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Preisanstieg in der BU: Finanztip widerspricht MLP

Das Online-Verbrauchermagazin Finanztip geht nicht davon aus, dass Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) im nächsten Jahr deutlich teurer werden. Bei vergangenen Zinssenkungen seien die BU-Beiträge kaum gestiegen, erklärt Finanztip auf Basis einer gemeinsamen Untersuchung mit dem Analysehaus Morgen & Morgen.

“Nicht allein der Rechnungszins ist für die Preisgestaltung maßgeblich, sondern auch eine Reihe anderer Faktoren, wie zum Beispiel der Preiskampf der Versicherer untereinander”, sagt Saidi Sulilatu von Finanztip.

Damit widersprechen die Portalbetreiber Berechnungen des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP, wonach BU-Versicherungen in 2015 um bis zu sieben Prozent teurer [1] werden. Grund hierfür soll die Absenkung des Höchstrechungszinses von derzeit 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent zum 1. Januar 2015 sein. Die Absenkung gilt für Neuverträge in der Lebensversicherung und somit auch für BU-Policen.

MLP argumentiert, dass die Versicherer für den Fall der Berufsunfähigkeit ein Finanzpolster in Höhe der voraussichtlichen Leistungen aufbauen. Dieser Kapitalstock werde mit dem Garantiezins verzinst und je niedriger dieser sei, desto höher sei auch der zu zahlende Beitrag.

Finanztip: Frühere BU-Verteuerungen bei unter einem Prozent

Finanztip entgegnet nun, dass dieses Argument zwar logisch klinge, jedoch einer empirischen Überprüfung nicht stand halte. Die Portalbetreiber verweisen dazu auf vergangene Rechnungszinssenkungen [2]: “Von 2006 auf 2007 sank der Rechnungszins von 2,75 Prozent auf 2,25 Prozent. Berufsunfähigkeitsversicherungen wurden aber im Durchschnitt nur 0,6 Prozent teurer”, teilen die Finanzexperten mit. Das gleiche Bild ergebe sich für die Zinssenkung von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent zum Januar 2012: Hier stiegen die BU-Beiträge laut Finanztip im Schnitt nur um 0,9 Prozent.

“Rechnungszins nicht allein maßgeblich für Preisgestaltung”

Auch vor diesen beiden Zinssenkungen hätten Versicherungsvermittler teilweise deutliche BU-Preissteigerungen vorausgesagt, so Finanztip, die aber nur in seltenen Fällen eingetreten seien. “Nicht allein der Rechnungszins ist für die Preisgestaltung maßgeblich, sondern auch eine Reihe anderer Faktoren, wie zum Beispiel der Preiskampf der Versicherer untereinander. Das hat die theoretische Berechnung von MLP nicht berücksichtigt”, kritisiert Saidi Sulilatu von Finanztip.

Mit diesen Zahlen werde bei den Kunden Druck erzeugt, so Sulilatu, “um sie schnell zum Abschluss einer Versicherung zu bewegen und um das Jahresendgeschäft anzukurbeln”. Verbraucher sollten sich daher nicht zu einem schnellen Abschluss drängen lassen, meint der Finanztip-Mitarbeiter. (lk)

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