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Versicherungswirtschaft: Kulturwandel erforderlich

Die Versicherungsbranche [1] braucht einen Kulturwandel. Initiativen wie “Frauen in Führung” des Arbeitgeberverbands der Versicherungswirtschaft sollen neue Impulse geben und die Branche für zukünftige Herausforderungen fit machen.

Gastbeitrag von Josef Beutelmann, Barmenia Versicherungen

“Um die Aktualität der Fach- und Beratungskompetenz der Vermittler dauerhaft zu gewährleisten, ist die ständige Weiterbildung ein wünschenswerter Bestandteil dieses Berufsbildes.”

Den Wandel in der Versicherungswirtschaft begleiten nach wie vor die Verbände der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Aufgabe des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sowie des PKV-Verband [2]es ist dabei in erster Linie die Interessenvertretung der Versicherungsunternehmen gegenüber politischen und gesellschaftlichen Institutionen sowie den Verbrauchern gegenüber.

Mit der Fachkompetenz und den Ideen aus den Unternehmen berät der Verband heute wie in der Vergangenheit die Politik. Zahlreiche Gremien diskutieren aktuelle Probleme, sind in verschiedene Themen involviert und wahren den Blick für das “große Ganze”.

Mehr Frauen in Führungspositionen [3]

Der Arbeitgeberverband der Versicherungswirtschaft beschäftigt sich mit neben Tarifverhandlungen, der Aus- und Weiterbildung in der Branche auch intensiv mit dem Thema “Frauen in Führung”. Ein kürzlich ins Leben gerufener Beirat berät und begleitet die Unternehmen bei der Umsetzung, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Die Resonanz der Branche ist enorm.

Denn auch in der Versicherungswirtschaft muss hinsichtlich der Frauenquote in Führungspositionen langfristig ein Umdenken und damit ein Kulturwandel stattfinden. Das Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) konzentriert sich auf die Aufgaben eines Verbands, wie die Interessenvertretung, Qualitätssicherung, Öffentlichkeitsarbeit und Konzeptentwicklung rund um die Aus- und Weiterbildung.

Die Deutsche Versicherungsakademie (DVA) als eigenständige GmbH legt die Schwerpunkte der Tätigkeit auf Weiterbildungsangebote, Veranstaltungen sowie Tagungen und Kongresse. Die DVA bietet eine breite Palette an unterschiedlichen Weiterbildungslösungen an.

Neue Beratungsinitiative am Start

Auch ohne staatliche Regulierung entwickelt die Versicherungswirtschaft in ihren Gremien Initiativen und neue Konzepte. Ganz prominent startet das BWV mit der Initiative “Gut beraten”, die Anfang 2014 “scharfgeschaltet” wird. Was verbirgt sich dahinter?

Der Vertrieb ist das Herz und der Motor eines Unternehmens. Die Anforderungen an die Vermittler steigen durch anspruchsvollere und gut informierte Kunden, Veränderungen des Marktes, das regulatorische Umfeld permanent.

Um die Aktualität der Fach- und Beratungskompetenz der Vermittler dauerhaft zu gewährleisten, ist die ständige Weiterbildung ein wünschenswerter Bestandteil dieses Berufsbildes.

Versicherungsvermittler erfüllen eine wichtige und verantwortungsvolle sozialpolitische Aufgabe; hierbei stehen die Vorsorge ihrer Kunden und die finanzielle Sicherheit im Schadensfall im Vordergrund.

Professionalisierung des Berufsstands Versicherungsvermittler

Ziel dieser freiwilligen Initiative der Verbände der Versicherungswirtschaft ist die weitere Professionalisierung des Berufsstands der Versicherungsvermittler. Das anspruchsvolle Berufsbild des Versicherungsvermittlers im Sinne dieser Initiative umfasst alle diejenigen, die Kunden beraten, Versicherungsschutz vermitteln und Kunden betreuen.

Seite zwei: Sozialschutzfunktion gegenüber dem Kunden [4]

Offizieller Start dieser Initiative ist der 1. Januar 2014; ab diesem Termin können Weiterbildungskonten für Versicherungsvermittler eröffnet und Weiterbildungspunkte auf diesen Konten gesammelt werden.

Das Ziel der Initiative: Jeder Vermittler sammelt innerhalb von fünf Jahren 200 Weiterbildungspunkte, im Schnitt also 40 pro Jahr. Dabei bringt eine Lerneinheit von 45 Minuten einen Punkt ein. Relevant sind nur solche Seminare und Veranstaltungen, die konkret auf Erhalt oder Weiterentwicklung der Fach- und Beratungskompetenz der Versicherungsvermittler ausgerichtet sind.

Sozialschutzfunktion gegenüber dem Kunden

Das Echo auf die Weiterbildungsinitiative ist so groß, dass nun bereits ab Anfang September mit dem Sammeln von Punkten begonnen werden kann. Damit ermöglichen die Träger der Initiative allen Bildungsdienstleistern, in einem Übergangssystem bis Ende Dezember 2013 Weiterbildungspunkte zwischenzulagern, mit dem Ziel, diese offiziell ab Januar bis Ende 2014 auf den Weiterbildungskonten nachzubuchen.

Diese Brancheninitiative soll auch die Transparenz und Glaubwürdigkeit des Berufsbildes in der Öffentlichkeit erhöhen und manifestieren, um die besondere Sozialschutzfunktion und Verantwortung gegenüber dem Kunden herauszustellen. Die Teilnahme erfolgt auf freiwilliger Basis.

Die Trägerverbände erhoffen sich, dass ihre jeweiligen Mitglieder den Nutzen erkennen, der für alle Beteiligten der Versicherungsvermittlung, an vorderster Stelle jedoch für den Kunden, aus dieser Initiative erwächst.

Wichtigste Trends für die Zukunft

Die drei wichtigsten Trends für die Zukunft sieht die deutsche Versicherungswirtschaft in der Zunahme des europäischen und nationalen Einflusses auf das Versicherungsgeschäft, unter anderem in der Gesetzgebung.

Beispielhaft sei hier die Revision der Vermittlerrichtlinie [5] IMD 2 [6] genannt, die Entwicklungen in der Gesundheitspolitik, der Umgang mit dem Zinsniveau, insbesondere für die Lebens- und Krankenversicherungsunternehmen und Solvency II als das derzeit wichtigste Projekt im Bereich der Versicherungsaufsicht auf EU-Ebene.

Ziel der Solvency-II-Richtlinie ist es vor allem, die Solvabilitätsvorschriften für die Eigenmittelausstattung von Versicherungsunternehmen risikoadäquat zu gestalten. Daraus resultierend wird es weiteren Optimierungsbedarf geben für die Kapitalanlagen- und Risikopolitik sowie für Prozessoptimierungen.

Nicht zuletzt werden die Branche in den nächsten Jahren die Megatrends Nachhaltigkeit und Demografie begleiten. Knappe Ressourcen und eine alternde Gesellschaft werden die zentralen Herausforderungen der Zukunft, und das nicht nur für die Versicherungswirtschaft.

Autor Josef Beutelmann ist Aufsichtsratsvorsitzender der Barmenia Versicherungen.

Foto: Shutterstock / Barmenia