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bAV: Mittelständler sehen erhöhtes Potenzial

Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland setzen wieder stärker auf die betriebliche Altersversorgung (bAV). Eine Umfrage hat ergeben, dass gut ein Drittel (34 Prozent) der Personalverantwortlichen den Anteil der bAV erhöhen wollen – im vergangenen Jahr waren es nur fünf Prozent.

Die Studie, die der britische Lebensversicherer Standard Life und die Fachzeitschrift “Personalmagazin” bereits zum dritten Mal durchgeführt haben, zeigt auch, was die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl von bAV-Produkten und -Anbietern sind.

Priorität haben für die 250 befragten Personalentscheider demnach Transparenz (81 Prozent) und Verständlichkeit (86 Prozent).

Vertraut man den Umfrageergebnissen, so ist die Betriebsrente gegenüber dem Vorjahr wieder etwas im Kommen: 33,7 Prozent der Befragten sehen „mittlere“ bis „sehr gute Chancen“, den Durchdringungsgrad der bAV in ihren Unternehmen zu erhöhen und mehr Mitarbeiter dafür zu gewinnen. 2010 waren es nur fünf Prozent.

Auch in Firmen, die bisher keine bAV anbieten, ist der Anteil der Befragten, die die Einführung der bAV mittelfristig in Betracht ziehen, von 13,9 auf 34,6 Prozent geklettert.

Seite 2: Welche Angebotsformen sind gefragt? [1]

Die nach wie vor am weitesten verbreiteten Formen der bAV sind die Direktversicherung (74,4 Prozent der Unternehmen mit bAV bieten sie an) und die Pensionskasse (64,8 Prozent). Ihre Anteile sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert geblieben.

Betram Valentin

Doch die anderen Varianten haben deutlich zugelegt: Mit einem Anteil von 18,6 Prozent hat besonders die Unterstützungskasse an Bedeutung gewonnen (2010: 5,5 Prozent). Auch die Direktzusage mit 10,1 Prozent (2010: 2,5 Prozent) und der Pensionsfonds mit sieben Prozent (2010: vier Prozent) haben ihren Anteil am bAV-Mix ausgebaut.

„Dass die Unternehmen inzwischen vermehrt auch andere Varianten anbieten, ist ein deutliches Indiz dafür, dass sich die bAV im Mittelstand weiter etabliert hat“, sagt Standard-Life-Geschäftsführer Bertram Valentin.

Die Transparenz der angebotenen Lösungen ist mit 80,9 Prozent – gleichauf mit der Sicherheit bei Insolvenz – das wichtigste Merkmal bei der Auswahl eines bAV-Produktes. Es folgen lebenslange Rentenzahlungen (75,4 Prozent) sowie die Flexibilität der Produkte (68,9 Prozent).

Passend dazu die entscheidenden Kriterien bei der Anbieterauswahl: Mit 86,4 Prozent sind verständliche Vertragsbedingungen der wichtigste Punkt vor der Seriosität (86 Prozent), der kompetenten Beratung (85 Prozent) und dem guten Kundenservice (81 Prozent).

Seite 3: Wie verteilt sich der bAV-Vertriebskuchen? [2]

Unter den bevorzugten Anlaufstellen für bAV-Beratung haben Produktanbieter unabhängigen Finanzberatern und Versicherungsmaklern erstmals den Rang abgelaufen. Während Erstere ihren Marktanteil von 40,3 auf 46,2 Prozent ausbauen konnten, büßten Letztere von 57,2 auf 37,2 Prozent deutlich ein.

Dagegen hat sich ein anderer Trend fortgesetzt: Weder die Hausbank noch der Steuerberater spielen bei der bAV im Mittelstand noch eine große Rolle – nur noch 7,5 Prozent (2010: 16,4 Prozent) der Befragten ziehen demnach Banken und nur noch sechs Prozent den Steuerberater (2010: 11,9 Prozent) als bAV-Berater in Betracht.

„Die Studienergebnisse bestätigen uns darin, dass die Nachfrage der Arbeitnehmer und Unternehmen an der Betriebsrente wieder steigen wird”, sagt Valentin.

„Gerade Arbeitnehmern scheint immer bewusster zu werden, dass sie mit der bAV nicht nur sehr einfach und mit geringem finanziellen Aufwand Geld für ihre Altersvorsorge ansparen, sondern sich auch auf die Sicherheit ihrer Anlage verlassen können”, so der Standard-Life-Deutschlandchef. (hb)

Fotos: Shutterstock; Standard Life