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Mit welcher Versorgungslücke im Pflegefall zu rechnen ist

Die Lücke zwischen den gesetzlichen Leistungen, die man im Pflegefall erhält, und den tatsächlichen Kosten wird trotz aller Reformbemühungen dauerhaft deutlich steigen. Wie hoch die sogenannte Versorgungslücke werden kann, ist den meisten nicht klar.

Markus Hierl, Leiter Partnervertrieb DFV Deutsche Familienversicherung AG

Das Pflegegeld liegt je nach Pflegestufe aktuell zwischen 120 und 700 Euro pro Monat und steht den Betroffenen zur freien Verfügung.

Die Große Koalition hat im Zuge der Pflegereform [1] auch eine Erhöhung der Leistungen vorgesehen. So erfreulich diese Entscheidung auch ist, die finanziellen Belastungen der Menschen werden im Pflegefall dadurch aber kaum geringer. Denn bei weiterhin deutlich steigenden Pflegekosten [2] wirkt die geplante Erhöhung um durchschnittlich 4 Prozent wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Durchschnittsrentner: Pflegebedürftigkeit existenzielles Problem

Das gilt vor allem, wenn der Pflegebedürftige [3] nicht (mehr) über einen unterhaltspflichtigen Partner, Kinder oder verwertbares Vermögen verfügt. Und gilt besonders für Frauen, die im Vergleich zu Männern allein schon auf Grund ihrer um fünf Jahre längeren Lebenserwartung einem doppelt so hohen Pflegefallrisiko ausgesetzt sind.

Das Pflegegeld liegt je nach Pflegestufe aktuell zwischen 120 und 700 Euro pro Monat und steht den Betroffenen zur freien Verfügung. Bei häuslicher Pflege könnte es damit auch den pflegenden Angehörigen [4] für deren Sonderaufwendungen oder etwaige Einkommensverluste zur Verfügung stehen.

Pflegesachleistungen werden dagegen nur für die nachgewiesene Inanspruchnahme eines professionellen Pflegedienstes gewährt und können je nach Pflegestufe zwischen 225 und 1.550 Euro betragen. Zwar sind beide Leistungen im Prinzip miteinander kombinierbar, jedoch immer nur bis zur Höhe der in der jeweiligen Pflegestufe maximal gezahlten Pflegesachleistung.

Was von der Rente übrig bleibt

Die meisten Betroffenen wollen im Pflegefall ambulant zu Hause gepflegt werden – am liebsten von Angehörigen. Dafür steht ihnen zum Beispiel in Pflegestufe II monatlich ein Pflegegeld von 440 Euro (525 Euro bei Demenz) zur Verfügung.

Können Angehörige die Pflege nicht übernehmen, sind die Betroffenen auf Pflegedienste angewiesen, die trotz bezahlter Sachleistungen eine erhebliche finanzielle Lücke entstehen lassen. Bei längerer Pflegebedürftigkeit oder im Falle einer in der Regel betreuungsintensiven Demenz sind selbst nichtberufstätige pflegende Angehörige meist auf die Mithilfe von Pflegefachkräften angewiesen.

Seite zwei: Beispielrechnungen offenbaren gravierende Finanzierungslücke [5]Was heißt das zum Beispiel für einen pflegebedürftigen Rentner – nennen wir ihn Karl M. – in Pflegestufe II, der zu Hause versorgt wird?

Hat Karl M. kein Vermögen, wird er seinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können.

Die Beispiel-Rechnung macht klar: Hat Karl M. kein Vermögen, wird er seinen Lebensunterhalt unter diesen Umständen nicht mehr bestreiten können. Dabei ist in dieser Rechnung unberücksichtigt, dass die Durchschnittsrente Ende 2012 deutlich unter dem oben aufgeführten Betrag lag.

Frauen erhalten weniger Rente

Für Männer waren es 940 Euro in den alten und 949 Euro in den neuen Bundesländern. Bei den Frauen sogar nur 538 beziehungsweise 692 Euro im Monat. Die errechnete Versorgungslücke würde sich also deutlich erhöhen, wenn die Betroffenen nicht noch über weitere Einkünfte – etwa aus einer Riester [6]– oder Betriebsrente [7] – verfügen.

Pflege im Heim ist günstiger, denn Kosten für Miete, Strom und Essen sind bereits inbegriffen.

Unterschiedlich hohe Versorgungslücke bei stationärer oder ambulanter Pflege

Auch dieses Ergebnis zeigt, dass selbst bei höheren eigenen Einkünften im Alter oder geringeren Kosten für “einzukaufende” Pflegedienstleistungen bei den meisten Betroffenen eine erhebliche Versorgungslücke übrig bleibt.

Sie ist im Falle der ambulanten Pflege sogar deutlich höher als bei stationärer. Denn bei Ersterer kommen die Kosten für Miete, Strom und Essen gesondert hinzu. Die finanzielle Lücke kann dann nur durch die Verwertung eventuell vorhandenen Vermögens (Ersparnisse [8], Immobilienbesitz [9]) geschlossen werden.

Steht kein ausreichendes Vermögen zur Verfügung, müssen eventuell vorhandene Unterhaltspflichtige (Ehegatte, Kinder) je nach eigener Leistungsfähigkeit dafür aufkommen. Erst wenn das noch nicht reicht, übernimmt der Sozialhilfeträger den Rest.

Seite drei: Worauf es in der Pflegeberatung ankommt [10]Wichtig dabei: Sollte der Betroffene innerhalb von zehn Jahren vor Eintritt des Pflegefalls eigenes Vermögen (etwa an Kinder, Enkel oder den Ehegatten) verschenkt haben, ist der Sozialhilfeträger berechtigt, dieses Geld von den Begünstigten zurückzuverlangen, um damit die eigenen Leistungen zu mindern.

Worauf es in der Pflegeberatung [11] ankommt

All dies macht deutlich, dass in der Pflegevorsorge neben der Berücksichtigung von Demenzerkrankungen ein besonderes Gewicht auf die umfassende Absicherung für die ambulante Pflege gelegt werden sollte. Immerhin macht diese rund 70 Prozent aller Pflegefälle aus und dauert zudem sehr viel länger als die durchschnittliche Verweildauer im Heim.

Legt man die oben ermittelten Zahlen zu Grunde, kommt man bei einer angenommen mittleren Verweildauer leicht auf eine Summe zwischen 60.000 und 80.000 Euro, die zur Schließung der finanziellen Lücke im Pflegefall insgesamt erforderlich ist.

Für erfolgreichen Pflegevertrieb [12] ist deshalb eine Bedarfsermittlung auf der Grundlage solcher Zahlen und der individuellen Situation des Kunden unerlässlich. Gleichmaßen sollte es aber auch um das Aufzeigen der Konsequenzen gehen, die sich aus einer ungenügenden Pflegevorsorge für den Betroffenen und seine Familie insgesamt ergeben können.

Autor Markus Hierl ist Leiter Partnervertrieb der DFV Deutsche Familienversicherung AG, deren Kerngeschäft im Bereich der Pflegevorsorge liegt.

Fotos: DFV / Shutterstock