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“Kfz-Versicherungen bleiben primär ein Vermittlergeschäft”

Dr. Per-Johan Horgby, Vorstand Privatkunden des Hannoveraner Versicherungskonzerns VHV Allgemeine, sprach mit Cash. über die aktuellen Entwicklungen im Markt für Kfz-Versicherungen und erklärte, wie er über Telematik-Tarife, Vergleichsportale und Prämienerhöhungen denkt.

Per-Johan Horgby, Vorstand Privatkunden der VHV Allgemeine AG

Cash.: Das Erschließen großer Datenmengen, auch “Big Data” genannt, wird auch für Versicherer immer interessanter. Welche Planungen haben Sie bezüglich Telematik-Tarife getroffen, die auf Kunden abzielen, die bereit sind, ihr Fahrverhalten elektronisch aufzeichnen zu lassen?

Horgby: Neue Technologien, die der Sicherheit der Kunden dienen, sind bei uns immer von Interesse und wir wertend diese regelmäßig aus. Im Rahmen eines Pilotprojektes haben wir deswegen auch bereits die Telematik-Technik getestet, die schon in mehreren europäischen Ländern erfolgreich eingesetzt wird. Ob und inwiefern wir die gewonnenen Erfahrungen für ein neues Tarifangebot nutzen, wird die Zukunft zeigen.

Die Vergleichsportale für Versicherungen sind in das Visier der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA geraten. Ein neuer Leitfaden soll “Transparenz, Einfachheit und Fairness” bei Online-Vergleichen von Versicherungsprodukten fördern. Wie bewerten Sie diesen Schritt vor dem Hintergrund der wachsenden Marktmacht der Portale?

Wir begrüßen es, wenn in das Thema der Vergleichsportale mehr Transparenz kommt. Denn auch unsere Kunden suchen natürlich im Internet nach ersten Informationen zu Versicherungslösungen. Dabei sollten sie natürlich die dortigen Informationen durch eine entsprechende Transparenz möglichst objektiv bewerten können.

Google hat den Eintritt in den deutschen Versicherungsmarkt bislang nur angekündigt ohne konkrete Schritte folgen zu lassen. Wie sieht Ihr Haus einem möglichen Markteintritt von Google entgegen?

Wir begrüßen jeden kompetenten und verantwortungsbewussten Vertriebspartner im Markt und sind gespannt was da kommt. Dennoch gehen wir davon aus, dass auch in Zukunft der Verkauf von Kfz-Versicherungen durch die Beratungsleistung des Vermittlers primär ein Vermittlergeschäft bleibt.

Eine Umfrage der Fachzeitschrift “AssCompact” ergab, dass die VHV der mit Abstand beliebteste Autoversicherer aus Vermittlersicht ist. Wie erklären Sie sich den Erfolg und was unternehmen Sie, um Ihre Position zu verteidigen?

Die VHV versteht sich als Partner der Vermittler. Diese wollen wir bestmöglich in ihrer Arbeit unterstützen. Das machen wir in zweifacher Weise: Erstens mit ausgezeichneten Produkten, die ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis und innovative Produktmerkmale aufweisen. Die VHV hat zum Beispiel als erster Anbieter die so genannte Leistungs-Update-Garantie eingeführt, bei der Kunden von Verbesserungen späterer Tarifgenerationen automatisch profitieren.

Seite zwei: “Tarifanpassungen haben zu keinerlei Nachteilen geführt” [1]

Wir machen also die Beratung leicht, bedarfsgerecht und rechtssicher. Eine konkrete Neuerung im Kfz-Bereich ist beispielsweise, dass wir zum 1. Januar 2015 die Versicherungssumme für Personenschäden von zwölf auf 15 Millionen Euro erhöhen. Und zweitens unterstützen wir unsere Vermittler bei den administrativen Aufgaben zum Beispiel mit Hilfe unseres vielfach ausgezeichneten Makler-Extranetzes oder unserem neuen Homepagebaukasten, den wir ab November 2014 zusammen mit einem Kooperationspartner anbieten.

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Simon-Kucher & Partners planen 58 Prozent der Versicherer Prämienerhöhungen in der Kfz-Sparte – in keiner anderen Versicherungssparte liegt der Wert höher. Allerdings können die Versicherer die Prämienerhöhungen oftmals nicht durchsetzen, heißt es. Welche Prämienpolitik fährt die VHV für das nächste Jahr?

Unser Angebot ist risikogerecht tarifiert. Wir waren einer der ersten im Markt, die sich für auskömmliche Prämien ausgesprochen und entsprechend moderat unsere Tarife angepasst haben. Das hat zu keinerlei Nachteilen geführt – im Gegenteil unsere Neugeschäftszahlen der letzten beiden Jahren sprechen für sich. Wir verfolgen vielmehr weiterhin diesen Ansatz. Natürlich muss aber auch die Leistungsseite passen. Die VHV konnte hier mit einem gut funktionierenden Schadenmanagement überzeugen.

Diese Maxime fahren wir jetzt auch wieder im Jahresendgeschäft: Kunden, die sich im Rahmen der Kaskoversicherung für eine Werkstattbindung entscheiden, profitieren von 20 Prozent Beitragsnachlass anstatt sonst 15 Prozent und genießen die Vorteile unseres Schadensservice Plus.

Interview: Lorenz Klein

Foto: VHV