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Welche BU-Alternative für welche Zielgruppe?

Personen mit gesundheitlicher Vorbelastung sind aus Sicht der Versicherer sogenannte negative Risiken und damit über ein klassische Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) schwer versicherbar. Bei den Alternativprodukten stellt sich die Frage, welche Police sich für welche Zielgruppe eignet. Ein Überblick.

Gastbeitrag von Ellen Ludwig, Ascore Das Scoring GmbH

Bei den BU-Alternativen muss genau hingeschaut werden, für welche Personengruppe die jeweilige Police geeignet ist. Die Beratung durch einen Fachmann ist unabdingbar.

Dread-Disease-Versicherung – Zielgruppe Selbstständige

Die “Schwere-Krankheiten-Vorsorge [1]” leistet eine Einmalzahlung unabhängig von der weiteren Berufsausübung. Auszahlungskriterium ist ausschließlich der Eintritt einer (fest definierten) schweren Krankheit wie zum Beispiel schwere Formen von Krebs, Multiple Sklerose, Lebererkrankungen, Lungenerkrankungen, Parkinson-Krankheit und Arthritis.

Ebenso können in einer solchen Police aber auch andere Vorkommnisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder die Folgen schwerer Unfälle enthalten sein. Solche Schicksalsschläge haben vor allem für Selbstständige weitreichende Folgen.

Schnelle Soforthilfe in Höhe des drei- bis fünffachen Nettojahreseinkommens ermöglicht es, eine Vertretung für die Fortführung des Betriebes zu beschäftigen. Zudem können die Kosten des Verdienstausfalles und die anfallenden Genesungskosten mit der Einmalzahlung finanziert werden.

Grundfähigkeitsversicherung – Zielgruppe körperlich belastende Berufe

Als Grundfähigkeitsversicherung [2] wird eine Risikoversicherung bezeichnet, die den Verlust von bestimmten definierten Grundfähigkeiten wie Sehen, Sprechen, Hände gebrauchen, Gehen, Treppensteigen oder Autofahren etc. durch Auszahlung einer monatlichen Rente auffangen soll.

Diese Rente kann im Gegensatz zur BU lebenslang gezahlt werden und vermindert dadurch das Risiko, nach Renteneintritt zum Sozialfall zu mutieren. Besonders für Berufsgruppen wie Handwerker, Pfleger und kinderbetreuende Tagesmütter bedeutet der Verlust einer Grundfähigkeit in der Regel eine sofortige Erwerbsunfähigkeit, dagegen sind psychische Erkrankungen [3] weniger wahrscheinlich.

Seite zwei: Renaissance der Erwerbsunfähigkeitsversicherung [4]

Die Grundfähigkeitsversicherung bietet für diese Berufsgruppen kostengünstig und bedarfsgerecht die Absicherung des gewohnten Einkommens. Die Rente wird auch dann gezahlt, wenn der Beruf, trotz des Verlusts von Grundfähigkeiten, noch weiter ausgeübt werden kann.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung – Zielgruppe Büroarbeiter

Eine Renaissance erfährt derzeit die Erwerbsunfähigkeitsversicherung [5] (EU), die in der Vergangenheit aufgrund der deutlichen Leistungsvorteile der BU nicht besonders beachtet wurde. Erwerbsunfähig ist, wer krankheits- und unfallbedingt derart eingeschränkt ist, dass Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt weniger als drei Stunden täglich verrichtet werden können.

Gerade bei kaufmännischen Angestellten wie Software-Entwicklern und Berufstätigen mit einem hohen Anteil von Computer-Arbeit ist eine Berufsunfähigkeit oftmals einer Erwerbsunfähigkeit gleich zu setzen.

Funktionelle Invaliditätsversicherung – Zielgruppe Personen mit Vorerkrankungen

Besonders für Personen mit einer körperlichen oder handwerklichen Tätigkeit und solchen, die aus gesundheitlichen Gründen wie einer psychischen Vorerkrankung keine BU erhalten, kann die funktionelle Invaliditätsversicherung [6] (FI) oder Existenzschutzversicherung eine sinnvolle Alternative darstellen.

Seite drei: Preiskampf ist eröffnet [7]

Die FI dient der Absicherung der dauerhaften (mind. zwölfmonatigen) Invalidität durch Unfall oder Krankheit und besteht typischerweise aus den Bausteinen Unfall, Pflege [8], Grundfähigkeit, Organschäden, Krebs und Tod.

Im Gegensatz zur BU ist nicht die Ausübung eines Berufes, sondern die Funktionalität des Körpers versichert. Ein Beispiel, um den Unterschied greifbarer zu machen: Ein Bäcker mit plötzlicher Gluten-Intoleranz würde eine BU-Leistung, aber keine FI-Leistung erhalten. Ein Steuerberater, der nicht mehr 400 Meter gehen kann, erhält eine FI-Leistung, aber keine Leistung aus seiner BU, wenn er seinen Beruf auch noch im Rollstuhl ausüben kann.

Der Preiskampf ist eröffnet

Die Beratung durch einen Fachmann ist im Segment der Arbeitskraftsicherung unabdingbar. Denn auch diejenigen, die problemlos einen BU-Schutz [9] erhalten könnten, stehen vor einer großen Auswahl an Anbietern und ausgezeichneten Produkten. Der Preiskampf [10] – in manchen Fällen zulasten der nachhaltigen Kalkulation der Produkte – ist längst eröffnet.

Autorin Ellen Ludwig ist Geschäftsführerin bei [ascore] Das Scoring, Hamburg.

Foto: Shutterstock