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Grundfähigkeitsversicherung: Basisschutz für die Arbeitskraft

Die Versicherer forcieren neben dem Berufsunfähigkeitsschutz, der weiterhin als wichtiger Wachstumsträger gilt, abgespeckte Invaliditätslösungen, wie zum Beispiel die Grundfähigkeitsversicherung. Einige Gesellschaften setzen auch auf fest gekoppelte “Multi-Risk”-Absicherungen in einem Vertrag.

Thomas Wiesemann, Allianz: “Ab Juli 2014 bieten wir eine integrierte Pflegezusatzrente, mit der unsere Kunden die doppelte Leistung im Pflegefall während der BU-Versicherungsdauer erhalten.”

Zu den frühesten Anbietern einer Grundfähigkeitsversicherung gehört die Allianz. Der Marktführer lancierte bereits Mitte 2011 seine “Körper-SchutzPolice”. Thomas Wiesemann, Vorstand Maklervertrieb Allianz Leben und Allianz Private Krankenversicherung, begründet die Einführung damit, dass sich viele Menschen eine Berufsunfähigkeitsversicherung [1] nicht leisten können oder wollen.

“Für risikoträchtigere Berufsgruppen fehlte bislang attraktive Alternative”

“Nur etwa jeder Fünfte hat bislang das BU-Risiko [2] abgesichert. Insbesondere für risikoträchtigere Berufsgruppen fehlte bislang eine attraktive Alternative”, sagt Wiesemann. Die Allianz-Police leistet bei dauerhaften körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen sowie bei schwerer Erkrankung.

Für den Fall, dass körperliche oder geistige Fähigkeiten eingeschränkt sind, erhält der Kunde eine versicherte monatliche Rente und wird von einer weiteren Beitragszahlung befreit. Tritt eine definierte schwere Erkrankung auf, gibt es eine Einmalzahlung in Höhe einer Jahresrente.

Beide Leistungen können einzeln oder auch zusammen fällig werden. Führt zum Beispiel ein Schlaganfall zum dauerhaften Verlust der Sprache, dann leiste die KörperSchutzPolice neben der Befreiung von der Beitragszahlungspflicht eine Einmalzahlung und zusätzlich eine laufende Rente, erklärt die Allianz [3].

Handwerker im Vertriebsfokus

Wiesemann räumt ein, dass die Körper-SchutzPolice die Berufsunfähigkeitsvorsorge “nicht vollständig ersetzen” könne. Das Produkt biete aber körperlich Tätigen, “denen oft die Arbeitsfähigkeit selbst und nicht die Absicherung des beruflichen Status wichtig ist, eine gute Alternative zu einem deutlich geringeren Beitrag”.

Gegenüber der selbstständigen BU-Versicherung beträgt der Preisabschlag nach Allianz-Angaben bis zu zwei Drittel. “Die Akzeptanz unseres Produkts ist insbesondere bei handwerklich Tätigen groß”, betont Wiesemann.

Seite zwei: Grundfähigkeitsversicherung “Handwerkerschutz” [4]

Eine ähnliche Erfahrung hat Jürgen Hansemann, Vorstand der Nürnberger Beamten Lebensversicherung, gemacht. Die vor zwei Jahren gestartete Grundfähigkeitsversicherung “Handwerkerschutz” der Nürnberger bezeichnet Hansemann als vollen Erfolg – auch wenn dies “natürlich noch kein Massengeschäft” sei, wie der BU-Experte ergänzt.

Ab zwölfmonatigem Verlust einer der Grundfähigkeiten Sehen, Sprechen, Hören, Gebrauch der Hände, der Beine oder der Arme sowie Autofahren zahlt die Nürnberger eine monatliche Rente. Außerdem leistet der Versicherer, wenn die versicherte Person pflegebedürftig ist.

BU- und Pflege-Schutz aus einer Hand

Die Verknüpfung der biometrischen Risiken “Invalidität” und “Pflege [5]” gehört zu den neuesten Trends in der Branche. Während viele Versicherer hier auf Bausteinlösungen setzen, bieten einige Gesellschaften auch fest gekoppelte “Multi-Risk”- Absicherungen in einem Vertrag an.

Um den Kunden den Abschluss schmackhaft zu machen, wird gezielt mit günstigeren Konditionen geworben. Eine Kombilösung sei preiswerter als eine Einzelabsicherung biometrischer Risiken [6], betonen beispielsweise die Basler Versicherungen.

Genau klären, was versichert ist

Im Tarif “Basler Beruf + Pflege Aktiv” sind sowohl eine Berufsunfähigkeit als auch eine Pflegebedürftigkeit abgesichert. Allerdings sollten Kunden gemeinsam mit dem Berater vor Abschluss genau klären, was versichert ist und was nicht.

So erhalten “Aktiv”- Kunden nur dann eine lebenslange Pflegerente, wenn die Pflegebedürftigkeit [7] während der Vertragslaufzeit eintritt – diese endet spätestens zum 67. Lebensjahr. Tritt die Pflegebedürftigkeit erst später ein, besteht für “Aktiv”-Versicherte kein Pflegeschutz mehr.

Seite drei: Produkt-Offensive im Bereich Pflege [8]Für die Zeit danach müsste dann ein separater Pflegeschutz abgeschlossen werden – dann immerhin ohne erneute Gesundheitsprüfung [9]. Basler-Kunden, die “auf Nummer sicher” gehen wollen, können sich für die teurere Tarif-Variante “Beruf + Pflege Lifetime” entscheiden. Hier wird die lebenslange Pflegeabsicherung nach der beruflichen Laufbahn bereits bei BU-Abschluss gewährt.

Volkswohlbund verdoppelt BU-Rente im Pflegefall

Auch der Lebensversicherer Volkswohlbund aus Dortmund verfügt mit seiner “BU Plus” seit Anfang 2013 über eine Berufsunfähigkeitsversicherung, in der ein Pflegeschutz integriert ist. Demnach erhalten Kunden bei Pflegebedürftigkeit eine zusätzliche lebenslange Pflegerente in Höhe ihrer aktuell vereinbarten BU-Rente. Im Gegensatz zum “Lifetime”-Tarif der Basler können sich BU-Plus-Kunden aber nicht vorzeitig für das Pflegerisiko nach Ablauf der BU wappnen.

Alternativ gewährt der Volkswohlbund zu Rentenbeginn die Option auf eine Anschluss-Pflegerentenversicherung ohne erneute Gesundheitsprüfung.

“Absicherungslücken bei Pflegevorsorge”

Auf das Prinzip “Verdoppelung” setzt künftig auch die Allianz. “Ab Juli 2014 bieten wir eine integrierte Pflegezusatzrente, mit der unsere Kunden die doppelte Leistung im Pflegefall während der BU-Versicherungsdauer erhalten”, sagt der Vorstand Maklervertrieb Wiesemann.

Auch hier besteht für Kunden eine “Pflegeanschlussoption”, mit der eine lebenslange Pflegerentenversicherung ohne erneute Risikoprüfung abgeschlossen werden kann. Die Pflegezusatzrente inklusive Pflegeanschlussoption soll auch für die Grundfähigkeitsversicherung der Allianz gelten.

“Gerade bei der Pflegevorsorge gibt es noch erhebliche Absicherungslücken”, begründet Wiesemann die bevorstehende Produkt-Offensive seines Unternehmens im Bereich Pflege. (lk)

Foto: Allianz