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“Frauen brauchen mehr Selbstbewusstsein”

Im Rahmen einer vom VDVM-Frauen-Netzwerk ausgerichteten Veranstaltung auf der DKM diskutierten Frauen aus der Versicherungsbranche über das Thema “Frauen im Versicherungsvertrieb”. Die Teilnehmerinnen forderten karrierewillige Frauen dazu auf, mehr Eigeninitiative zu zeigen.

Die Diskussionsteilnehmerinnen (von links): Versicherungsmaklerin Alexandra Kallmeier, Redakteurin Julia Böhne, Leiterin Maklerservice Petra Schmidt, und Forschungsdirektorin Dr. Christina Boll

Im Rahmen der 18. DKM hatte das Frauen-Netzwerk des Verbands Deutscher Versicherungsmakler e.V. [1] (VDVM) die Wirtschaftswissenschaftlerin Dr. Christina Boll eingeladen, die zu Erwerbswünschen und -realitäten von Frauen in Deutschland und Europa referierte. Boll ist Forschungsdirektorin am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und ist dort für die Koordinierung der Forschungsarbeiten verantwortlich. Am HWWI leitet sie zudem als Senior Economist das Themenfeld “Arbeitsmarkt, Bildung, Familie”.

Gehaltsunterschiede von Männern und Frauen

Zentrale Themen ihres Vortrags waren das unterschiedliche Verhalten von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt [2] und geschlechtsspezifische Gehaltsunterschiede. Ihr Anliegen war es vor allem den anwesenden Frauen zu verdeutlichen, welche drastischen Auswirkungen sogenannte Brüche im Lebenslauf, Kindererziehungszeiten und Teilzeittätigkeiten auf die weitere Gehaltsentwicklung und die Rente haben. Schon während des Vortrags beantwortete Boll Fragen aus dem Publikum.

Im Anschluss an den Vortrag fand zur Fragestellung “Frauen im Versicherungsvertrieb – läuft die Entwicklung in die richtige Richtung?” eine Podiumsdiskussion mit Dr. Boll und weiblichen Branchenmitgliedern statt. Die Moderation übernahm Adelheid Marscheider [3], Versicherungsmaklerin und VDVM-Vorstandsmitglied, die zu den Gründerinnen des VDVM-Frauen-Netzwerks gehört.

Weitere Diskussionsteilnehmer waren Alexandra Kallmeier [4], Geschäftsführerin bei Morgenroth Versicherungsmakler, Petra Schmidt, Leiterin Maklerservice bei der Gothaer Allgemeine Versicherung und Julia Böhne, Ressortleiterin Finanzberater beim Cash.- Magazin. Zunächst schilderten die Teilnehmerinnen anhand eigener Erfahrungen beziehungsweise Untersuchungen die Entwicklung des Frauenanteils in Vertrieb und Führung in der Versicherungsbranche.

 

Seite zwei: Weniger Perfektionismus, mehr Selbstvertrauen [5]

Dann widmete sich die Diskussion der Fragestellung, inwieweit die geringe Teilhabe von Frauen an Führungspositionen und im freien Versicherungsvertrieb auf die Rahmenbedingungen zurück zu führen ist und wie sich diese ändern müssten, um den Frauenanteil zu erhöhen. Doch auch die Eigeninitiative und Bereitschaft der Frauen [6] für Erfolg im Beruf etwaige Nachteile in Kauf zu nehmen standen auf dem Prüfstand.

In diesem Zusammenhang ermutigten die Teilnehmerinnen karrierewillige Frauen [7], sich nicht zu verstecken, wenn es darum geht Verantwortung auch in Führungspositionen zu übernehmen. Statt zu zögern, sollten Frauen öfter Chancen ergreifen. “Frauen brauchen mehr Selbstbewusstsein”, betonte Petra Schmidt, die beim Versicherer Gothaer als Leiterin Maklerservice tätig ist und traf damit auf Zustimmung bei den anderen Diskussionsteilnehmerinnen und beim Publikum.

Frauen müssen sich vernetzen

Unternehmerin und Versicherungsmaklerin [8] Alexandra Kallmeier sprach sich darüber hinaus dafür aus, dass Frauen weniger perfektionistisch sein sollten. “Frauen müssen auch loslassen können”, so Kallmeier. Kein Mann würde nach zwölf Stunden Arbeit nachhause kommen und sofort den Staubsauger in die Hand nehmen. Frauen hingegen neigen laut Kallmeier dazu, in allem perfekt sein zu wollen. “Doch soviel Perfektionismus ist gar nicht nötig”, erklärte die Versichungsmaklerin, die selbst Familie und Beruf unter einen Hut bringt.

Die Diskussionsteilnehmerinnen Petra Schmidt und Alexandra Kallmeier sowie Moderatorin Adelheid Marscheider betonten zudem, wie wichtig aktive Vernetzung für Frauen  in der Versicherungsbranche sei. Bei Männern sei das Networking bereits Gang und Gäbe und während es von Frauen immer noch vernachlässigt werde. Kallmeier, Marscheider und Schmidt sind selbst im VDVM-Frauen-Netzwerk [9] aktiv und unterstrichen die Mehrwerte ihres Engagements.

Marscheider hatte Vortrag und Diskussion initiiert um Frauen aus der Versicherungswelt [10] auch auf der DKM mit ihren eigenen Themen zu konfrontieren. Und nicht nur Frauen kamen in den Kongressraum – auch männliche Branchenteilnehmer zählten zu den rund 40 Zuhörern, die sich aktiv an der Veranstaltung beteiligten. Die Organisatoren hoffen auch im Nachgang der Diskussion auf reges Interesse am Netzwerk. (jb)

 

Foto: Cash.