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Pflegepolicen: Bedarf ohne Deckung

Viele Vermittler nutzen den sogenannten Pflege-Bahr als Gesprächsaufhänger, um auf die Versorgungslücke in der Pflege hinzuweisen. Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) rechnet damit, dass das geförderte Pflege-Produkt bis Jahresende die Schwelle zur Million überschreitet. Trotzdem bleibt die Schere zwischen Deckung und Bedarf bestehen.

PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach: “Die Bürger erkennen zusehends, dass es bei der Pflege eine Vorsorgelücke gibt.”

Der Gesamtbestand an geförderten und ungeförderten Pflegezusatzversicherungen in Deutschland lag zu Ende 2013 bei 2,7 Millionen Versicherungen. Davon entfallen rund 400.000 Verträge auf die Anfang 2013 eingeführte geförderte Variante Pflege-Bahr [1].

Pflege-Bahr: Bis Jahresende die Schwelle zur Million geknackt

Beim Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV [2]), dessen Mitgliedsunternehmen den Pflege-Bahr exklusiv als private Pflegetageldversicherung [3] verkaufen, rechnet man damit, dass bis Jahresende die Schwelle zur Million überschritten wird.

“Die Bürger erkennen zusehends, dass es bei der Pflege eine Vorsorgelücke [4] gibt”, sagt Verbandsdirektor Volker Leienbach. “Als Anreiz dazu, diese Lücke zu verringern, ist die geförderte Pflegezusatzversicherung [5] bestens geeignet. Denn schon ab zehn Euro Eigenbeitrag pro Monat gibt es fünf Euro staatliche Förderung, also bis zu 33 Prozent Zuschuss.”

Nach anfänglichem Zögern nutzen inzwischen viele Vermittler den Pflege-Bahr als Gesprächsaufhänger, um auf die Versorgungslücke in der Pflege hinzuweisen – denn diese ist beträchtlich. So kostet ein Platz in einer stationären Pflegeeinrichtung in Deutschland im Monat etwa 2.400 Euro (Pflegestufe I) beziehungsweise 2.900 Euro (Pflegestufe II) und 3.300 Euro (Pflegestufe III).

Pflege-Bahr als “Sprungbrett”

Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt aber in allen Fällen nicht einmal die Hälfte der Kosten ab. Sie zahlt in Pflegestufe I monatlich 1.023 Euro, in Stufe II 1.279 Euro und in Stufe III 1.550 Euro. Die Pflegelücke kann somit bis zu 1.800 Euro im Monat betragen.

Quelle: Basler Versicherungen

Seite zwei: Schere zwischen Bedarf und Deckung [6]Zwar kann der Pflege-Bahr diese Lücke nicht schließen, denn bei den meisten Versicherern ist die Maximalabsicherung bei 600 Euro gedeckelt, doch in der Maklerschaft kommt das Produkt trotz mauer Vergütung gut an.

Viele Vermittler nutzen den Pflege-Bahr als “Sprungbrett”, um den Kunden eine hochwertigere ungeförderte Pflegeabsicherung schmackhaft zu machen. “Der Pflege-Bahr hat wahrscheinlich einen großen Anteil daran, dass die Vermittlerschaft sich endlich getraut hat, dieses Thema anzusprechen”, sagt Norbert Porazik, geschäftsführender Gesellschafter des Münchener Maklerpools Fonds Finanz.

Schere zwischen Bedarf und Deckung

“Tatsächlich spüren wir seit zwei Jahren einen sehr starken Trend zur Pflegeversicherung [7]. Dies hängt sicherlich auch damit zusammen, dass das Thema durch die Medien in aller Munde ist, viele Menschen jedoch leider auch in der Familie oder im Freundeskreis konkrete Fälle von Pflegebedürftigkeit [8] kennen”, so Porazik.

“Die meisten Menschen fürchten sich im Alter vor dem Pflegefall [9]“, ergänzt Dr. Klemens Surmann, Pressesprecher des Kölner Versicherers Gothaer. “In krassem Gegensatz dazu steht die Durchdringungsquote der Pflegeversicherung. Die Schere zeigt sich seit Jahren, obwohl das Thema seit Langem permanent in der politischen Diskussion ist”, wundert sich Surmann.

Gut jeder dritte Deutsche ohne Pflegeabsicherung ignoriere bislang das Risiko, selbst einmal zum Pflegefall zu werden, heißt es in einer Studie, die der Kölner Versicherer beim Meinungsforschungsinstitut Forsa in Auftrag gab. Vor allem die jüngeren Bundesbürger unter 30 Jahren haben sich demnach noch nicht mehrheitlich mit dem Thema beschäftigt.

Als Hinderungsgründe werden zumeist begrenzte finanzielle Möglichkeiten und Kritik am Preis-Leistungs-Verhältnis von Produkten zur Pflegeabsicherung genannt. Zudem verließen sich viele befragte Bundesbürger beim Eintritt der Pflegebedürftigkeit auf die gesetzliche Pflegeversicherung – trotz ihrer unzureichenden Leistungen, wie Surmann betont. Auch die Unterstützung von Lebenspartnern oder Kindern werde oft vorausgesetzt. (lk)

Foto: PKV-Verband