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LVRG: VDVM rechnet mit sinkender Abschlussvergütung

Der Verband Deutscher Versicherungsmakler e.V. (VDVM) erwartet, dass durch die Regelungen des neuen Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) ab Januar 2015 die Abschlussprovisionen zugunsten steigender laufender Vergütungen sinken werden.

Der VDVM geht von sinkenden Abschlussprovisionen und steigenden laufenden Vergütungen ab dem 1. Januar 2015 aus.

Im LVRG [1] hat der Gesetzgeber unter anderem festgelegt, dass statt 40 nur noch maximal 25 Promille Abschlusskosten – über fünf Jahre verteilt – bilanzwirksam eingestellt werden dürfen. Laut VDVM wird diese Begrenzung des Höchstzillmersatzes durch das LVRG dazu führen, dass sich die Vergütung strukturell verändert. “Abschlussprovisionen sinken, während die laufende Vergütung im besten Fall steigt”, erläutert Oliver Fellmann, VDVM-Vorstandsmitglied und Leiter des Arbeitskreises Lebensversicherung des Verbands.

Es sei aber nicht auszuschließen, dass einige kapitalstarke Versicherer zunächst abwarten und die Senkung der Abschlussvergütung in ihren Tarifen hinauszögern würden. Das könnten sich laut Fellmann vor allem Versicherer mit starker Ausschließlichkeitsorganisation leisten. Denn sie sind demnach in der Lage, abzuwarten und mit unverändert hohen Abschlussvergütungen Neugeschäft [2] an- und damit von kleineren Maklerversicherern abzuziehen.

Fairness wichtiger als Provision

“Im Zuge der Diskussionen zum LVRG [3] war die Forderung zu hören, Versicherer sollten beweisen, dass sie zu ihren Vermittlern stehen. Vielen Maklerversicherern mangelt es an der für diesen Kraftakt erforderlichen Kapitalstärke”, so Fellmann weiter. “Makler, die ihre Produktgeber auffordern, das aktuelle Courtageniveau nicht anzutasten, ermuntern diese zu einem Selbstmord auf Raten”, warnt der VDVM-Vorstand.

Denn wer seine Provisionen nach Inkraftreten des LVRG [4] nicht absenke, lebe über seine Verhältnisse und setze sich zugleich über das erklärte Ziel der Politik hinweg, die Abschlussvergütung zu senken. “Bedarfsgerecht und angemessen können wir als VDVM-Mitglieder nur beraten, solange die Vielfalt finanziell gesunder und stabiler Lebensversicherungsunternehmen am Markt gewährleistet ist”, betont Fellmann. Das sowie der faire und partnerschaftliche Umgang mit Maklern sollten seiner Ansicht nach bei der Wahl eines Produktgebers mehr zählen als vorübergehend ein paar Promille zusätzliche Abschlussvergütung.

 

Seite zwei: Vergütungsmodell von VDVM und Stuttgarter [5]

Wer die Attraktivität der kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherung bewahren will, müsse sicherstellen, dass nicht ausschließlich die Versicherten die Lasten der schwachen Verzinsung zu tragen hätten, so Fellmann. In diesem Zusammenhang verweist er auf das Provisionsmodell von VDVM und Stuttgarter [6], das der VDVM vor rund einem Jahr vorgestellt [7] hatte.

Hierbei verzichten die Vermittler auf einen Teil der Abschlusscourtage zugunsten einer laufenden Betreuungsvergütung und stimmen einer Verlängerung der Provisionshaftzeit auf maximal zehn Jahre zu. Im Gegenzug mache der Versicherer deutliche Abstriche bei den kalkulierten Kosten. “Mit der Stuttgarter Lebensversicherung haben wir einen Partner gewonnen, der bereits vor Einführung des LVRG Weitblick bewiesen und das Modell gemeinsam mit dem VDVM [8] weiterentwickelt hat”, berichtet Fellmann.

VDVM-Modell verbessert Rückkaufswert

Das Vergütungsmodell wurde für Mitgliedsunternehmen des VDVM im Juni 2014 eingeführt. Aufgrund der veränderten Kalkulation verbessern sich laut Fellmann die Rückkaufs- beziehungsweise Übertragungswerte [9] in den ersten fünf Versicherungsjahren je nach Laufzeit des Vertrages um bis zu 25 Prozent. Mit Einführung des LVRG sei das Interesse an dieser Lösung deutlich gestiegen. So gebe es auch Anfragen von außerhalb des Verbandes.

“Das VDVM-Modell richtet sich vornehmlich an Vermittler, die Wert auf eine gute Kundenbetreuung legen, Storno verhindern und langfristig kalkulierbare Einnahmen erzielen wollen”, betont Fellmann. Er räumt indes ein, dass gerade Berufsanfänger unter einer niedrigeren Abschlussvergütung zu leiden hätten. “Aber die Vermittlungscourtage ist kein Existenzgründungsprogramm”, so Fellmann. (jb)

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