- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Swiss Life: “Bei Variable Annuities ist Transparenz gefragt”

Der Schweizer Versicherer Swiss Life setzt trotz Anlaufschwierigkeiten der Produktklasse weiterhin auf Variable Annuities. Gert Wagner, Chef des Produktmanagements, erklärt im Cash.-Interview, welches Potenzial die Garantierenten haben.

Gert Wagner, Swiss Life

Cash.: Sehen Sie nach den in der Vergangenheit kontroversen Diskussionen über die Einführung von Variable Annuities heute die Zeit für eine breitere Marktdurchdringung gekommen? Was tun Sie, um das Produkt zu entmystifizieren?

Wagner: Bereits bei der Einführung unserer Variable-Annuties-Produkte Swiss Life Champion und Swiss Life Exclusive Invest DWS lag der Schwerpunkt unserer Aktivitäten auf der ausführlichen Information unserer Vermittler. Durch weitere Workshops mit unseren Vertriebspartnern versuchen wir, die Wirkungsweise verschiedener am Markt vorhandener Garantiearten transparent zu machen. Wir zeigen, wie die Modelle funktionieren, welche Vor- und Nachteile sie haben und gehen natürlich besonders auf den Nutzen der Produktkategorie ein.

Cash.: Bislang sind nur wenige Anbieter und diese notwendigerweise von außerhalb Deutschlands auf diesem Feld aktiv. Sehen Sie dies als Vor- oder Nachteil?

Wagner: Das kann man so pauschal nicht sagen. Durch den Umstand, dass nur wenige Anbieter aktiv sind, nehmen wir durchaus die Rolle eines Vorreiters auf dem deutschen Markt ein, wodurch wir einen gewissen Innovationsbonus genießen. Andererseits wäre es der Marktakzeptanz dieser Produktgattung sicherlich förderlich, wenn noch andere Anbieter hier aktiv werden würden.

Cash.: Welchen Anteil am Neugeschäft wollen Sie bei mit der Champion-Produktlinie in den nächsten Jahren erreichen?

Wagner: Bis 2012 sollen bei uns fondsgebundene Produkte mit oder ohne Garantien zusammen mit Risikoprodukten einen Neugeschäftsanteil von 74 Prozent ausmachen. Dieser liegt heute bei rund 66 Prozent. Etwa 20 Prozent sollen dabei auf die Champion-Produkte entfallen.

Cash.: Wie schätzen Sie den aktuellen Stand der Diskussion bezüglich einer Genehmigung von VA-Produkten in Deutschland ein, nachdem eine solche Ende 2008 ja in letzter Sekunde gescheitert war?

Wagner: Die Diskussion hat in den entsprechenden Kreisen nach unserer Beobachtung wieder Fahrt aufgenommen. Zwar liegen die Prioritäten für Politik und Aufsicht aktuell sicher bei anderen Themen, dennoch sind wir vorsichtig optimis­tisch, dass im Zuge der Solvency-II-Umsetzung diese Produktgattung auch in Deutschland zugelassen wird.

Seite 2: Welche Vorteile haben VA gegenüber anderen Garantieprodukten? [1]

Cash.: Mit welchen Produktfeatures wollen Sie sich von den Mitbewerbern absetzen?

Wagner: Dieses Thema ist heute im Wettbewerb wichtiger denn je und entsprechend engagieren wir uns. Die Produktgattung VA bietet aber mittelfristig sehr viel neue Gestaltungsmöglichkeiten im Produktdesign. Durch die Flexibilität der Garantien und die Möglichkeiten intelligenter Kombinationen unterschiedlicher Garantien ergeben sich Gestaltungsansätze und Produktfeatures, die man aus der bisherigen Produktwelt nicht kennt.

Cash.: Welche sind das und wo sehen Sie die Vorteile der VA-Produkte gegenüber anderen Garantieprodukten?

Wagner: Da gibt es mehrere: Zum einen lässt sich der Garantieumfang umfangreicher und teilweise auch höher als bei klassischen Produkten gestalten. Hinzu kommt, dass sich – im Gegensatz zu anderen Produktgattungen – diese hohen Garantien und eine chancenreiche Kapitalanlage nicht gegenseitig ausschließen. Und wichtig ist auch die sehr hohe Kostentransparenz der Garantien. Kunde und Vermittler können die Kosten auf den Cent genau nachvollziehen und aktiv entscheiden, wie viel ihnen Garantien wert sind. Hier liegt gegenüber anderen Konzepten mit Garantiefonds und dynamischen Hybriden ein entscheidender Vorteil, da dort die Kosten der Garantie nicht ersichtlich sind – das ist per se zwar nicht verwerflich, aber für Kunden und Vermittler völlig intransparent.

Cash.: Welche Vertriebsschienen sprechen Sie mit den Produktlinien an?

Wagner: Grundsätzlich steht unseren Vertriebswegen unsere gesamte Produktpalette in gleicher Weise zur Verfügung. Bei den Vorsorgeprodukten mit wählbaren Garantien – so bezeichnen wir bei uns im Hause die VAs –  liegt der Vertriebsschwerpunkt im Moment ganz eindeutig bei den Maklern und Mehrfachagenten sowie bei den Allfinanzvertrieben.

Cash.: Warum gibt es im VA-Bereich noch kaum aussagekräftige Ratings?

Wagner: Dafür gibt es meines Erachtens zwei Hauptgründe: Erstens ist diese Produktgattung relativ jung, dementsprechend agieren am Markt noch recht wenig Anbieter. Und zweitens unterscheiden sich die Produkte dieser Anbieter zum Teil in ihrer Ausgestaltung sehr stark, was einen Vergleich natürlich erschwert. Ich bin mir aber sicher, dass die namhaften Rating-Häuser bereits ganz intensiv an diesem Thema arbeiten.

Interview: Thomas Eilrich