auseinandersetzung um die Zukunft des Versicherers Deutscher Ring (DR) geht es offenbar einen Schritt voran. Laut einem Bericht des „Handelsblatt“ soll die Finanzaufsicht Bafin noch in dieser Woche eine Entscheidung im Konflikt um den Hamburger Versicherer fällen.

Die Aufseher ermitteln derzeit, ob der Status quo in Sachen Vertriebs- und Verwaltungsstruktur beim Deutschen Ring wettbewerbsrechtlich zulässig ist.

Die Bâloise-Versicherung, Konzernmutter der Ring-Sparten Sach und Leben, stört sich daran, dass der Ring-Krankenversicherungsverein seit dem Zusammenschluss mit der Dortmunder Signal Iduna mit einem direkten Wettbewerber kooperiert. Die Bafin wiederum befürchtet, dass der Machtkampf zwischen den Versicherern zulasten der Kunden geht [1] und sieht die “Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung” in den verflochtenen Gesellschaften bedroht.

Signal Iduna behält sich “etwaige Rechtsmittel” vor

Das Hauptproblem: Fast 1.000 Ring-Mitarbeiter haben doppelte Arbeitsverträge [2] und sind damit sowohl für Bâloise/Ring Sach und Leben als auch für Deutscher Ring Kranken/Signal Iduna tätig. Zudem überschneidet sich durch die jahrelang gewachsenen Strukturen der Verwaltungs- und Vertriebsapparat. An der Frage, ob eine Entflechtung überhaupt möglich ist, scheiden sich die Streitparteien [3].

Auf Nachfrage von cash-online bei Signal Iduna sagte ein Unternehmenssprecher, dass es bislang noch keine Bafin-Entscheidung gebe und auch kein Bescheid vorliege. Man werde sich allerdings für den Fall der Fälle etwaige Rechtsmittel vorbehalten.

Man nehme zur Kenntnis, dass die Bâloise eine lang andauernde und mit hohen Kosten verbundene Lösung anstrebe, sagte der Sprecher weiter. Die Signal Iduna ihrerseits verfolge eine Entflechtung auf Eigentümerebene – das bedeutet im Klartext eine Übernahme der zur Ring-Gruppe gehörenden Bâloise-Töchter.

Bâloise präsentiert Entflechtungsplan und will wieder verhandeln

Inzwischen haben auch die Schweizer sich zu Wort gemeldet und laut eigenen Angaben einen “konkreten Entflechtungsplan” vorgelegt, der den Betriebsräten, den Mitgliedern des Sprecherausschusses, den Führungskräften, und den Mitarbeitern erläutert wurde. Vorgesehen sei eine geordnete Trennung der Ring-Gesellschaften und zwar in jeglicher Hinsicht – bezogen auf das Personal, die Sachmittel, die Räumlichkeiten, die IT und die Arbeitsabläufe.

Martin Strobel, der Vorsitzende der Konzernleitung der Bâloise: „Im Interesse der Mitarbeiter und Kunden erwarten wir von der Signal Iduna, dass sie nun mit uns an einer raschen und geordneten Entflechtung arbeitet. Als Reaktion auf die Behördenschreiben haben wir der Signal Iduna angeboten, die Verhandlungen sofort wieder aufzunehmen.“

Nach dem Plan der Bâloise soll jeder Mitarbeiter des Deutschen Ring nur noch einen Arbeitgeber haben – entweder Ring Leben oder Ring Kranken.

Hintergrund: Die Kontrahenten Bâloise und Signal Iduna liefern sich seit Monaten eine Auseinandersetzung [4]. Erst im Dezember waren die Gemüter wieder hochgekocht, nachdem Signal Iduna angeblich ihre Anteile am Kölner Finanzdienstleister OVB erhöht [5] hat. Ein Kommentar zu diesem Vorgang wurde damals seitens des Versicherers abgelehnt. (hb/ks)

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