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15. März 2013, 09:30
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“Geringe Flexibilität ist eine Hürde”

Klaus Morgenstern, Mitglied des Sprecherkollegiums des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), analysiert für Cash. die Situation und das Vertriebspotenzial der Basisrente, die nach dem Ökonomen Bert Rürup auch als Rürup-Rente bezeichnet wird.

Klaus Morgenstern, DIA

Klaus Morgenstern, DIA: “Die größere Transparenz ist ohne Zweifel ein deutlicher Fortschritt.”

Cash.: “Zu teuer, zu kompliziert, zu unflexibel” –die Vorwürfe an die Riester-Rente treffen auch die Basisrente. Wie fällt Ihre kritische Analyse aus?

Morgenstern: Die Gleichstellung der Basisrente mit der gesetzlichen Rente hat zu einer äußerst geringen Flexibilität dieser Altersvorsorge geführt. Gerade Selbstständige, für die Basisrenten ja vornehmlich konzipiert wurden, haben eine zum Teil sehr wechselvolle Erwerbsbiografie vor sich. Unter diesen Umständen ist mangelnde Flexibilität ein erheblicher Bremsfaktor für die Verbreitung der Basisrente. Die Einschränkungen, wie zwingende Verrentung, Verbot einer Beleihung oder vorherigen Auszahlung, werden mit der Einordnung in die erste Altersvorsorgeschicht begründet. Das ist theoretisch sicherlich als systemkonform zu begründen, aus der Sicht praktischer Altersvorsorge dennoch eine erhebliche Hürde. Außerdem werden mit der Basisrente nicht die vielen Solo-Selbstständigen mit sehr geringen Einkommen erfasst. Für diese Gruppe wäre es günstiger gewesen, man hätte den Anspruchskreis der Riester-Rente größer gezogen.

Der Gesetzgeber möchte sowohl Riester- als auch Basisrente über das Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz kundenfreundlicher gestalten. Wie bewerten Sie die Initiative speziell im Hinblick auf die Basisrente?

Für die Basisrente gilt wie auch für die Riester-Rente: Die größere Transparenz, die mit dem Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz erreicht wird, ist ohne Zweifel ein deutlicher Fortschritt. Wobei mit Blick auf die Basisrente zu bedauern ist, dass nach dem jüngsten Stand der Beratungen im Finanzausschuss des Bundestags Chance-Risiko-Profile wahrscheinlich doch nicht verpflichtend werden sollen.

Warum bedauern Sie das?

Da die Basisrente anders als die Riester-Rente keine Beitragsgarantie enthält, wäre es gerade für den Vergleich von verschiedenen Basisrenten hilfreich, wenn man die Chancen der Produkte besser abschätzen könnte. Allerdings sind uns auch die Bedenken einiger Experten bekannt, die befürchten, dass die Kopplung von zwei Prozentzahlen in den Chance-Risiko-Profilen zu Verständnisproblemen bei den Altersvorsorgesparern führen können. Das DIA vertritt aber dennoch die Auffassung, dass diese Profile eine Verbesserung der Transparenz und Entscheidungsgrundlage für die Sparer bringen können.

Welche Bedeutung wird der Basisrente in der Altersvorsorge künftig zukommen? Kann sie nochmal “durchstarten”?

Die weitere Entwicklung der Basisrente wird wesentlich mit davon abhängen, ob eine Vorsorgepflicht für Selbstständige eingeführt wird. Dieses Vorhaben war für die laufende Legislatur geplant, ist aber mittlerweile ins Stocken geraten. Sollte es zu solch einer Pflicht kommen, ist damit zu rechnen, dass die Basisrenten noch einmal einen Schub erhalten, weil viele dafür dann wohl die Basisrente nutzen werden.

Wird die ansteigende nachgelagerte Besteuerung den Absatz hemmen?

Wir glauben nicht, dass dieser Aspekt große Auswirkung auf den Absatz hat. Da wirken andere, bereits erwähnte Faktoren stärker hemmend. Der Vertrieb wird allerdings keine “Steuersparmodelle” mehr vorrechnen können, bei denen die Abzugsfähigkeit der Beiträge unter dem Strich mehr wiegt als die spätere Besteuerung in der Rentenphase, was vor allem bei rentennahen Jahrgängen funktioniert hat. Bei jüngeren Selbstständigen ist die ansteigende nachgelagerte Besteuerung ohnehin kein wesentlicher Faktor gewesen, da sie schon immer eine hohe oder gar volle Besteuerung einkalkulieren mussten. Der Steuerstundungseffekt bleibt aber nach wie vor erhalten.

 

Interview: Lorenz Klein

Foto: DIA

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