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Existenzsicherung: Gut durchdachte Alternative zur BU

Menschen mit Vorerkrankungen, risikoreichen Berufen oder gefährlichen Hobbies haben es schwer, sich gegen Berufsunfähigkeit zu versichern. Dass es sinnvolle Alternativen zum Rundum-BU-Schutz gibt, ist wenigen Vermittlern bekannt. Gastbeitrag von Ellen Ludwig, Ascore Das Scoring GmbH

“Nur rund 15 Prozent der körperlich Tätigen sind gegen den Verlust der Arbeitskraft versichert, eine deutlich niedrigere Quote als bei den Bürokräften.”

Eine Langzeitstudie der Stiftung Warentest hat bestätigt, was für viele Verbraucher in den vergangenen Jahren bereits traurige Gewissheit wurde: Die Absicherung gegen den Verlust der Arbeitskraft ist wichtig, nach den Pflichtversicherungen wahrscheinlich die wichtigste Police, die abgeschlossen werden kann.

Nur bei einem Viertel klappte der BU-Abschluss

Doch nur wenige bekommen überhaupt noch ein Angebot oder können sich einen umfassenden BU-Schutz [1] leisten. “Finanztest” fand heraus: Nur bei knapp einem Viertel der 409 untersuchten Fälle klappte der Abschluss einer BU-Versicherung [2] problemlos. Drei Viertel der Interessenten konnten sich nicht wie gewünscht versichern.

Wenn der Umkehrschluss bedeutet, dass die über 300 Testpersonen, bei denen es nicht auf Anhieb klappte, weiterhin unversichert sind, ist dies ein dramatisches Ergebnis – und hätte mit der richtigen Beratung verhindert werden können.

BU ist erste Wahl

Nach 1961 Geborene erhalten nur noch Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, wenn sie teilweise oder ganz erwerbsunfähig sind. Damit ist jedwede Erwerbstätigkeit gemeint, ein Bezug zum erlernten Beruf muss nicht hergestellt werden.

Seite zwei: Nur 15 Prozent der körperlich Tätigen versichert [3]Der Bedarf, sich privat gegen die Folgen der Berufsunfähigkeit abzusichern, ist also immens, allerdings stagnieren die BU-Bestände bei den Versicherungsgesellschaften seit Jahren, nennenswertes Neugeschäft wird nicht mehr erzielt. Doch woran liegt das?

Mehr als die Hälfte der deutschen Berufstätigen gehören zu der Gruppe der körperlich tätigen Personen. Sie sind Handwerker, Spediteure und im Pflegesektor [4] tätig und eine körperliche Einschränkung wirkt sich bei ihnen deutlich schwerer aus als bei Menschen, die hauptsächlich am Schreibtisch arbeiten.

Nur 15 Prozent der körperlich Tätigen versichert

Trotzdem sind nur rund 15 Prozent der körperlich Tätigen gegen den Verlust der Arbeitskraft versichert, eine deutlich niedrigere Quote als bei den Bürokräften. Das erhöhte Krankheits- und Unfallrisiko führt zu deutlich höheren Prämien: Bis zu 18 Prozent des Nettolohns kann ein passender BU-Versicherungsschutz kosten und ist damit quasi unbezahlbar.

Bei gesunden Büroangestellten sind es im Vergleich nur drei bis fünf Prozent des monatlichen Nettoeinkommens, die für eine BU-Versicherung aufgebracht werden müssen. Liegt zusätzlich eine Vorerkrankung wie ein Bandscheibenvorfall vor, gibt es on-top noch einen Leistungsausschluss.

Seite drei: Passender BU-Schutz oft nicht möglich [5]

Zudem begrenzen einige Anbieter den BU-Schutz für körperlich Tätige auf ein Endalter von 60 Jahren. Für Unternehmer, die vor allem ihre Firma gegen den eigenen Ausfall versichern wollen, fehlen damit wichtige Jahre, in denen die Wahrscheinlichkeit einer körperlichen Einschränkung immens ansteigt.

Nicht versicherbare Risiken

Nicht unbezahlbar, sondern gar nicht BU-versicherbar lautet die Diagnose für Menschen, die unter einer psychischen Vorerkrankung, Diabetes oder einer schweren Migräne leiden.

Die BU-Alternativen auf einen Blick.

Personen mit einer entsprechenden Vorbelastung sind aus Sicht der Versicherungsgesellschaften sogenannte negative Risiken und damit in einem klassischen BU-Produkt nicht versicherbar.

Private Vorsorge finden und finanzieren

Für viele Menschen stellt sich also die Frage, wie sie eine private Vorsorge finden und finanzieren können. Die Produktentwicklung der Versicherungs-Gesellschaften hat auf diesen Missstand reagiert und eine große Vielfalt an alternativen Absicherungsmöglichkeiten geschaffen.

Hierzu zählen vier alternative Versicherungspolicen: Die Dread-Disease-, die Grundfähigkeits-, Erwerbsunfähigkeits- und die funktionelle Invaliditätsversicherung.

In der oberen Grafik sind alle vier Absicherungsarten mit ihren Vor- und Nachteilen gegenüber einer klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung dargestellt.

Wichtig ist vor allem: Lieber den Versicherungsschutz, sprich die versicherten Leistungsfälle, bedarfsgerecht einschränken als den monatlichen Beitrag soweit zu senken, dass die Rente im Leistungsfall hinten und vorne nicht reicht.

Autorin Ellen Ludwig ist Geschäftsführerin bei [ascore] Das Scoring, Hamburg.

Foto: ascore