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Versicherer: Biometrie-Rausch und Altersvorsorge-Stau

Die Assekuranz setzt mehr denn je auf den Biometrie-Markt, da das einst lukrative Geschäft mit der Altersvorsorge, nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Zinsen, stark erschwert wird. Branchenexperte Norbert Porazik sieht die “Machtverschiebung” kritisch.

Nobert Porazik, Fonds Finanz: “Unsere angebundenen freien Versicherungsmakler beraten jeweils nach Bedarf des Kunden, begrüßen die starke Hinwendung der Produktgeber zur Biometrie-Welt aber nicht unbedingt.”

Bei der Frage, welches biometrische Risiko den größten Handlungsbedarf erfordert, muss Dr. Klemens Surmann nicht lange überlegen: “Eindeutig beim Thema Berufsunfähigkeit.” Die Furcht vor dem BU-Fall sei zwar da, aber sowohl das Risiko als auch die entsprechende Absicherung würden von der großen Mehrheit der Bevölkerung “komplett ignoriert”.

Seine Annahme stützt der Pressesprecher der Gothaer auf eine forsa-Studie im Auftrag des Kölner Versicherers, in der über 1.000 Bundesbürger zu den Lebensrisiken Todesfall, Berufsunfähigkeit [1], Invalidität [2], schwere Krankheit [3], Pflegefall [4] und Langlebigkeit Auskunft gaben.

Kapitallebensversicherung uninteressanter als früher

Mithilfe von speziellen Ansprachekonzepten für Vermittler versuchen die Versicherer, den Menschen ihre Ignoranz auszutreiben. Die Branche setzt mehr denn je auf den Biometrie-Markt, denn die anhaltenden niedrigen Zinsen erschweren das einst lukrative Geschäft mit der Altersvorsorge [5].

“Aufgrund des niedrigen Garantiezinses ist die Kapitallebensversicherung uninteressanter geworden als früher”, sagt Norbert Porazik, geschäftsführender Gesellschafter des Münchener Maklerpools Fonds Finanz. Trotzdem betrachtet er die starke Hinwendung der Produktgeber zur Biometrie-Welt mit gemischten Gefühlen.

“Unsere angebundenen freien Versicherungsmakler [6] beraten jeweils nach Bedarf des Kunden, begrüßen diese Entwicklung aber nicht unbedingt. Auch die Versicherer wenden sich nicht freiwillig verstärkt der Risikoabsicherung zu, sondern reagieren auf den geänderten Kundenbedarf.”

“Stau in der Altersvorsorge”

Porazik sieht inzwischen sogar “einen kleinen Stau bei der Altersvorsorge der Bürgerinnen und Bürger”. Hinsichtlich der Vertriebsunterstützung erwartet man sich bei der Fonds Finanz vor allem beim Thema “Bedarfsweckung” noch Verbesserungen aufseiten der Versicherer.

“Ein Großteil der Vermittler sieht Verbesserungspotenziale eher beim Thema der übergreifenden Bedarfsweckung, während bestehende Konzepte meist auf ein ganz bestimmtes Produkt eines Anbieters abzielen”, so Porazik.

Gleichzeitig sehe Fonds Finanz auch bei sehr speziellen Produkten, wie etwa der Dread-Disease [7]-Versicherung, noch Nachholbedarf, diese stärker in den Fokus zu rücken. “Durch unabhängige und neutrale Vergleiche, wie zum Beispiel unseren Dread-Disease-Spezialvergleich, haben wir es jedoch geschafft, diese wirklich wichtige Versicherung als echte Alternative bei unserer Maklerschaft anzusprechen”, freut sich Porazik.

Seite zwei: “Bedarfsorientierte Vorsorgekonzepte für alle” [8]

Diese Aussage von der Vertriebsseite dürfte auch Bernhard Rapp, stellvertretender Deutschland-Chef von Canada Life, freuen. “Jeder Kunde hat andere Bedürfnisse. Dass der Markt deshalb verschiedene Lösungen liefern muss, war von jeher unsere Devise”, betont er.

“Mit einer neuartigen BU und einer starken Risikoleben satteln wir drauf und bieten nun bedarfsorientierte Vorsorgekonzepte für alle.” In den neuen Risikoleben-Tarifen “optimal” und “komfort” bieten die Kanadier analog zum Berufsunfähigkeitsschutz eine Garantie auf den Zahlbeitrag.

Umfassende Nachversicherungsgarantie

Menschen mit Risikoberufen [9] komme es entgegen, so Rapp, dass die Prämie nicht vom Beruf abhängt. Zudem habe man eine umfassende Nachversicherungsgarantie vorgesehen: Aufstocken können Kunden nach dem fünften und zehnten Versicherungsjahr sowie bei einer Ehe oder Lebenspartnerschaft, der Geburt oder Adoption von Kindern, einer Gehaltssteigerung, einem Kredit oder wenn sie eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen.

Die Laufzeit können Kunden innerhalb bestimmter Grenzen ohne erneute Gesundheitsprüfung [10] verlängern. Hinzu kommen Extras wie eine vorgezogene Todesfallleistung [11] und ein erweiterter Gemeinschaftsschutz: Sterben beide Versicherungsnehmer innerhalb eines Monats durch dasselbe Ereignis, zahlt Canada Life die doppelte Versicherungsleistung aus.

In der Unfallversicherung [12] gab es nach Einschätzung von Vertriebsexperte Thomas Wiesemann, Vorstand Maklervertrieb Allianz Leben und Allianz Private Krankenversicherung, in Puncto Invaliditätsabsicherung hingegen zuletzt eher wenig Bewegung.

Seite drei: Nicht alle Ansätze funktionieren [13]

Alternative Ansätze wie beispielsweise die Ablösung der Gliedertaxe durch Grundfähigkeitenkataloge oder der Einschluss von Krankheits- und/oder Dread-Disease-Elementen hätten sich nicht durchsetzen können, konstatiert der Allianz-Manager.

Man sehe jedoch einen Trend bei Angeboten im Reha-Management bei unfallbezogenen Dienstleistungen im Assistancebereich. Bei der Risikolebensversicherung stehe in erster Linie die Höhe der Todesfallleistung zur finanziellen Absicherung der Familie oder einer Immobilienfinanzierung [14] im Vordergrund, führt Wiesemann aus.

Kunden wünschen flexible Versicherungen mit erweitertem Leistungsumfang

Nichtsdestotrotz zeigten Umfragen, dass viele Kunden eine flexible Versicherung mit erweitertem Leistungsumfang wünschten. “Ab Juli 2014 bieten wir mit einer neuen Risikolebensversicherung zusätzliche Leistungen und deutlich mehr Flexibilität für unsere Kunden”, sagt Wiesemann.

So bestehe unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, bis zu drei Jahre vor Ablauf einmalig eine Verlängerung des Versicherungsschutzes ohne erneute Gesundheitsprüfung zu beantragen. Das sei zum Beispiel hilfreich, wenn die Finanzierung einer Immobilie etwas länger dauere als geplant, betont der Vorstand der Allianz. (lk)

Foto: Fonds Finanz