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Kollektiv ist die Stärke der Lebensversicherung

Die klassischen Lebens- und Rentenversicherungen kommen in der aktuellen Diskussion oft schlecht weg – zu Unrecht. Denn es ist und bleibt immens wichtig, bei der Altersvorsorge das “Risiko der Langlebigkeit” angemessen zu berücksichtigen. Genau hier greift eine Rentenversicherung: Sie ist das einzige Produkt, bei dem der Kunde nicht gegen den eigenen Tod spekulieren muss.

Dirk Bohsem, MLP AG

“Dem Versicherer bieten sich in seiner Anlagepolitik ganz andere Möglichkeiten zur Diversifizierung als sie einem einzelnen Sparer offen stehen.”

Über die Altersvorsorge [1] wird in Deutschland derzeit intensiv diskutiert. Dabei wird oft verkannt, dass die Lebensversicherer nicht nur sehr gut durch die Finanzkrise gekommen sind. Es gibt auch keine Anzeichen, dass die führenden Gesellschaften ihre Garantieversprechen auf absehbare Zeit nicht halten können.

Solides Fundament Lebens- und Rentenversicherung

Zudem kommt in der Diskussion häufig zu kurz, dass ergänzende Altersvorsorge mit Blick auf die demografische Entwicklung [2] wichtiger denn je ist – mit Lebens- und Rentenversicherungen [3] als solidem Fundament. In Zukunft wird es deshalb umso mehr darauf ankommen, die zentralen Grundsätze dieser Produkte wieder klar in Blick zu nehmen.

Die Kernleistung privater Altersvorsorge ist die “Versicherung” in Form einer lebenslangen Rente und in einem kollektiven Risikoausgleich. Hier muss die Branche aber selbstkritisch feststellen: In der Vergangenheit wurde viel zu sehr über Renditen argumentiert.

Deutsche unterschätzen eigene Langlebigkeit

Die Darstellung der eigentlichen Kernleistung “Versicherung” haben weite Teile des Marktes sträflich vernachlässigt. Für den Kunden ist es aber immens wichtig, in seiner Altersvorsorge das “Risiko der Langlebigkeit” angemessen zu berücksichtigen. Und dieses Risiko wird in der Breite der Bevölkerung dramatisch unterschätzt: Auf 81,3 Jahre beziffern die Deutschen ihre Lebenserwartung [4] im Durchschnitt – bereits heute beträgt sie aber 89,6 Jahre.

Und Mittelwerte sind tückisch – ein Viertel aller heute 35-Jährigen wird älter als 95. Vor diesem Hintergrund wird der eigentliche Wert einer Rentenversicherung deutlich: Sie ist das einzige Produkt, bei dem der Kunde nicht gegen den eigenen Tod spekulieren muss.

Kurzsichtige Diskussionen um Garantieverzinsung

Auch die anhaltenden Diskussionen um die Garantieverzinsung werden oft zu kurzsichtig geführt. Denn anders als vielfach kritisiert, zeigt die klassische Rentenversicherung gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld [5] ihre Stärke.

Mit den besser verzinsten Investitionen der Vergangenheit wird die derzeitige Durststrecke überbrückt, so dass Kunden dieses Jahr 3,40 Prozent gutgeschrieben bekommen. Eine Versicherung ist eben kein individueller Sparvorgang, sondern es findet ein Ausgleich über die Zeit und über das Kollektiv statt.

Hinzu kommt: Dem Versicherer bieten sich in seiner Anlagepolitik ganz andere Möglichkeiten zur Diversifizierung als sie einem einzelnen Sparer [6] offen stehen – beispielsweise über Investitionen in Infrastruktur.

Seite zwei: Klassische Rentenversicherung wichtiger Stabilitätsanker [7]

Diese Vorteile zusammengenommen bleibt die klassische Rentenversicherung ein wichtiger Stabilitätsanker in jedem Vorsorgeportfolio – auch bei einem in den letzten Jahren deutlich gesenkten Garantiezins und der inzwischen diskutierten weiteren Absenkung zum Jahreswechsel 2014/2015.

Auch Vorsorgesparer müssen umdenken. Denn ganz ohne Risiko lässt sich im aktuellen Kapitalmarktumfeld kaum noch eine ausreichende Altersvorsorge aufbauen. Anders ausgedrückt: Ergänzende Produkte mit höheren Renditechancen sind sinnvoll – einen ausreichend langen Ansparzeitraum zum Ausgleich möglicher Schwankungen vorausgesetzt.

Bewertung von innovativen Garantieprodukten

An diesen Punkt knüpfen innovative Garantieprodukte [8] an, die Versicherer derzeit wieder vermehrt auf den Markt bringen. Entscheidend bei der Bewertung sollten dabei zwei grundsätzliche Fragen sein: Wie viel mehr Chancen auf Rendite bietet das Produkt durch den Verzicht auf Garantien? Und steht dies in einem angemessenen Verhältnis?

Vorsorgesparer allein können dies kaum beantworten. Eine gute Grundlage bieten aber so genannte Chance-Risiko-Profile, auf die Teile der Branche bereits zurückgreifen und die künftig im Rahmen der neuen Produktinformationsblätter für geförderte Vorsorge-Verträge vorgeschrieben sind.

Mehrwert und Verständlichkeit

Zugleich sind die Versicherer gut beraten, die Komplexität in ihrer Produktentwicklung [9] nicht ausufern zu lassen. Selbst gut ausgebildete Berater stoßen sonst im Kundengespräch [10] an ihre Grenzen – und noch wichtiger: Nicht jedes Mehr an Komplexität erzeugt im gleichen Maße auch Mehrwert für den Kunden.

Mehrwert und Verständlichkeit – genau das muss aber die Maxime sein, damit Altersvorsorge in der Breite die dringend notwendige Akzeptanz findet.

Autor Dirk Bohsem ist Leiter Kunden- und Vertriebsmanagement der MLP AG.

Foto: MLP