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BVK-Studie: Regulierung gefährdet die Vorsorge

Fast die Hälfte der Versicherungsvermittler werden infolge anstehender Regulierungen den Markt verlassen, so eine für den Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) erstellte Studie. Der Verband warnt daher vor einer drohenden Unterversorgung der Haushalte mit Vorsorgeprodukten.

Der BVK warnt vor den Folgen der anstehenden Regulierungen.

Die Pläne für eine neue Vermittlerrichtlinie [1] (IMD 2) der Europäischen Kommission, aber auch Vorhaben der deutschen Politik, wie eine Förderung der sogenannten Honorarberatung und Beschneidung des Provisionsvertriebs, gefährden die Existenz der selbständigen Versicherungsvermittler, so der Verband.

“Die zum Teil ideologisch geführte Diskussion über Provisionsvergütungen der Versicherungsvermittler und die Priorisierung der Honorarberatung durch Teile der Politik und Verbraucherschützer hat den BVK veranlasst, eine wissenschaftliche Studie bei den renommierten Branchenkennern und Wissenschaftlern Prof. Dr. Matthias Beenken und Prof. Dr. Michael Radtke von der Fachhochschule Dortmund in Auftrag zu geben”, erläutert  BVK-Präsident Michael H. Heinz.

Studie verneint Marktversagen

In der Studie “Betriebswirtschaftliche Konsequenzen eines Systemwechsels in der Vergütung von Versicherungsvermittlern” stellen die Professoren fest, dass es trotz einzelner Fehlentwicklungen im Versicherungsvertrieb [2] kein generelles Marktversagen gibt. Ihrer Ansicht nach wird  in der gegenwärtigen Diskussion zu sehr auf Basis der “Anreiz-Beitrags-Theorie” argumentiert.

Danach erscheine es plausibel, dass sich ein Vermittler ausschließlich nach den Interessen des Versicherers ausrichtet, weil der ihm Vergütungen und andere Anreize verspricht. Auf verhaltensökonomischer Basis könne dagegen belegt werden, dass Vermittler auch den langfristigen Nutzen ihres Kunden berücksichtigen, um ihr Geschäft nachhaltig betreiben zu können und ihren guten Ruf nicht zu gefährden, so die Studienautoren.

Vertrieb leidet unter der Geldpolitik

Die Studie bewertet die verschiedenen politischen Vorschläge zur Regulierung des Vertriebs wie eine Offenlegung der Provisionen, eine Förderung der Honorarberatung gegen eine vom Kunden zu zahlende Gebühr sowie Maßnahmen, die den Vertrieb von Produkten mit einkalkulierter Provision unattraktiv erscheinen lassen.

Dazu werden drei Szenarien gebildet. Im Basisszenario treten schon allein wegen des nachteiligen makroökonomischen Umfelds für die Vorsorge über Versicherungen – Stichwort Niedrigzinsen durch die Geld- und Haushaltspolitik der Europäischen Union – Rückgänge der erwarteten künftigen Abschlusserfolge auf. In den beiden weiteren Szenarien werden unterschiedlich weitgehende Regulierungen unterstellt.

 

Seite zwei: 45 Prozent der Vermittler verlassen den Markt [3]

Über einen Zeitraum von drei Jahren sagen die Studienautoren voraus, dass von den heute 89.000 hauptberuflich tätigen Vertreter- und Maklerbetrieben zwischen 30 und 45 Prozent aus dem Markt ausscheiden werden. Besonders betroffen seien Existenzgründer, während ältere Vermittler demnach zunächst durch Personalentlassungen und andere Kostensenkungsmaßnahmen versuchen würden, Provisionsausfälle zu kompensieren, ehe auch sie bei Unterschreiten eines Mindestgewinns aus der selbständigen Tätigkeit ausscheiden.

Quelle: BVK

Wenn jedoch Versicherungsvermittler fehlen, werde auch die Vorsorge der Haushalte stagnieren oder sinken, so eine weitere Prognose der Studie. Exemplarisch zeigt die Untersuchung an der privaten Rentenversicherung und der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, dass selbst in einem relativ kurzen Zeitraum mit erheblichen Rückgängen zu rechnen ist.

So könnte demnach in vier Jahren die Ausstattung mit Rentenversicherungen um fast vier Prozentpunkte unter derjenigen liegen, die mit der derzeitigen Vermittlungsleistung hochgerechnet zu erreichen sei. In der Berufsunfähigkeitsversicherung werde der ohnehin schon geringe Ausstattungsgrad von 25,1 Prozent der Haushalte um 1,6 Prozent sinken, bei unveränderter Vermittlungsleistung würde der Ausstattungsgrad demnach bei um 1,1 Prozent steigen.

Quelle: BVK

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass der Gesetzgeber geplanten Einschnitten in der wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeit von Vermittlern durch adäquate Fördermaßnahmen begegnen muss. Diese seien notwendig, damit die Bevölkerung auch trotz der Niedrigzinssituation weiterhin freiwillig Vorsorge betreibt. Anderenfalls droht demnach vermehrte Hilfsbedürftigkeit im Alter oder bei vorzeitigem Verlust des Arbeitseinkommens, die durch die Sozialleistungsträger auszugleichen sind.

BVK fordert Unterstützung von Politik und Versicherern

“Ohne Vermittler wird die Politik nicht die von ihr selbst gesteckten Ziele einer Verbesserung der privaten Vorsorge erreichen, denn wir sind es, die mit hoher Fachkompetenz unsere Mitbürger von der Notwendigkeit des Konsumverzichts für eine privat finanzierte Altersvorsorge überzeugen”, sagt BVK-Präsident Heinz.

“Als tragender Pfeiler unseres Sozialstaates erfüllen wir eine unverzichtbare sozial- und gesellschaftspolitische Aufgabe. Wir erwarten, dass die Politik diesem Umstand angemessen Rechnung trägt mit Rahmenbedingungen, die uns als mittelständischen Unternehmen mit unseren Angestellten den nötigen Freiraum geben”, so Heinz weiter. Von den Versicherungsunternehmen erwarte der Verband attraktive an den Verbraucherbedürfnissen ausgerichtete Produkte sowie eine angemessene Vergütung. (jb)

Foto: Shutterstock