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BU: Quo vadis im Bedingungs- und Tarifdschungel

Verweisbarkeit, befristetes Anerkenntnis, Assistance-Leistungen, Auszubildenden-Absicherung, Infektionsklausel – die Bedingungsvielfalt in der BU-Versicherung ist kaum noch überblickbar: Was ist die richtige Wahl?

Gastbeitrag von Dr. Christian Kirsch, Zurich Leben

Absicherung [1]

Als Versicherungsmakler schuldet man dem Versicherungsnehmer die Auswahl und Aufrechterhaltung des bestmöglichen Versicherungsschutzes (“best advice”).

Die unterschiedlichen Angebote der immer noch fast hundert Lebensversicherer sind für den Laien kaum noch miteinander vergleichbar und auch als Fachmann tut man sich schwer, den rechten Überblick zu behalten.

Deregulierung des Marktes als Beginn einer neuen Zeitrechnung

Mit der Deregulierung der deutschen Versicherung im Jahr 1994 hat im Bereich der Berufsunfähigkeitsabsicherung [2] ein intensiver Wettbewerb um die Ausgestaltung des Versicherungsschutzes eingesetzt. Die Berufsunfähigkeits- und Erwerbsunfähigkeitsabsicherungen [3], die durch im Markt verwendete Musterbedingungen kaum entscheidende Unterschiede aufwiesen, haben sich seither erheblich gewandelt.

Best-advice-Verpflichtung

Als Versicherungsmakler [4] schuldet man dem Versicherungsnehmer die Auswahl und Aufrechterhaltung des bestmöglichen Versicherungsschutzes (“best advice”). Hierzu gehört, dass der Makler Vertrauter und Berater des Versicherungsinteressenten ist und damit den individuellen, passenden Versicherungsschutz vorzuschlagen hat.

Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, bedarf es der eingehenden Risikoanalyse ebenso wie der kompetenten Beratung hinsichtlich des abzudeckenden Risikos.

Erste Orientierung: Ratingagenturen, Vergleichsportale, Tests

Eine erste Orientierung bieten spezialisierte Ratingagenturen wie Franke & Bornberg [5] oder Morgen & Morgen [6]. Darüber hinaus finden sich Vergleichsportale oder “Tests”, die sich um eine möglichst objektive Bewertung oder zumindest Zusammenstellung verschiedener Bewertungsaspekte bemühen.

Ein Vorteil der fachlich umfassend arbeitenden Ratingagenturen liegt in der Intensität begründet, mit der sie die Unternehmen und ihre Berufsunfähigkeitsabsicherung beleuchten. Der gesamte Prozess vom Antrag über die Leistungsregulierung bis hin zur finanziellen Absicherung des Leistungsversprechens wird überprüft und offengelegt.

Das damit verbundene Wetteifern um “Sterne” oder “Triple F” hat so zunächst einen gesunden Bedingungswettbewerb gefördert, dessen Grenzen inzwischen allerdings erreicht zu sein scheinen.

Entscheidend: der individuelle Bedarf des Kunden

Was ist also wirklich wichtig, um eine gute Beratung sicherzustellen? Hierauf gibt es keine “richtige” Antwort! Die wesentlichen Leistungskriterien, die eine Berufsunfähigkeits-Absicherung in jedem Fall aufweisen muss, sind seit der VVG-Reform und der Normierung des BU-Begriffs gesetzlicher Mindeststandard.

Alle Diversität in der Angebotspalette, die darüber hinausgeht, bietet im selben Umfang Chancen, um als Vorteil im Sinne des Kunden genutzt zu werden. Als engagierter, fachkundiger Berater sollte man daher den vermeintlichen “Tarifdschungel” sich und den Kunden zunutze machen: mit offenen Augen und kritischem Blick die eine Lösung finden, nach der sie im Einzelfall suchen.

Seite zwei: Ohne Fleiß kein Preis [7]Für den Auszubildenden mag dies zu Beginn eine besonders günstige Absicherung seiner Erwerbsunfähigkeit [8] sein, die im Gegenzug die Option einräumt, zu einem späteren Zeitpunkt die Berufsunfähigkeitsabsicherung ohne erneute Gesundheitsprüfung einzubinden.

Der handwerklich Tätige ist vielleicht bereit, für den Verzicht auf die abstrakte Verweisung etwas mehr Geld auszugeben. Der leitende Angestellte möchte seinen Versicherungsschutz zu späteren Terminen ohne Gesundheitsprüfung [9] an veränderte Lebensumstände anpassen können. Oder die Krankenschwester legt Wert auf eine Infektionsklausel im Bedingungswerk.

Auch mag es im Einzelfall sinnvoll sein, auf das eine oder andere Bedingungsfeature zu verzichten, wenn der Vertragsabschluss für den Kunden andere Vorteile birgt, wie etwa die Annahme ohne Ausschlussklausel oder Zuschlag.

Ohne Fleiß kein Preis

Für den Makler bedeutet all dies: sich allein auf Ratingergebnisse oder Vergleichsportale [10] zu verlassen, wird dem “best-advice-Gebot” nicht gerecht. Es obliegt vielmehr dem Einzelnen, sich als Sachwalter der Versicherungsangelegenheiten seines Kunden detailliert mit den Produkten auseinanderzusetzen.

Die bestmögliche Dokumentation seiner Beratungsarbeit minimiert darüber hinaus sein Haftungsrisiko. Und dann ist der Weg frei zum optimalen Ergebnis – erarbeitet mit und für den Kunden.

Autor ist Dr. Christian Kirsch, Rechtsanwalt und Chief Underwriting Officer bei Zurich Leben.

Foto: Zurich / Shutterstock