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Studie: Betriebsrente ächzt unter Niedrigzins

Die anhaltende Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten macht der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) zu schaffen: Eine Studie der Unternehmensberatung Towers Watson ergab, dass der Ausfinanzierungsgrad der Pensionspläne von DAX-Unternehmen im ersten Halbjahr 2012 um 3,6 Prozentpunkte gesunken ist.

Bei MDAX-Unternehmen ist der Ausfinanzierungsgrad um 2,4 Prozentpunkte zurückgegangen, ergab die Hochrechnung „German Pension Finance Watch“ (siehe Grafik). Die Studie analysiert seit 2003 die aktuellen Entwicklungen der Pensionsverpflichtungen sowie die Erträge der hierfür reservierten Kapitalanlagen anhand von Musterplänen für DAX und MDAX.

Aktuell beträgt der Ausfinanzierungsgrad der DAX-Pensionspläne 62 Prozent; im MDAX sind es 47 Prozent (Ende 2011: 66 beziehungsweise 49 Prozent). Die Berater führen den Rückgang vor allem auf den Rechnungszins zurück, der seit Jahresende 2011 um 66 Basispunkte auf 4,09 Prozent nachgab. Die Folge: Die Pensionsverpflichtungen werden mit einem höheren Wert in den Bilanzen angesetzt. Diese stiegen bei den DAX-Unternehmen zuletzt auf 281 Milliarden Euro an (Ende 2011: 259 Milliarden Euro) – im MDAX stehen demnach 37 Milliarden Euro zu Buche (Ende 2011: 34 Milliarden Euro).

Der Verpflichtungsanstieg konnte auch durch die guten Anlageerträge auf die pensionsspezifischen Vermögenswerte (mehr als vier Prozent) nicht kompensiert werden, meinen die Studienmacher. Insgesamt stehen den Pensionsverpflichtungen hierfür reservierte Vermögenswerte in Höhe von 174 Milliarden Euro (DAX) beziehungsweise 17 Milliarden Euro (MDAX) gegenüber.

Aus Expertenkreisen heißt es, dass den Unternehmen somit Zuzahlungen in Milliardenhöhe drohen. Dr. Thomas Jasper, Leiter des Beratungsbereichs „betriebliche Altersversorgung“ bei Towers Watson, sieht es optimistischer: „Man sollte nicht übersehen, dass die bAV einen sehr langfristigen Anlagehorizont hat. Von der Erteilung einer Pensionszusage bis zur Auszahlung der ersten Rente können Jahrzehnte vergehen. Somit besteht für Unternehmen und ihre Mitarbeiter die Chance, Ertragsschwankungen in ihren Pensionsvermögen langfristig auszugleichen.“

In der langfristigen Betrachtung zeige sich, dass der Ausfinanzierungsgrad immer wieder um einige Prozentpunkte schwanke, so Jasper. Jedoch sei der Ausfinanzierungsgrad der DAX-Pensionspläne in der zurückliegenden Dekade von rund 54 Prozent (2000) auf rund 66 Prozent (2011) insgesamt deutlich gestiegen, ergänzt der bAV-Experte.

Die betriebliche Altersversorgung in Deutschland könne als vergleichsweise robust und krisenfest angesehen werden, sagt Jasper. Dies zeige sowohl der Vergleich zu privaten Formen der Vorsorge und Vermögensbildung als auch im Vergleich zu Pensionssystemen in anderen Ländern. (lk)

Tabelle: Towers Watson

Foto: Shutterstock